Harley-Davidson Forty-Eight

Harley-Davidson Forty-Eight


Bopper dir einen!

So wenig wie möglich – so viel als nötig. Oder auch gerne „weniger ist mehr“. Alles Punkte die auf die Forty-Eight von Harley-Davidson zutreffen. Wenig Tank, wenig Sitzbank, wenig Federweg. Dafür viel Vorderrad, zumindest in der Breite. Optisch einmal mehr ein Hingucker. Aber der leidgeprüfte Tester hat ob der Optik so seine Bedenken was Rücken und Bandscheibe betrifft. Alles halb so wild, vor den Rückenschmerzen kommt die Pause – versprochen!

Harley nennt die Forty-Eight den ultimativen Bopper. Ganz so sehen wir es nicht, aber die kleine Sportster macht dennoch eine tolle Figur. Das kleine aber dicke Vorderrad beherbergt einen 130er auf einer 16-Zollfelge. Verleiht der Forty eine gedrungene Optik. Der flache Sitzplatz setzt sich im ebenso flachen Heck fort. Der Federweg von gerade einmal 54 mm macht die Harley zur Heck-Flunder. Am hinteren Fender stört kein Rücklicht den Blick auf das Heck. Rück- und Bremsleuchten sind in die Blinker integriert. Auch der Blick auf den Lenker fällt ergibt ein vergleichsweise schlankes oder besser gesagt flaches Bild. Die Spiegel finden sich unterhalb des Lenkers, das Instrument (von Instrumenten kann keine Rede sein) drückt sich ebenso tief wie möglich an selbigen. Ein Leichtgewicht ist auch die Forty-Eight nicht. Trotz der Kunst des Weglassens bringt sie fahrfertig immer noch 260 kg auf die Waage. Für die Forty in Vivid Black sind übrigens 10.795 Euro fällig. Mit anderen Farben kostet sie 11.035, mit Glitter-Lack 11.275 Euro.

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Motor Harley-Davidson Forty-Eight

Wie üblich nimmt der V2 mit einem trockenen Schlag die Arbeit auf. Im Standgas rüttelt und schüttelt er sich noch mächtig im Rahmen. Einmal in Fahrt wird der Evolution-V-Twin zum Musterknaben. Zumindest in Sachen Vibrationen. Die Zeiten wo einem die Milwaukee-V2 sämtliche Plomben aus dem Gebiss schüttelten, gehören schon länger der Vergangenheit an. Die Lebensäußerungen erinnern heutzutage eher an den Boxer eines VW-Käfer. Für 67 PS sind die 1.202 Kubik aktuell gut, Newtonmeter sind derer 98 bei niedrigen 3.200 Umdrehungen am Start. Der Antritt ist standesgemäß. Bereits im Drehzahlkeller liegen genug Kohlen im Feuer, mit dem Druck der größeren Geschwister kann die Forty-Eight dennoch nicht mithalten.

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Dafür legt sie obenherum nochmal nach. Es macht richtig Spaß der 1200er-V2 die Sporen zu geben. Dann steht die Drosselklappe im Auspuff auf Durchzug, röhrt der V2 herrlich und schiebt die Fuhre ordentlich nach vorne. Mit Drehzahlorgien hat dies nix zu tun. Wir reden hier mangels Drehzahlmessers von geschätzten maximal 5.000 Umdrehungen. Geschaltet wird über ein 5-Gang-Getriebe. Und das ist auch gut so. Warum man ein Motorrad das ohnehin nicht auf der Bahn gejagt wird mit einem Overdrive ausstattet, hat sich uns noch nie erschlossen. Der erste Gang braucht zwar etwas Nachdruck und lässt sich meisten nur unter akustischem Protest einlegen. Auch der Leerlauf findet sich so manches Mal erst nach mehrmaligem Gestochere mit dem linken Fuß. Ansonsten funktioniert die Schaltbox klaglos.

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Fahreindruck Forty-Eight

Auf der Forty-Eight sitzt es sich wie erwartet. Die niedrige Sitzhöhe freut den Kurzbeinigen. Allzu kurz sollten die Beinchen allerdings nicht sein. Sonst hat man so seine Schwierigkeiten mit den vorne liegenden Fußrasten. Gleiches gilt für den Lenker. Der hat zwar eine angenehme Breite und Kröpfung, liegt aber ebenfalls ein Stück entfernt. Für ganz Kleine ist dies anfangs mindestens gewöhnungsbedürftig. Aber lieber zu klein als zu groß. Für Menschen mit Gardemaß ist die Sportster zumindest kompromissbehaftet – für die meisten einfach schlichtweg zu klein. Dies sind Dinge die jeder für sich selbst feststellen muss. Hat man Arme und Beine erst einmal sortiert, ergibt sich (wie so oft) eine coole und lässige Sitzposition. Der Pilot dreht am Hahn, die Harley bollert und zieht der Blechlawine auf und davon. Yes! Da isses wieder. Dieses Gefühl am liebsten mit Jeans, Holzfällerhemd und Jethelm zu fahren. Die Hose um die Boots flattern zu lassen und jede einzelne Zündung zu inhalieren.

Harley-Davidson Forty-Eight 01

Schon rollen die ersten Biegungen auf den Cowboy zu. Mensch und Maschine peilen die Kurve an, gehen gemeinsam in Schräglage und werden sehr schnell von einem hässlichen Kratzgeräusch geweckt. Zwar lässt sich die Forty-Eight erstaunlich einfach umlegen, ebenso erstaunlich schnell setzt die Fahre allerdings auch auf. Erst mit den Fußrasten, mit steigendem Fahrergewicht auch ebenso schnell mit dem Auspuff. Spätestens dann ist Schluss mit lustig. Mit einer etwas angepassten Linienwahl ist man dennoch recht zügig unterwegs. Solange die Straße von guter Qualität ist. Wird es wellig oder gar rumpelig auf der Piste, geht der Harley schnell die Puste oder besser gesagt der Federweg aus. Kunststück, 54 mm sind halt nicht viel.

Harley-Davidson Forty-Eight 06

Was bleibt ist die Frage nach dem Anfangs erwähnten Rückenbeschwerden. Im Vergleich zur Sportster Seventy-Two geht die Forty-Eight als echter Komfortgleiter durch. Auf langen Strecken verliert die lässige Sitzposition doch ihren Charme. Der Rücken findet keine Stütze, die hoch liegenden Füße bringen auch keine Linderung. Bis man diesen Nicht-Wohlfühl-Bereich betritt, ist aber ohnehin schon die erste Pause fällig. Der lecker anzuschauende Peanut-Tank fasst nämlich gerade einmal 7,9 Liter Sprit. Da geht das Lämpchen gerne mal nach gerade 100 km an. Und da die Reserve auch nicht üppig ist, tankt man bei Bedarf auch mal früher.