Victory Vision Tour

Victory Vision Tour


Back to the Future

Die Victory Vision Tour ist mal ein echt spaciges Teil. Die Optik ist wirklich außergewöhnlich. Wenn man einen Science-Fiction aus den 50ern anschaut in dem Motorrad gefahren wird, kommt die zukünftige Optik von damals der Vision recht nah. Back to the Future eben.

Eindruck Victory Vision

Viel, seeehr viel Motorrad steht da vor einem. Die Vision hat schon gewaltige Ausmaße. Sie gehört zu der Kategorie von Motorrädern die man entweder mag oder nicht. Dazwischen gibt es nichts. Aber ob sie gefällt oder nicht, die Victory Vision zieht jeden in ihren Bann. Die wuchtige Frontverkleidung im Enterprise-Star-Wars-Design, die doppelte Farbgebung und vor allem das Heck mit den integrierten Koffern und dem mächtigen Topcase. Wie ein Straßenkreuzer auf 2 Rädern. Dagegen wirken vergleichbare Supertourer wie Honda Goldwing oder Harley-Davidson Electra Glide fast nüchtern gestaltet. Die Sitzposition ist angenehm tief, der Sattel breit und äußerst komfortabel gepolstert. Wenn man allerdings nach hinten schaut, wird man fast neidisch auf den Beifahrer. Was der als Sitzplatz vorfindet, grenzt schon an einen Ohrensessel. Die Ausstattung ist komplett, aber nicht üppig. Die obligatorische Soundanlage ist ebenso dabei wie der Tempomat, Bordcomputer sowie Griff- und Sitzheizung. Bei Victory Motorrädern noch nicht Standard: ABS ist serienmäßig. Der Stauraum fällt geringer aus als erwartet, ist mit insgesamt 110 Litern aber immer noch enorm. Die Instrumente sehen mit den weißen Zifferblättern gut aus, die Bedienung ist insgesamt selbsterklärend. Weniger schön ist die Tankkonsole aus Kunststoff mit dem wackeligen Zündschloss. Und was kostet so viel Moped? 22.490 Euronen ruft Victory für die Vision aus. Eine Menge Geld, aber gemessen an der Konkurrenz durchaus angemessen.

Motor Vision Tour

Wie bei allen Victory Motorrädern ist auch in der Vision der 106 cubicinch Freedom-V-Twin-Motor verbaut. Also ein luftgekühlter V2 mit 1.731 Kubik, 89 PS und 153 NM Drehmoment. Die ganze Kraft wird per 6-Gang-Getriebe und Zahnriemen an Hinterrad übertragen. Der bekannt potente V2 hat hier allerdings keinen leichten Job. Die 395 kg Trockengewicht fordern ihren Tribut und nehmen der Vision ein wenig von der Spritzigkeit ihrer leichteren Schwestermodelle. Für genügend Vortrieb ist allerdings immer noch gesorgt. Das Getriebe verlangt – wie bei Victory üblich -  in der Bedienung Nachdruck. Der Gangwechsel verlangt mehr Kraft als man es von anderen Motorrädern gewohnt ist. Dennoch funktioniert das Getriebe zuverlässig. Das störrische Verhalten der ersten Victorymodelle war an der Victory Vision nicht mehr festzustellen. Dafür brachte der Drehzahlmesser Licht in das Dunkel der Getriebeabstufung. In der Vergangenheit (ohne Drehzahlmesser) wurde die nicht immer passende Übersetzung kritisiert. Wo andere Cruiser schon bei knapp unter 40 km/h im 3. Gang losbollern, nervten die Victory mit Zicken. Ständig musste cruiseruntypisch der kleinere Gang bemüht werden. Schuld ist die zu lange Getriebeübersetzung. Dem Fahrer bleibt nichts anderes übrig als die länger auszufahren. Durch die ellenlange Übersetzung bleibt das Drehzahlniveau ist dennoch niedrig, man fährt im kleinen Gang bei niedriger Drehzahl halt einfach schneller als gewohnt.

Victory Vision Tour 12

Fahreindrücke Vision

Durch die wuchtige Erscheinung und die hohen Aufbauten an Front und Heck hat man fast das Gefühl man steigt in das Motorrad ein statt auf. Die Sitzhöhe ist mit 673mm für einen so riesigen Hobel extrem niedrig. Dadurch ergibt sich ein stabiler Stand, selbst Kurzbeinige finden einen guten Halt. Wer auf der Vision nicht bequem sitzt, sollte dringend den nächsten Orthopäden aufsuchen. Der Sattel ist extrem bequem, die Füße finden auf den Trittbrettern Platz und der Lenker streckt sich dem Fahrer weit entgegen. So lassen sich hunderte von Kilometern abspulen. Die nächste Pause diktiert der Tankinhalt oder die Blase des Fahrers (was ja auch mit Inhalt zu tun hat). Schon auf den ersten Metern macht die Vision klar wo sie ihr Einsatzzweck liegt. Der Fahrer fühlt sich von der Straße weitgehend entkoppelt. Das Vorderrad scheint meilenweit weg zu sein und liefert wenig Feedback. Das restliche Gefühlt verschwindet in der komfortablen Abstimmung des Fahrwerks. Entsprechend träge ist das Handling. Alles wirkt wie in Watte gepackt, Fahrbefehle werden von der Vision scheinbar zeitversetzt umgesetzt. Ein ähnliches Bild bei Schräglagenfahrt. Erstaunlich leicht lässt sich die Vision Tour umlegen, aber es fehlt das Gefühl für den Neigungswinkel. Man tastet sich quasi nach unten. Dabei geht es tiefer als man denkt. Die Schräglagenfreiheit ist erstaunlich gut. Zusammengefasst: Die Victory Vision verlangt nach einer kurzen Eingewöhnung.

Victory Vision Tour 03

Danach lässt sie sich für eine solche Wuchtbrumme flott bewegen, artgerechte Behandlung vorausgesetzt. Das Fahrwerk ist komfortabel, die Bremsleistung gut, allerdings auch meilenweit weg von brachial. Was sonst noch passiert wenn man mit der Victory unterwegs ist? Fußgänger glotzen einem ständig hinterher. Autofahrer verdrehen sich die Hälse. Ein S-Klassefahrer ist auf der Autobahn in einer Baustelle sogar weiter in der gesperrten Spur gefahren um die Vision ausgiebig zu studieren. Bei jedem Halt wird man angesprochen. Was ist das für ein Teil? Wie teuer, wie schnellt, wie stark? Die Vision sorgt immer für großes Aufsehen.