Aprilia RST 1000 Futura

Aprilia RST 1000 Futura


Aprilia will die fünfte Kraft auf dem Motorrad-Weltmarkt werden

Der Sporttourer RST 1000 Futura ist ein weiteres Mitglied der schnell wachsenden Viertakt-V2-Familie. Laut Aprilia-Produktmanager Andrea Soriani ist die Futura als Rivale für das etablierte Sporttourer-Dreigestirn Honda VFR/Triumph Sprint ST/Ducati ST4 gedacht, mit Betonung auf Sport - wohl deshalb fehlt BMW in der Aufzählung...

Das charakteristische Styling der Futura ist dem Technik-Paket, das vor Innovationen nur so knistert, wie auf den Leib geschneidert. Doch das hier ist kein Sieg von Form über Funktion, wie man schon beim Aufsteigen bemerkt. Die Sitzbank in 82 Zentimetern Höhe ist komfortabel, die ganze Fahrhaltung ist auf die Zielgruppe zugeschnitten. Die Lenkerhälften sind über der Gabelbrücke montiert und ein wenig nach oben und hinten gereckt - sportiver Komfort ist das Ergebnis. Auch die klappbaren Fußrasten erinnern an ein Sportbike, liegen für den langen Ritt jedoch weit genug unten. Man bringt die Schleifschrauben relativ leicht auf den Asphalt, doch zuvor kratzt schon der serienmäßige Hauptständer. Dennoch ist die Bodenfreiheit mehr als angemessen. Der 21-Liter-Tank - groß genug für eine 270-Kilometer-Etappe bei 120 km/h - ist für die Knie an den Seiten tief ausgearbeitet und macht so die grazile Bauweise der Futura bewusst. Dank des kompakten Motors, der im Alurahmen in der Nähe des Schwerpunktes positioniert wurde, fühlt sich die Aprilia massig, aber schlank an. Der Fahrgastraum - so muss man das Platzangebot auf der breiten, flachen Sitzbank nennen - wird hinten von zwei massiven Handgriffen begrenzt, die zusammen mit dem Wulst am vorderen Rand des Soziusplatzes das Nach-vorn-Rutschen auch bei heftigem Bremsen verhindern.

weitere Wohltat wird durch den mittig unter der Sitzbank platzierten Auspuff möglich: Die Lage der Soziusfußrasten wird nicht wie bei anderen Sporttourern durch dicke Schalldämpfer in die Höhe getrieben. Einziger Nachteil dieser Bauweise ist das Fehlen jeglichen Stauraums unter der Sitzbank. Nach dem Anlassen könnte man zunächst enttäuscht sein, denn während die elektronische Einspritzung die automatische Kaltstart-Anreicherung einreguliert, ist kaum etwas zu hören.
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Akustische Temperamentsäußerungen? Fehlanzeige.Dafür verwöhnt die Futura mit fernreisetauglicher Ergonomie. Die Bedienelemente erreichen guten japanischen Standard, die Kupplung ist locker zu bedienen, beide Handhebel sind einstellbar, der Gangwechsel geht stets fehlerfrei und der leichtgängige Gasgriff liefert prompte Beschleunigung ohne den ruckhaften Leistungseinsatz, wie bei anderen Einspritzsystemen. Reißt man den Hahn auf, zieht die Futura schon ab 2500 Umdrehungen sauber los. Bei 5000 wird der Vorwärtsdrang deutlich stärker und ab 6000 Touren geht die Post ab bis zum Gipfel bei 9000. Dann sind es noch weitere 1500 U/min bis zum sanft einsetzenden Drehzahlbegrenzer. Kein Problem also, den Motor im grünen Drehmoment-Bereich zu halten. Bei 220 km/h im sechsten Gang dreht der V-Twin - in den Fußrasten durchaus nicht vibrationsfrei - 8500 mal in der Minute.

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Bestnoten

Bis auf das Kribbeln in den Füßen ist die Futura rundum gelungen. Die Frontscheibe ist nicht so hoch, dass man den Kontakt zum Vorderrad nicht mehr fühlt, schützt aber ab 100 km/h auch großgewachsene Fahrer vor dem Wind, ohne dass der Helm gerüttelt würde. Die Scheibe gibt es nur in einer Höhe und einstellbar ist sie auch nicht - wozu auch? Überhaupt die Verkleidung: Sie funktioniert ganz hervorragend, ohne die ausladenden Formen, die an manchen Vierzylindern nötig sind. Bestnoten bekommt auch das klar lesbare Armaturenbrett mit den beiden analogen Instrumenten für Geschwindigkeit und Drehzahl und dem digitalen Info-Center, das nicht nur über Benzinstand und Außentemperatur unterrichtet, sondern auch über den nächsten Inspektionstermin. Einzig die Spiegel bedürfen der Überarbeitung: Weit ausladend und sehr hoch platziert, zeigen sie einem die eigenen Schultern. Für ein Big Bike mit immerhin 1435 Millimetern Radstand lenkt die Aprilia einfach, aber präzise ein und lässt sich leicht von einer Schräglage in die andere werfen. Selbst die Frostschäden auf der Straße zum Ätna hinauf konnten das Fahrwerk auch nicht aus der Ruhe bringen: Das Sachs-Federbein und die Showa-Gabel - beide nur in Federvorspannung und Zugstufendämpfung verstellbar - funktionieren gut, wenn auch nicht so feinfühlig wie an den RSV-Mille-Schwestern. In engen Kehren zeigt der Alu-Brückenrahmen seine ganze Stabilität. Auch auf schlechtem Untergrund ist man meist schneller unterwegs, als man glaubt.

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Ausgebremst

Das Abbremsen der Aprilia RST 1000 Futura ist - solange man solo unterwegs ist - kein Problem. Das abgespeckte Brembo-Paket hinterlässt den Eindruck, nicht mehr als ausreichend zu sein. Möglich, dass die Beläge für die lange Tourer-Saison ausgelegt sind, doch ob sie ihren Job bei Beladung mit Gepäck und zwei Personen gut erledigen, bleibt fraglich. Es fehlt einfach der Biss, der dem "Sport" in Sporttourer in diesem Fall entsprechen würde. Abzuwarten bleibt, ob das ab 2002 erhältliche ABS die Bremsanlage verbessert...