Harley-Davidson Softail Slim

Harley-Davidson Softail Slim


Von wegen Slim - fetter Auftritt

Wer auf Bopper im alten Look steht, wird mit der Softail Slim von Harley Davidson mehr als glücklich werden. Sieht die Gute doch aus wie aus den 50ern in die Gegenwart geholt. Gut, können andere Harleys auch. Allerdings verzichtet die Slim auf jeglichen Schnick-Schnack und Schnörkel. Back to the Basics ist das Programm. Und das gefällt uns sehr gut.

Wer den Spaß am Motorradfahren in Grad der Schräglage und Zehntel der Beschleunigung misst, kann die Lektüre eigentlich jetzt einstellen. Denn auch die Softail Slim kann und will nicht in diesen Anspruch passen. Vermittelt sie doch - wie die meisten Chopper und Cruiser - ein Fahrerlebnis der anderen Art. Jenseits der Hektik und ständigen sportlichen Herausforderung. Hier hat der Pilot fahrtechnisch kein Messer zwischen den Zähnen. Hier ärgert man sich nicht wenn einen jemand auf der letzten Rille überholt, man lässt ihn einfach ziehen und konzentriert sich auf Landschaft, Strecke und den wohligen Beat des V2. Und davon hat die Softail Slim einiges zu bieten. Der 1.688 Kubik große V2 trommelt die bekannten V2-Takte von Harley-Davidson. Tief und bollernd legt die Auspuffanlage den Sound auf die Straße. Bereits bei Konstantfahrt stets gut für den Fahrer vernehmbar ohne auf Dauer zu nerven.

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Unter Last legt die Slim dann Dank Klappe im Auspuff nochmal ordentlich einen drauf. Sehr geil. Schade dass nicht alle Harleys so klingen. Motorräder aus Milwaukee sind ja nicht gerade für ihre Hochbeinigkeit bekannt. Die Slim setzt hier wieder einmal einen drauf – oder vielmehr drunter. Der Fahrer thront gerade einmal 650 mm über der Fahrbahn. Der flache Lenker macht die ganze Sache dann komplett. Was für ein Flacheisen! Wenn man das im Grunde genommen sowieso überflüssige Sitzbrötchen abnimmt, ist die Tieferlegung komplett. Dann ist das Heck komplett clean, denn ein Rücklicht im herkömmlichen Sinn gibt es nicht. Rücklicht und Bremsleuchten sind in die Blinker integriert. 

Der Fahrersitz macht der Bezeichnung Slim alle Ehre. Flach, hart und schmal präsentiert sich der Sattel. Da sind auf Dauer Nehmerqualitäten gefragt. Gleiches gilt für die Rückenmuskulatur des Fahrers. Da sich die Fahrerrückseite nirgends abstützen kann, muss sie allen Beschleunigungs- und Windkräften alleine entgegen treten. Auf der Tagestour alles verkraftbar, bei ausgedehnter Fahrt hat uns die Gepäckrolle geholfen. Die press an den Fahrersitz geschnallt und schon hat man eine nette Anlehnmöglichkeit die für viele Stunden das Reisen angenehm macht. Am Ziel angekommen nix wie runter damit und die Optik der Softail Slim genießen. Immer wieder. Die könnte man sich im Winter glatt ins Wohnzimmer stellen. Was die Frau wohl sagt, gibt bestimmt Ärger. Ups – ich schweife ab.

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Kommen wir mal zu den nüchternen Fakten. Der V2 leistet 79 PS bei 5.250 Umdrehungen. Schon 2.000 Umdrehungen früher steht das maximale Drehmoment von 132 NM bereit. Drehzahlorgien sind schon mal nicht zu befürchten. Im Gegenteil: das Drehmoment sorgt für heftigen Schub aus dem Drehzahlkeller. Wir sprechen dabei von Drehzahlen unter 2.000 U/Min. Richtig flott wird es dann zwischen 2.500 und 4.000 Umdrehungen. Darüber kommt kein nennenswerter Fortschritt, also einfach den nächsten Gang wählen. Vibrationen sind vorhanden, aber nicht störend. Lediglich im Stand schüttelt der Motor heftig am Rahmen. Aber die Zeiten wo sich Harleyfahrer nach längerer Fahrt auf die eigenen Hände getreten sind, damit sie in diesen wieder etwas fühlen sind schon lange vorbei.

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Motorseitig passt alles soweit, wie sieht es denn fahrwerkseitig aus. Die Erwartungen sind nicht hoch. Der Blick auf das Vorderrad lässt die erste Einschränkung schon erahnen. Eine einsame Scheibe sorgt für die negative Beschleunigung. Bei dem Gedanken an 319 kg vollgetankt plus Fahrer, hat man fast Mitleid mit dem armen Ding. Die Scheibe stemmt sich zwar tapfer gegen die Massen, allerdings eben in ihren Grenzen. Im Arbeitszeugnis würde man ihr stetes Bemühen attestieren. Um tatsächlich befriedigende Verzögerungswerte zu erhalten, müssen sowohl die rechte Hand als auch der rechte Fuß kräftig hinlangen.

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Die zweite Einschränkung ist wie üblich die Schräglagenfreiheit. Speziell rechts herum nimmt das Trittbrett sehr früh Kontakt mit der Fahrbahn auf, kurz darauf gesellt sich noch der Schalldämpfer dazu. Links herum geht es etwas besser, dennoch tauscht man hier gefühlt Not gegen Elend. Natürlich will man mit der Softail Slim nicht auf die Renne, aber die eine oder andere Schräglage könnte man schon verkraften. Zumal das Fahrwerk selbst noch Reserven hat. Die niedrige Sitzhöhe ist hier nicht mit extrem gekappten Federwegen erkauft. 105 mm an der Hinterhand sind für Harley ein kommoder Wert. Dazu lässt sich die Slim recht einfach in Schräglage bringen, der breite Lenker und der niedrige Schwerpunkt sei Dank.