Victory Cross Roads Delux

Victory Cross Roads Delux


Another American Way of Drive

Victory baut sein Modellprogramm konsequent aus. Die Cross Roads Delux schließt die Lücke zwischen Cruiser und Tourer. Wer gerne wettergeschützt und mit Gepäck unterwegs ist, aber nicht gleich zum Megatourer Vision greifen möchte, hat jetzt eine willkommene Alternative. Windschild und Koffer machen die Cross Roads reisetauglich.

Das Konzept einen Cruiser mit Koffern und Windschild zu versehen, ist nicht neu. Die Mutter aller Tourencruiser dürfte die Road King von Harley-Davidson sein. Ähnliche Modelle aus Fernost wie VN 1700 lehnen sich da sehr stark an das Original an. Victory erfindet das Rad natürlich nicht neu. Allerdings interpretieren sie es auf ihre eigene und wohltuend eigenständige Art und Weise. So versucht die Cross Roads erst gar nicht eine weitere Kopie zu sein. Stattdessen bringt sie eine moderne und frische Linie ins Spiel. Statt runder und schwülstiger Formen finden sich an der Victory gerade Linien und Kanten. Sind beispielsweise die Koffer entscheidend in die Optik des Bikes eingebunden und ergeben eine höchst eindrucksvolle Heckansicht. Getreu dem Motto wer keine Vergangenheit hat, braucht diese auch nicht zu zitieren, haben die Jungs von Victory ein wirkliches frisches Design auf die Räder gestellt. Was bleibt ist die tiefe Sitzposition, die weit vorne auf Trittbrettern ruhenden Füße und der dem Fahrer weit entgegenkommende Lenker. Alles Cruiser-typisch und sehr bequem. Der Fahrersitz hat Clubsesselformat, die Stufe zum Beifahrer hin verleiht dem Rücken zusätzlichen Halt. Auch der Mitfahrer hat keinen Grund zur Klage: breit und gut gepolstert, im Falle unserer Testmaschine zusätzlich mit einer gepolsterten Sissybar. Das spartanisch wirkende Rundinstrument birgt überraschend viel Information. Gang- und Tankanzeige, Drehzahl, Uhrzeit und Tripzähler können abgerufen werden. Für die lange Anfahrt ins Urlaubsgebiet sehr praktisch: der Tempomat. Die Koffer sehen größer aus als sie tatsächlich sind. Victory gibt zwar insgesamt ein Volumen von 80 l an, aufgrund der Form lassen sich diese allerdings nicht voll ausnutzen. 18.490 Euro sind für die Cross Roads Delux fällig. Günstiger als die Road King, allerdings etwas teurer als die Switchback aus gleichem Hause.

Antrieb Victory Cross Roads Delux

Wie alle Victory wird auch die Cross Roads von dem Freedom V-Twin genannten Motor angetrieben. Der luftgekühlte V2 bringt es auf stolze 1.731 Kubik. Wo so viel Hubraum ist, sind die Newtonmeters nicht weit: 140 NM bei 2.950 Umdrehungen sorgen für gnadenlosen Schub. Da ist die Spitzenleistung von 90 PS fast nebensächlich. Sicher fehlt der Victory im Vergleich zu Harley das charaktervolle Stampfen, dies ist aber spätestens nach dem ersten Sprint vergessen. Was dieser V2 in Sachen Antritt so auf die Straße brennt, ist einfach nur geil. Nörgler und Nostalgiker werden dies alles als zu glatt bezeichnen. Wir nennen es einen modernen V2 mit bärenstarker Performance. Was soundmäßig möglich ist, zeigt die an der Testmaschine montierte Stage 1 Auspuffanlage. Deutlich kerniger und bassiger als die Originalanlage, speziell beim Beschleunigen. Supersound ohne die Nachbarschaft in eine Bürgerinitiative zu treiben.

Victory Crossroads Delux 10

Ein besonderes Thema war bei Victory bis dato das Getriebe. Vor allem in Sachen Schaltbarkeit und Lautstärke war viel Luft nach oben. Zwar verlangt der Schalthebel immer noch nach beherzter Bedienung, die Gänge rasten dafür zuverlässig und ohne allzu großes Getöse ein. Was noch nicht so ganz passt, ist die Übersetzung der einzelnen Gänge. Die geriet nämlich viiiel zu lang. Mit 40 km/h im 3. Gang innerorts Beschleunigen? Nicht wirklich prickelnd. Die Victory ist dann dank der Overdriveübersetzung im allertiefsten Drehzahlkeller und kommt nicht aus den Pötten. Erst ab 1.800 Umdrehungen (in unserem Beispiel 50 km/h) schlägt das Drehmoment zu bläst wieder alle Bedenken weg. Also die Gänge lieber etwas länger drin lassen und den Schub genießen. Man ist damit nicht hochtourig unterwegs, sondern bewegt sich immer noch zwischen 2.000 und 3.500 Umdrehungen. Allerdings passt die Gangzahl nicht zur von den meisten anderen Motorädern gewohnten Geschwindigkeit. Nicht auszudenken was die Cross Roads mit passender Übersetzung auf die Straße zaubern würde.

Fahreindruck Cross Roads

Mit einem Gewicht von über 350 kg und dem Luftwiderstand einer Schrankwand sollte man in Sachen Handling keine Wunder erwarten – und wird dann angenehm überrascht. Im Vergleich zu den fett besohlten Schwestermodellen lässt sich die Cross Roads dank schmalem 180er Hinterreifen einigermaßen handlich bewegen. Die Abstimmung des Fahrwerks ist grundsätzlich komfortabel, hat aber genug Dämpfung um nicht jeder Bodenwelle nachzuschwingen. Damit zieht die Victory recht zielgenau ihre Bahn und verkraftet Cruiser-untypisch auch mal die eine oder andere Fahrbahnunebenheit. Dies gilt sowohl für Soloeinsatz als auch Fahrten mit Sozius. Erst in engen Kehren stellt sie sich störrisch an. Dann verlangen langer Radstand und hohes Gewicht ihr Tribut. Der Zwischensprint auf der Geraden entschädigt dann wieder. Entsprechend der Fahrzeuggattung ist die Schräglagenfreiheit begrenzt. Im Vergleich zu anderen Cruisern setzt die Cross Roads zwar spät aber halt trotzdem auf. Schon gemäßigter Trab lässt die Trittbretter schleifen, von Galopp ist erst gar nicht zu reden. Dazu passen die Bremsen. Die Doppelscheibe sorgt mit dem 130er Vorderreifen für angemessene Verzögerung. Schade dass es ABS nicht mal gegen Aufpreis gibt. Einen zwiespältigen Eindruck hinterließ das Windschild. Die riesige Scheibe hält zwar jeden Winddruck vom Fahrer fern, allerdings lenkt sie den Fahrtwind direkt auf den Helm. Das sorgt für unangenehme Verwirbelung und Lärm. Bis 120 km/h ist es gerade noch erträglich darüber wird es lästig. Abhilfe schaffen kleinere Scheiben die Victory im Zubehörprogramm hat.

Victory Crossroads Delux 02