Harley Davidson Dyna Wide Glide 2011

Harley Davidson Dyna Wide Glide 2011


Muskeln ohne Fett

Da ist es: das Easy Rider-Feeling! Purer und unverfälschter Motorrad-Genuss macht sich breit. Der Anblick dieses Factory-Custom-Bikes stimuliert alle Sinne. Keine Windschutzscheibe, kein Gel-Gestühl, keine weichgespülte Federung und keine Trittbretter. Dafür gibt es den großen 1600 ccm-Motor, eine ordentlich gereckte Gabel mit großem Vorderrad und den unvergleichlichen Bollersound aus den allerdings vorschriftsmäßig gedämpften Tüten. Chopper pur ab Werk.

Wilder Hengst mit guten Manieren

Der Druck auf den Startknopf lässt den Anlasser mächtig schlagen. "Rumms" und die Wide Glide schüttelt sich wie ein wilder Hengst, der nur darauf wartet, dass man ihm endlich die Sporen gibt. "Klack!" Lauter kann man nirgends den ersten Gang einlegen. Kupplung kommen lassen, leichter Dreh am Gasgriff: Schon zeigt sich die Maschine von ihrer besten Seite. Satt und willig, sämig und kraftvoll zieht sie durch das Drehzahlband. Wow! Wie erwartet legt sich der große Twin schon bei niedrigsten Drehzahlen mächtig ins Zeug. Dazu tragen das fahrstabile Dyna-Chassis und der vibrationsisoliert darin aufgehängte Twin Cam 96-Motor mit 1.584 Kubikzentimetern Hubraum bei. Der V2 verfügt über die Kraftstoffeinspritzung ESPFI und das aktive Ansaug- und Auspuffsystem, das Drehmomentverlauf und Sound zugute kommt. Zahlreiche Produktoptimierungen an mehreren Bauteilen machen den Motor für das Modelljahr 2011 noch besser.

Harley Wide Glide 02

Schön schnell schnell, aber zu langsam langsam

So lässt es sich prima über Boulevards flanieren, um bei Bedarf mit einem kurzen Dreh am Gasgriff zum Spurt anzusetzen - Schalten nicht nötig. Auf Landstraßen genießt der Fahrer im 5. oder 6. Gang herrliches Cruisen, auf Autobahnen überzeugt der Speed auch jenseits der 140 kmm/h. Es geht natürlich noch viel schneller, z.B. zum Überholen, doch dann zerrt der Wind so kräftig, dass man sich automatisch wieder auf ein angenehmes Tempo von rund 120 km/h zurückfallen lässt. Auch vor kleinen Sträßchen mit schnellen Kurvenwechseln und ordentlich Schräglage muss man auf der Wide Glide keine Sorgen haben. Sie schwingt willig von der einen auf die andere Seite, richtet sich beim Herausbeschleunigen auch prima wieder auf.

Harley Wide Glide 13

Während also das Fahren an sich - und das Beschleunigen insbesondere - Riesenspaß vermittelt, zieht es einem beim Bremsen doch die Sorgenfalten ins Gesicht. Die vordere Scheibe sorgt da noch für ordentliche und gut dosierte Entschleunigung. Beim Tritt auf das Bremspedal jedoch passiert wenig. Erst ein wirklich kräftiger "Nachdruck" bringt den hinteren Stopper dazu, seine Arbeit aufzunehmen. Geht gar nicht! Liebe Harley-Bauer, hier herrscht dringend Nachbesserungsbedarf! Und zumindest für Europa solltet ihr in Erwägung ziehen, ABS - wenn nicht in Serie, dann wenigstens als Option - für alle eure Mopeds anzubieten. Dieses Sicherheits-Feature gehört inzwischen meines Erachtens zur Standardausrüstung von Motorrädern ab der gehobenen Leistungs- und Preiskategorie. Und stünde Harley Davidson wahrlich gut zu Gesicht!

Custom-Bike ab Werk

Ok, das war es schon mit ernsthafter Kritik an dem ansonsten sauber verarbeiteten Bike. Bekannt ist ja inzwischen hinlänglich die seit Jahren erheblich bessere Qualität der amerikanischen Bikeschmiede. Das zöllige Werkzeug kann getrost in der Garage bleiben, bis der Individualist mit eigenen Umbauten zum Customizer avanciert. Die Wide Glide ist eine überzeugende Basis für die Umrüstung nach eigenen Vorstellungen. Mit der "Street Bob" liefert Harley Davidson selbst eine hervorragende Variante.

Harley Wide Glide 12

Doch auch die serienmäßige Wide Glide direkt aus dem Schaufenster macht Spaß ohne Ende. Erscheinungsbild, Lackierungsoptionen, reichlich Chrom sowie die solide Technik mit dem starken Zweizylinder, die niedrige und aufrechte Sitzposition hinter dem Lenker sowie das relaxte Fahrgefühl machen süchtig. Dabei verbraucht die Wide Glide nicht viel und nimmt im großen Tank genügend Sprit für locker über 300 Kilometer mit.Wer über genügend Sitzfleisch verfügt, reitet diese Distanz locker an einem Stück ab. Sitz und Federung vermitteln allerdings direkten Fahrbahnkontakt, so dass sich feinfühligere Hinterteile zwischen den Tankpausen gerne mal ein Päuschen gönnen, wobei auch die Sozia auf dem schmalen Brötchen für gelegentliche "Stehpausen" dankbar ist. Lange Etappen oder Kilometer fressen sind für die Wide Glide zwar kein Problem, aber auch nicht ihre Stärke. Dafür hat Harley Davidson mit den Softails oder den E-Glides probatere Fahrzeuge im Programm.

Harley Wide Glide 21