Vorstellung KTM Duke 790

Vorstellung KTM Duke 790


Chirurgisches Präzisionsinstrument

Fragt man Besucher der EICMA 2017 nach der Neuheit, die die größten Menschentrauben verursacht hat, fällt unisono der Name KTM Duke 790. Publikumsmagnet, Shooting-Star, die Liste der Namen für KTMs neue „Landstraßenwaffe“ ist lang. Höchste Zeit, dass „Skalpell“ einer genaueren Betrachtung zu unterziehen.

Bisher klaffte bei KTM zwischen den 690er Einzylindern und dem mächtigen 1290cm³ großen V2 eine große Lücke. In der absatzstarken oberen Mittelklasse hatte der österreichische Hersteller bisher keinen Pfeil im Köcher. Mit den unter dem Kampfnamen „LC8c“ bewaffneten 790er Twins „wird diese Lücke aber nachhaltig geschlossen“, findet Gerald Kiska, seines Zeichens Chef von „Kiska Design“ und Vorstandsmitglied von KTM. Seiner Aussage nach wird die neue 790er Modellfamilie Aufsteiger, Wiedereinsteiger und Absteiger gleichermaßen bedienen, denen eine Super Duke mit 177 PS zu wuchtig und ein 690er Single mit 73 PS nicht stark genug ist. Die neue Duke 790 dient jedoch nicht als reiner Lückenbüßer, sondern wurde von Grund auf nach dem „Ready to Race“ Grundsatz von KTM entwickelt.

Neuer LC8c-Zweizylinder 

Herzstück der neuen 790er Mittelklasse bildet ein komplett neukonstruierter Reihenzweizylinder mit 799cm³ Hubraum und 270 Grad Hubzapfenversatz. Das erstmals bei KTM horizontal geteilte Aluminium-Motorgehäuse wurde in einem speziellen Hochdruckverfahren gefertigt. Dadurch konnten nicht nur die notwendigen Wandstärken des Gehäuses deutlich reduziert werden, sondern auch ordentlich Gewicht eingespart werden. Im inneren werkeln leichte Schmiedekolben mit 3 Kolbenringen und DLC-beschichteten (Diamond-like-Carbon) Kolbenbolzen in Nikasil-beschichteten Zylindern. Zwei Ausgleichswellen, eine davon im Zylinderkopf und eine direkt vor der Kurbelwelle, sorgen für einen vibrationsarmen Lauf. Zwei zur Gewichtsersparnis geschraubte Nockenwellen kommandieren über Schlepphebel jeweils 4 Ventile pro Zylinder. Beatmet wird der Reihentwin durch eine in den Heckrahmen intergierte Airbox, die ihre Nüstern durch großzügige Öffnungen in der Seitenverkleidung steckt. Verbranntes Gemisch wird Euro 4 konform und massenzentralisiert über einen Edelstahl-Endschalldämpfer mit Mitteltopf entsorgt. Dabei werden 105 PS bei 9.000 U/min und 86 Nm bei 8.000 U/min generiert. Besitzer des A2-Führerscheins können die 790er auch als leistungsreduzierte L-Version ordern, die sich führerscheinkonform drosseln lässt.

KTM Duke 790 (3)

Auf Messers Schneide

Mit einem Trockengewicht von gerade einmal 169 kg befindet sich die Duke 790 in direkter Schlagdistanz zum Klassenprimus Triumph Street Triple. Vollgetankt liegen beide mit einem Gewicht von 183 kg gleichauf, obwohl die Duke 790 nur über 14 Liter Tankvolumen verfügt. Der Gitterrohrrahmen aus Chrom-Molybdän-Stahl nimmt den Motor als tragendes Element auf und stützt sich vorne auf eine nicht einstellbare Upside-Down-Gabel von WP mit 43mm Durchmesser und hinten auf eine Fachwerk-Gussschwinge mit direkt angelenktem, in der Vorspannung einstellbarem WP-Federbein. 140 mm Federweg vorne und sogar 150 mm hinten sorgen für ausreichende Federungsreserven. Standardmäßig steht die neue Duke 790 auf Maxxis Supermaxx-ST Reifenmit speziell für die Duke 790 entwickelter Gummimischung in den Dimensionen 120/70 ZR 17 und 180/55 ZR17.  Vorne verzögert eine Doppelscheibenbremse mit 300 mm großen Scheiben in die sich radial montierte Bremssättel verbeißen. Ein Lenkungsdämpfer von WP sorgt für die notwendige Ruhe beim beherzten Angasen. Für eine optimale Ergonomie erlaubt die Gabelbrücke in Verbindung mit den Lenkerklemmblöcken vier verschiedene Lenkerpositionen. Für Rennstreckeneinsätze lässt sich das Schaltschema ohne Werkzeugeinsatz umkehren.

Elektronik definiert Klassenstandards neu

Die Liste der in der neuen Duke 790 verbauten Features liest sich ebenso lange, wie die Liste ihrer „Kampfnamen“. Da wäre zum ersten das serienmäßige Zweikanal-Kurven-ABS von Bosch, das über einen zusätzlichen Supermoto-Modus verfügt, bei dem sich das Hinterrad für feiste Drifts blockieren lässt, ohne auf den Blockierverhinderer in der Front verzichten zu müssen. Des Weiteren kann der Duke 790 Treiber über vier verschiedene Fahrmodi „Sport“, “Street“, „Rain“ und „Track“ wählen. Letzterer erlaubt die Einstellung aller Attribute wie Launch-Control, Anti-Wheelie-Modus, Schlupfanpassung oder die Anpassung der Gasannahme und dürfte daher besonders Vollblutracern entgegenkommen. Die Traktionskontrolle funktioniert in der Duke 790 schräglagenabhängig und regelt in den Fahrmodi „Sport“, „Street“ und „Rain“ innerhalb weniger Millisekunden mit kaum spürbarem Eingriff die Motorleistung. Dank Ride-By-Wire haben die Ingenieure der Duke 790 auch eine Motorschleppmoment-Regelung (MSR) verpasst, die in Verbindung mit der Anti-Hopping-Kupplung für sicheres Verzögern sorgt. Apropos Schalten: Die 790er verfügt über einen serienmäßigen, bidirektionalen Quickshifter, der sich dem persönlichen Fahrstil anpasst und Schaltvorgänge jeweils passend zur Fahrsituation vornimmt.

KTM Duke 790 Powerparts 2

Das Beste zum Schluss

Für alle, die für die Duke 790 jetzt einen Preis im satten fünfstelligen Bereich erwarten, gibt es mit einem Verkaufspreis von 9.790 Euro eine faustdicke Überraschung von KTM. Damit spielt die neue Duke im Preis-Leistungssegment ganz klar auf Klassensieg und legt die Messlatte für die Konkurrenz aus England, Japan und Italien ganz weit nach oben. Wir sind jedenfalls gespannt darauf, wie sich die neue Duke 790 gegenüber der Konkurrenz behaupten kann.

Fotos: KTM