Husqvarna Nuda 900

Husqvarna Nuda 900


Italienischer Brüller mit bayerischem Herz

Die Nuda 900 von Husqvarna ist wohl eine der spektakulärsten Neuerscheinungen der Saison 2012. Ein schon auf den allerersten Blick erkennbar kompromissloses Funbike haben die Italiener da auf die Straßenbereifung gestellt. Im Bauch kribbelt es, der Kopf schaltet direkt auf Attacke. Die Nuda verwandelt schon im Stand jeden Blümchenpflücker in einen Kurvenfresser. Ob sie hält was sie verspricht, haben wir mal genauer unter die Lupe genommen.

Die Supermoto-Optik macht schon mal an. Egal ob einem das Design gefällt oder nicht, faszinierend ist es in jedem Fall. Freunde geschwungener Linien wird es schier den Atem verschlagen. Rund bei der Nuda nur die Räder. Der Rest ist geradlinig und bietet jede Menge Ecken und Kanten. Nicht einmal das Schutzblech am Vorderrad ist einfach nur rund. Nein es hat die Form eines Flügels und sieht eher nach Frontspoiler aus. So vermittelt die Nuda den Eindruck eines drahtigen Sportlers, vermeidet optisch und auch tatsächlich jedes Gramm Fett. Dazu passen die schmale und harte Sitzbank und der breite und kaum gekröpfte Lenker. Der Fahrer ist daher immer mit ausgestellten Ellbogen unterwegs, nicht unbequem aber gewöhnungsbedürftig. Trotz der hohen Sitzposition von 870 mm finden die Füße dank der schmalen Taille recht guten Kontakt zum Boden. Das niedrige Gewicht von 195 kg erleichtert den Umgang mit der Nuda im wahrsten Sinne des Wortes. Schalter und Bedienung sind selbsterklärend. Die Instrumente auf das wesentliche reduziert und dennoch bis hin zur Ganganzeige komplett. Lediglich die Sicht nach hinten gewährt einen nur Blick auf die eigenen Oberarme.

Motor Nuda 900

Den Antrieb übernimmt ein alter Bekannter. Konzernmutter BMW spendete der italienischen Tochter den Zweizylinder aus der F800-Familie. Mit dem hat der Twin aber nach der Überarbeitung nicht mehr viel gemein. Auf der einen Seite der potente aber auch brave Antrieb aus Bayern, auf der anderen Seite das packende und brüllende Emotionspaket aus Bella Italia. Nach guter alter Manier wurde der Hubraum auf 898 Kubik erweitert. Das Ergebnis sind 105 PS bei 8500 Umdrehungen und 100 NM bei 7000 U/Min. Das degradiert die F800R endgültig zur kleinen Schwester in Sachen Leistung. Es ist jedoch weniger das eigentliche Leistungsplus was die BMW alt aussehen lässt. Vielmehr ist es die Art und Weise wie die Leistung auf die Straße gebracht wird. Schon im Stand zeigt die Nuda wo der Hammer hängt. Jeder der die Husky zum ersten mal startet, zuckt erst unwillkürlich zusammen und kriegt dann das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Kann das legal sein? Egal. Einfach nur genießen. Es bollert und spratzelt herrlich aus dem Endtopf.

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Jeder Dreh am Gasgriff macht das Grinsen breiter und schickt einem die Gänsehaust auf die Pelle. Der Sound ist so brachial dass wir die Nuda bei einer Polizeikontrolle eines Kollegen mit Sicherheitsabstand zu den Ordnungshütern abgestellt haben. Wir gehen mal davon aus dass der Sound bei aller Herrlichkeit dennoch legal ist und appellieren an alle Hersteller sich diese Klangkulisse mal zu Gemüte zu führen. Wäre es nicht herrlich wenn eine Triumph Thruxton, eine W800 oder gar eine F800 ähnlich klingen dürften? Der Antritt steht dem Sound in nichts nach. Schub aus allen Lagen. Der Twin kennt nur eine Richtung und die geht mächtig nach vorne. Dabei verkneift er sich Zickigkeiten im unteren Drehzahlbereich und zieht bei niedrigsten Drehzahlen sauber durch. Endlich mal ein Charakterantrieb der einem nicht unter 3.000 Umdrehung die Kette um die Ohren schlägt.

Fahreindruck Husqvarna Nuda 900

Supermotomäßige Sitzposition, geringes Gewicht und ein mehr als potenter Motor. Der gerne zitierte Ritt auf der Kanonenkugel kommt der Realität am nächsten. Der Fahrer sitzt eher auf als in der Maschine, der Lenker ist scheinbar direkt vor den Bauchnabel montiert. Der Fahrer greift breit, die Ellbogen gehen nach außen. Im Kopf geht der Modus auf automatisch auf Attacke. Fahrer und Maschine gieren förmlich nach der nächsten Kurve. Mit etwas Druck auf den Lenker lässt sich die Nuda spielerisch von einer Schräglage in die andere wechseln. Das tendenziell härter abgestimmte Fahrwerk liegt dabei stabil auf Straße, Unebenheiten schlucken die langen Federwege weg. Das Sportlerherz jubelt und nimmt direkt die nächste Biegung ins Visier. So einfach wie es klingt ist es in Realität leider nicht. Der Fahrer muss sich auf die Nuda einlassen. Wer gerne in die Maschine integriert sitzt und in Kurven mit dem Körper arbeitet, wird seine Eingewöhnungszeit brauchen. Bei schwergewichtigen Fahrern wird bei harten Bremsmanövern die Hinterhand leicht und unruhig, taucht die Front tief ab. Die Bremsen sind ohnehin ein Thema. Bremsleistung und Druckpunkt sind vom feinsten, ABS ist allerdings nicht zu haben.  Was bleibt ist der pure Fahrspaß. Die Nuda 900 erfüllt alle geweckten Erwartungen, ist ein Spaßgerät in reinster Form. Hier passt einfach das Gesamtbild aus Antrieb, Sound und Fahrwerk. Fanden übrigens auch unsere Gasttester, siehe unten.

Husqvarna Nuda 900 13

Gib mir Tiernamen

Gastester Norman: Nein, falsch verstanden, die Nuda ist definitiv kein Kuschelbärchen. Am ehesten noch fällt die Husqvarna in die Kategorie des netten Schäferhunds, den dir der Tierheim-Pfleger mit den Worten „will nur spielen“ grinsend für einmal schnell Gassi gehen übergibt. Aber Vorsicht: fürs gemütliche Stöckchenwerfen ist die „Husky“ definitiv der falsche Partner. Ein erfahrener Schlittenhunde-Führer, der genau weiß wie er wohin fahren möchte, bekommt mit der Nuda vielleicht den Freund für alle Schräg- und Lebenslagen.  Zumindest solange er dem hochbeinigen Italo-Bike immer genug Kurven-Auslauf gönnt – uns nichts gegen schale Sitzpolster hat. Im Klartext: Der gierig am Gas hängende Motor und das Supermoto-Fahrwerk der Nuda sorgen für Maximal-Spaß auf engen Landstraßen. Wer Tourenkomfort sucht oder gerne in den Cruising-Modus verfällt, sollte doch vielleicht besser den netten Cocker-Spaniel der Nachbarin zum Gassigehen ausleihen.

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