Kettenöler als Alternative zum Kettenspray

Kettenöler als Alternative zum Kettenspray


Für ein langes Leben

Wo Metall kraftvoll gegen Metall reibt, bleibt bei fehlender Schmierung Verschleiß nicht aus. Beim Motorrad wird dies am deutlichsten erkennbar, wenn die Zähne des hinteren Kettenrades zügig die Form einer Haifischflosse annehmen.

Permanente Schmierung ist wichtig

Angesichts saftiger Preise für Kettensätze - und nur als Satz macht der Austausch einen Sinn - wird mancher Motorradfahrer über eine Verbesserung der Kettenschmierung nachdenken. Früher gingen zuerst die Rollen zu Bruch, weil im Inneren der Kette statt Schmiermittel nur rostiges Wasser am Metall nagte. Mit modernen O- oder X-Ring-Ketten ist dieses Problem weitgehend beseitigt. Was jetzt verschleißt, sind die Kettenräder und außenliegenden Teile der Kette. Kettenspray, auch wenn es noch so wirksam ist, verflüchtigt sich irgendwann durch die Fliehkräfte, wird abgeschleudert oder bei Regenfahrten einfach abgewaschen. Eine permanente Schmierung mittels Kettenöl ist die Alternative.

Zwei Systeme im Praxistest

Zwei Systeme wurden von uns in der Praxis getestet. Einmal der seit Jahren bekannte Scottoiler, zum zweiten ein vom Coburger Diplom-Ingenieur Frank Wachsmann entwickeltes System, das im Gegensatz zum Scottoiler nicht mit Unterdruck, sondern elektronisch arbeitet. Und hier liegt der gravierende Unterschied der beiden Systeme: Beim Scottoiler muß eine Verbindung zum Ansaugtrakt des Motors hergestellt werden, denn der im Fahrbetrieb entstehende Unterdruck hebt ein Ventil an und lässt so den Schmierstoff aus dem Vorratsbehälter auf das Kettenblatt tropfen. Wachsmanns CLS 200 besteht dagegen aus einem kleinen Kasten als Steuerelement und einem separaten Öltank. Nach dem Anschluß an die Batterie des Motorrades liest die Elektronik den Wechselstromanteil im Stromkreislauf aus, der durch die arbeitende Lichtmlaschine entsteht. Wenn der Motor läuft, gestattet ein Magnetventil in kurzen Abständen den Durchfluss des Schmierstoffes.

Die Länge der Öffnung wird durch einen Drehschalter bestimmt, der je nach Motorrad so angebracht wird, dass er auch während der Fahrt bedient werden kann. Außerdem greift ein Thermoelement in die Berechnung der Öffnungszeiten für das Magnetventil ein: Je wärmer es ist, desto kürzer werden die Öffnungszeiten, weil warmes Öl bekanntlich dünnflüssiger ist und entsprechend schneller fließt. Ein vor dem Steuerkasten eingesetztes Mengeneinstellstück dient zur groben Festlegung der Durchlaufmenge. Beim Scottoiler ist dies alles in einem einzigen Bauteil verpackt. Im Vorratsbehälter sitzt das Unterdruckventil, die Durchlaufmenge wird mittels eines Stellrades reguliert. Das CLS 200 kann mit drei verschieden großen Tanks geliefert werden, die aus dem Flugmodellbau stammen. Deren Größe wird durch den zur Verfügung stehenden Platz beim Einbau bestimmt. Vorrat wurde vergrößert.

Beim Scottoiler reagierte man auf die Kritik des zu kleinen Vorratsbehälters, vergrößerte in der aktuellen Version das Volumen erheblich, und bietet einen zusätzlichen Behälter an, der den Schmiermittelvorrat nochmals anhebt. Als Einbauort wird der Platz hinter dem Kennzeichen vorgeschlagen, das CLS muß unter der Sitzbank oder im Heckbürzel untergebracht werden. Die Vorratsbehälter beider Systeme fassen nahezu einen halben Liter Schmierstoff. Nach der Dosierung funktionieren beide Öler gleich: Die Schmiere gelangt durch einen Kunststoffschlauch über die Schwinge in die Nähe des Kettenrades, hier wird das Öl aufgetropft und verteilt sich durch die Fliehkraft auf die Kette. In der Praxis glänzen beide Systeme durch ihre vielfältige Ausstattung. Ob Kabelbinder, Sekundenkleber oder Klebeband, in den Universalkits sind ausreichend Teile für jeden erdenklichen Anbau beigelegt. Der wiederum kann von einem halbwegs geschickten Bastler selbst vorgenommen werden, gut erklärte und bebilderte Anleitungen erklären die Montage Schritt für Schritt. Je nach Motorradtyp muß eventuell gebohrt oder gesägt werden, bei der Montage ist vor allem beim Scottoiler der richtige Platz wichtig, da das Ventil nicht lageunabhängig funktioniert. Dem Magnetventil des CLS 200 ist die Lage dagegen egal. Die einzelnen Bauteile sind hochwertig ausgeführt und die Schläuche ausreichend lang. Beim Scottoiler gibt es jede Menge Adapter für den Anschluss an den Ansaugtrakt, wer sich hier trotzdem nicht recht traut, sollte den Anschluss gerade bei Einspritzmotoren, die keinen Unterdruckanschluss für die Messuhren bei Wartungsarbeiten besitzen, von einer Fachwerkstatt (z.B. im Rahmen der Inspektion) ausführen lassen. Natürlich montieren Werkstätten den Scottoiler auch komplett.