Victory Kingpin

Victory Kingpin


Alle Neune!

Die Kingpin ist der klassische Cruiser im Modellprogramm von Victory. Geschwungene Kotflügel vorne und hinten, dicker 18-Zoll-Vorderreifen, Trittbretter und großer V2. Fertig ist der Cruiser. Allerdings spart sich die Kingpin sämtlichen Zierrat wie Zusatzscheinwerfer, Sissybar, Kotflügelreling und was sonst noch als beliebte Verzierungen bei so manch barockem Cruiser verbaut ist. Die Kingpin ist sozusagen ein „cleaner“ Cruiser und kommt ohne den ganzen Schnickschnack aus.

Fakten

Die Kingpin sieht nicht nur lang aus, sie ist es auch: 2.537 mm, also über Zwo Fuffzig. Zum Vergleich: ein Buell Lightning ist mehr als einen halben Meter kürzer. Und wer hätte es gedacht? Die Victory Kingpin hat dem Leichtbau konsequent eine Absage erteilt. 303 kg Trockengewicht gibt Victory für die Kingpin an. Das ist es gut dass der in allen Victorymodellen verbaute V2 bekannt gut im Futter steht. 1731 Kubik, 89 PS und 140 NM Drehmoment. Für den Kontakt zur Straße ist vorne eine Upside-Down Gabel mit 130 mm Federweg verantwortlich. Hinten federt die Kingpin über ein gasgefülltes Federbein mit 100 mm Federweg. Bei der Bereifung wählte Victory für die Kingpin moderate Formate. Vorne dreht sich ein 130/70 und hinten ein 180/55 jeweils auf einer 18-Zollfelge. Am Vorderrad ist eine einsame Bremsscheibe montiert, die immerhin von 4 Kolben in die Zange genommen wird, hinten sind es 2 Kolben. Bei dem Gewicht wäre eine 2. Scheibe sicher sinnvoll. ABS gibt es leider weder für Geld noch für gute Worte. 15.490 Euro verlangt der Victoryhändler für eine Kingpin. Damit liegt sie preislich auf einer Höhe mit der Konkurrenz aus Milwaukee. Wer möchte, kann seine Kingpin mit allerlei Zubehör aufrüsten: Tempomat, Windschilder, Koffer, diverse Auspuffanlagen, insgesamt 293 Zubehörteile gibt es laut Victory für die Kingpin.

Victory Kingpin 11

Eindrücke

Victory Motorräder wirken ja meist gestreckt, aber bei der Kingpin verstärkt sich dieser Eindruck noch. Dies liegt einerseits an den nach hinten geschwungenen Kotflügeln, andererseits aber auch an dem Dank dem 180er Hinterreifen recht schmalen Heck. Sie wirkt einfach flach und lang, genauso wie es Cruiserfans schätzen. Die Sitzposition ist dementsprechend dann auch keine Überraschung. Der Fahrersitz ist gerademal 673 mm über der Straße montiert, die Beine strecken sich nach vorne auf die Trittbretter, die Arme ebenso nach vorne, allerdings zum Lenker. Der ist recht flach und breit gehalten und liegt gut in der Hand. Die beiden Rückspiegel ermöglichen eine gute Sicht auf den folgenden Verkehr. Hinter dem Lenker blickt man auf den schlichten Tacho mit Tripzähler, auf der Gabelbrücke sind dann noch 6 Kontrollleuchten zu finden. Das war’s. Nicht üppig, aber im Grunde ist alles Notwendige da. Sehr gelungen ist der Übergang von Sitzbank zum Tank. Der Sattel läuft spitz in den Tank rein. Hat keinen reellen Nutzen, sieht aber gut aus (schaut Euch die Bilder an). Bedienung und Schalter sind selbsterklärend, alles ist da wo es auch hingehört. Lediglich das Zündschloss erfordert etwas Fummelei. Es ist auf der linken Seite unter dem Tank, quasi zwischen den beiden Zylindern zu finden. Ärgerlich wenn man den Motor mit eingelegtem Gang ausmachen will, da die linke Hand nun mal den Kupplungshebel hält. Und schon erlebt der Killschalter sein Revival.

Victory Kingpin 08

Unterwegs

Draufsetzen, durch die tiefe Sitzposition hat man fast das Gefühl sich reinzusetzen, Zündschlüssel rum und Motor starten. Wer jetzt die übliche wilde Schüttelei eines großen luftgekühlten V2 erwartet, wird überrascht sein. Der V2 lauft absolut rund und fast vibrationsfrei. Der Sound ist gedämpft aber nicht langweilig. Erst bei voller Beschleunigung röhrt der V2 so richtig und treibt einem die Gänsehaut den Buckel hoch. Der erste Gang geht nur mit Nachdruck und ordentlich Krach rein. Dies gilt leider für die meisten Gangwechsel und galt auch für andere Modelle von Victory. Auf der Kingpin ist die Schaltarbeit aber eine nicht ganz so anstrengende Plackerei, ein kräftiges Hurra auf die Schaltwippe. Diese erleichtert die Gangwechsel doch erheblich, auch wenn die Schaltung ein ganzes Stück vom perfekten Getriebe entfernt ist. Zum Glück ist dank des mächtigen Drehmoments nicht viel Schaltarbeit gefragt. Der 106 cubicinch große V2 ist einfach eine Wucht und schiebt die Kingpin an dass einem angst und bange wird. Immerhin sprechen wir hier von einem Cruiser und denen sagt man ja eine gemütliche Gangart nach. Aber nicht mit diesem V2.

Victory Kingpin 03

Der kann zwar auch gemütlich, aber kurze Zwischensprints machen einfach viel zuviel Laune. Gemütlich im 3. Gang durch die Ortschaft gondeln und dann am Ortsschild das Gas aufziehen. Die Fuhre geht ab wie nix gutes, der V2 hämmert, der Lenker wird zur Haltestange. Nächster Gang, gleiche Performance. Spätestens dann hat man jedoch den Rahmen des Gesetzgebers gesprengt. Gut das die Kingpin für einen Cruiser recht straff abgestimmt ist. Das Fahrwerk ist ein gelungener Kompromiss zwischen straffer Abstimmung und Komfort. Wo die Konkurrenz schon wackelt und schaukelt, zieht die Kingpin unbeirrt ihre Bahn. Doch auch die Victory kann keine Wunder vollbringen. Sie lässt sich zwar zügig und auch recht handlich bewegen, aber spätestens die geringe Schräglagengrenze und die Bremsleistung schränken sportliche Gangart wesentlich ein. Bei den Pfunden die die Kingpin auf den Hüften hat, kann die vordere Scheibe keine Wunder vollbringen. Grundsätzlich bremst die Victory insgesamt zuverlässig.