Harley-Davidson V-Rod Muscle

Harley-Davidson V-Rod Muscle


Heavy Metal und dicker Hintern

V-Rod Muscle klingt martialisch. Nach viel Metall, Muskeln, Schweiß, viel Leistung und brachialem Auftritt. Ein Motorrad das mehr mit dem Fahrer fährt als umgekehrt und vor Kraft kaum laufen kann. Wie so mancher Muskelmann aus der Muckibude halt. Manchmal sind Namen aber halt auch Schall und Rauch – oder einfach nur falsch gewählt …

Eindruck Harley-Davidson V-Rod Muscle

Die Harley ist ein ausgeprägtes Flacheisen. Flach und geduckt steht sie auf der Straße. Und verdammt breit. Zumindest von hinten. Denn dort ist eine 240/40R18-Walze verbaut, die stilbildend für das fette Heck ist. Vorne findet sich ein vergleichsweise schmaler Gummi der Größe 120/70R19. Der Fahrer sitzt erwartungsgemäß sehr tief über dem Asphalt. Gerade einmal 705 mm beträgt die Sitzhöhe. Die Fußrasten sind weit vorne angebracht, fast hat man das Gefühl sie sind an der Vorderradachse montiert. Kurzbeinige Muscletreiber müssen die Treter schon mächtig strecken. Der Lenker ist ebenfalls recht weit vorne montiert. Der Fahrer muss sich leicht nach vorne beugen um ihn zu erreichen.

Die Summe des ganzen ergibt zwar eine lässige, aber auf Dauer ermüdende Haltung. Von einer fahraktiven Sitzposition ganz zu schweigen. Immerhin bietet die hintere Stufe der Sitzbank dem Fahrer eine kleine Stütze, was auf längeren Autobahnfahrten den Kampf gegen den Fahrtwind erträglicher gestaltet. Auch der Rest der V-Rod Muscle verlangt nach Kompromissen. Der Soziusplatz ist quasi nicht vorhanden. Die Instrumente sind hübsch aber schlecht ablesbar. Die Kontrollleuchten bei Sonne funzelig und nicht zu erkennen. Aber was soll’s? Ist irgendwie verdammt cool auf der Harley zu hocken. Lässig cruisen ist angesagt, wer braucht da eine fahraktive Sitzposition.

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Motor V-Rod Muscle

Hier ist alles beim alten. Mittlerweile ist der flüssigkeitsgekühlte V2 ja ein alter Bekannter, schließlich feiert die V-Rod dieses Jahr ihren 10. Geburtstag. Aus 1.247 Kubik schickt der V2 insgesamt 122 Pferde an den Start. Eine durchaus stattliche Herde, aber im Sinne des Namens eher die untere Grenze oder besser: das Mindestmaß. Ein Hinweis auf VMax, Rocket und Diavel sei zur Erklärung gestattet. Von Untermotorisierung zu reden, ist aber sicher übertrieben. Der V2 liefert mehr Kraft als man im Alltag abruft und sorgt stets für zügigstes Vorankommen. Allerdings nicht im Harley üblichen Sinn. Bollernde Kraft aus dem tiefsten Drehzahlkeller ist nicht die Sache der V-Rod. Hier unterscheidet sie sich deutlich von ihren luftgekühlten Schwestermodellen. Ordentlicher Schub beginnt bei 3.000 Umdrehung. Darunter tut sich die Harley eher schwer und tut dies auch mit Ruckeln kund. Ab der 3.000er-Marke geht es allerdings richtig zur Sache.

Dann schiebt der V2 mächtig an, drückt den Fahrer ordentlich in den Sitz und zieht ihm gleichzeitig die Arme lang. Im Vergleich mit den luftgekühlten Modellen ist man immer einen Gang niedriger unterwegs und dreht die Gänge eher aus als früh hoch zu schalten. So bewegt, gibt die Muscle den schwächeren Schwestern das Nachsehen und lässt sie weit hinter sich. Aber spätestens an der nächsten Ampel gleicht diese die Schmach mit dem bollernden V2-Sound dies locker aus. Denn was der V-Rod an Sound entfleucht, gereicht eher einem VW Golf zur Ehre. Aber sicher nicht einem Muscle-Bike.

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Fahreindruck

Der Motor ist ja einer von der zügigen Sorte. Der Rest kann da nicht ganz mithalten – was an sich ja keine Überraschung ist. Schließlich geht es hier nicht um einen kurvenfressenden Supersportler sondern um einen Powercruiser. Und unter diesen Gesichtspunkten schlägt sich die V-Rod Muscle recht wacker. Das Fahrwerk ist ordentlich straff ausgelegt und zieht brav seine Bahn. Lediglich der dicke Hinterreifen kommt einem da ab und an dazwischen. Anfangs lässt sich die Fuhre noch recht einfach in Schräglage bringen. Danach ist für jedes weitere Grad an Schräglage schwere Arbeit angesagt. Dabei hält die V-Rod den eingeschlagenen Kurs recht gut ein. Bodenwellen bringen dann aber doch schnell Unruhe in Gebälk. Dann will die Harley mit Nachdruck auf Kurs gehalten werden. Die lässige aber doch sehr passive Sitzposition macht es dem Fahrer da nicht leichter.

Wer es fahraktiver mag, stellt seine Füße einfach auf die Soziusrasten. Schon hat man ein besseres Gefühl für die Fahrt, zumindest bis zum nächsten Brems- und Schaltvorgang. Für den Sporteinsatz ist die V-Rod aber ja auch nicht vorgesehen. Passt man seine Fahrweise entsprechend an, kommt man immer noch zügig vorwärts und hat viel Spaß dabei. Der Federungskomfort ist eher bescheiden. Zwar ist die Muscle keine sänftenartige Schaukel, aber 102 mm vorne und 74 mm lassen da nicht wirklich viel Luft zum Arbeiten. Einen positiven Eindruck hinterlassen die Bremsen. Die nötige Handkraft ist zwar enorm, die Bremsen wirken eher stumpf, aber die Verzögerung ist insgesamt in Ordnung.

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