Harley-Davidson Fat Bob

Harley-Davidson Fat Bob


Der schielende Robert?

Die Fat Bob passt in keine Harley-Schublade so richtig. Doppelscheinwerfer und Drag-Bar-Lenker vorne, Bürzel im Fender hinten. Doppelscheibenbremse am Vorderrad und relativ hoch montierte Fußrasten kontra grob-profilierte Reifen. Alles klar? Nee, nicht wirklich. Ist aber auch egal, denn die Fat Bob hat durchaus ihre Qualitäten.

Ein dezenter Auftritt ist nicht wirklich die Sache der Fat Bob. Das dicke Vorderrad mit Mini-Fender und der Doppelscheinwerfer machen optisch einen auf bösen Cruiser, das Bürzelheck zitiert die 80er. Da fügt sich die Sitzposition nahtlos ein, also in die Rolle des bösen Cruisers. Der fast gerade Lenker zwingt den Oberkörper ordentlich nach vorne. Die Rasten die Füße sowieso, wobei die Latschen zusätzlich noch recht hoch gehievt werden müssen. Moment mal: hohe Rasten? Und am Vorderrad eine Doppelscheibe! Ist die Fat Bob gar ein verkannter Sportler? So viel vorneweg: Nein.

Motor Harley Fat Bob

Als Antrieb dient der 103 er Twin Cam mit insgesamt 1.690 Kubik.79 Pferdestärken und 126 NM drückt der Twin übers Hinterrad auf die Straße.  Der V2 legt sich bereits bei niedrigen Drehzahlen mächtig ins Zeug, nur im allertiefsten Drehzahlkeller schüttelt er sich unwillig. Dann sprechen wir aber auch von gerade mal knapp über Standgas. Wenn man die Fuhre gefühlt ausdreht, liegt die Drehzahl tatsächlich bei schlappen 4.000 Umdrehungen.

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In der Regel ist man zwischen 2.000 und 3.500 Kurbelrotationen unterwegs. Fazit: Schub aus dem Keller ist Programm. Dabei machen gerade kurze Zwischensprints besonders Spaß. Denn bei Vollgas geht die Klappe im Auspuff auf und tritt den Beweis an das ein 1,7-Liter-V2 doch ordentlich röhren kann. Im Stand oder bei Konstant-Fahrt klingt die Fat Bob für den Fahrer eher wie ein VW Käfer denn wie ein Macho-Bike.

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Fahreindrücke Fat Bob

Der Schub passt – halten denn Doppelscheibe und mehr Bodenfreiheit was sie versprechen? Ein klares Jain. Fangen wir mit der Sitzposition an. Fußrasten weit vorne verhindern an sich eine fahraktive Sitzposition. Im Fall der Fat Bob sind sie allerdings nicht nur weit vorne sondern zusätzlich noch höher als üblich montiert. Man muss sich noch mehr als sonst strecken um die Rasten zu erreichen. Dazu ruhen die Stiefel gefühlt nicht auf sondern an den Fußrasten. Was auf Dauer sehr ermüdend ist. Aber vielleicht hilft es ja in den Kurven. Tatsächlich nimmt das amerikanische Eisen spürbar später Kontakt zur Fahrbahn auf. Rechts herum kratzt dann aber auch gleich der Auspuff über die Straße. Solange diese topfeben ist, kein Problem.

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Wird es wellig, sollte man die Grenzen besser nicht mit dem Auspuff ausloten. Denn rasch hat man das Gefühl die Gabel hüpft vor dem Motorrad rum und das Heck müht sich hinterher zu schaukeln – oder gleich auf den Bock zu gehen. Da nutzt auch die bessere Bremsleistung der Doppelscheibe nichts. Es kommt einfach zu schnell Unruhe ins Gebälk. Also doch besser die artgerechte Haltung pflegen. Mit Schwung um und in die Kurven swingen, am Scheitelpunkt den Hahn aufdrehen und Schub und Sound genießen. Geht auch durchaus zügig und mit der Fat Bob tatsächlich mit mehr Schräglage als bei den meisten Schwestermodellen.

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Fahrzit Harley-Davidson Fat Bob

Die Optik ist Geschmacksache, muss jeder für sich entscheiden. Klasse ist der Twin Cam 103 mit ordentlich Druck bei tiefen und mittleren Drehzahlen. Sehr erfreulich sind die besseren Bremsleistungen dank Doppelscheibe und das Plus an Schräglagenfreiheit. Was wir uns wünschen? Strafferes Fahrwerk! Und bitte ein einzelner, dicker Cruiserscheinwerfer. Das Heck der Street Bob käme auch gut. Und dann noch eine gute Straßenbereifung, z.B. den Metzeler Marathon. Sozusagen Fat Bob reloaded.

Text & Bilder: Matthias Hirsch