Vergleich Kawasaki Z800, Suzuki GSR750 und Triumph Street Triple

Vergleich Kawasaki Z800, Suzuki GSR750 und Triumph Street Triple


Von wegen Mittelklasse!

Nie war sie so wertvoll wie heute – gemeint ist die sogenannte Mittelklasse. Hier vertreten durch Z800, GSR750 und Street Triple. Wer jetzt meint Mittelklasse steht in irgendeiner Form für Ein- oder Beschränkung, sollte dies mal ganz schnell vergessen. Denn diese Mittelklasse legt eine Performance auf den Asphalt, die die sogenannte Oberklasse mal eben vergessen lässt.

Eindruck

Als das Design der Street Triple in Form der großen und älteren Schwester auf den Markt kam, war schnell vom serienmäßigen Streetfighter die Rede. Wie Zeiten sich doch ändern. Obwohl das Design weitgehend beibehalten wurde, ist die Triumph heute eher dem gemäßigten Auftritt zuzuordnen. Der bullige Auftritt der Z800 oder das ebenso kantige Design der GSR750 wirkt deutlich aggressiver und moderner als der recht glatte und einfache Auftritt der Street Triple. Die kommt dafür zeitloser rüber und sieht in 10 Jahren immer noch adrett aus wenn die Konkurrenz als altbacken abgestempelt wird.

Die Streetie trägt an der Front die stilprägenden Doppelscheinwerfer. Anhänger streiten sich immer noch ob die runden Scheinwerfer nicht doch besser waren. Einigkeit herrscht allerdings über die Platzierung des Auspuffs. Triumph hat die 2 Underseat-Töpfe gestrichen und entlässt die Abgase jetzt (wie üblich) seitlich unterhalb der Schwinge. Im Sinne des Schwerpunkts sicher der bessere Ort, im Sinne der Optik hat uns der alte Hintern besser gefallen. Ansonsten passt die Street Triple wie ein gut sitzender Handschuh. Sowohl kleinere als auch größere Fahrer finden einen sehr kommoden Platz vor. Lenkerposition, Bedienung und Instrumente – alles geht wie von selbst von der Hand und bedarf keiner Erklärung. Die Instrumente sind perfekt ablesbar und mit Ganganzeige und Tankuhr erfreulich komplett.

15 Triumph Street Triple

Das Thema Auspuff beschäftigt auch die Fans der Z800. Uns ist es tatsächlich nicht gelungen jemanden zu finden der diesem schwarzen Blechmonstrum etwas abgewinnen konnte. Dies ist vor allem deshalb schade, weil sich Kawasaki mit dem Rest des Motorrades richtig ins Zeug gelegt hat. Der Auftritt ist extrem geduckt, die Z800 scheint sich geradezu in den Straße eingraben zu wollen. Die Sitzbank ist mit dem namensgebenden Buchstaben geprägt. Die Heckleuchte ist in Form von zwei gespiegelten „Z“ gezeichnet. Sehr schick. Aber wie immer hat alles eine Kehrseite. Wie die Front liegen auch die Instrumente sehr tief. Ein schneller Blick ist kaum möglich, der Kopf muss dafür gesenkt werden. Zwar sieht das volldigitale Display toll aus, die Drehzahl lässt sich aber kaum exakt ablesen. Glücklicherweise gibt die Z800 bei der Bedienung keine Rätsel auf. Durch den breit und hoch bauenden Tank hat man das Gefühl auf einem großen Motorrad zu sitzen. Der Lenker ist etwas flacher als bei der Konkurrenz montiert. Insgesamt dennoch eine ebenfalls sehr bequeme Sitzposition.

13 Kawasaki Z800

Das gilt auch für die GSR750. Diese platziert sich gefühlt zwischen Street Triple und Z800. Nicht so bullig wie die Kawa, aber spürbar mehr Platz als auf der Triumph. Die Instrumente sind ebenso gut abzulesen wie die der Street Triple, die Bedienung geht ähnlich einfach von der Hand. Der Lenker baut relativ hoch, dadurch ergibt sich eine aufrechte und in Verbindung mit den gut platzierten Fußrasten entspannte Sitzposition. Wie man einen augenscheinlich günstigen Auspuff einigermaßen erträglich gestaltet, zeigt die Suzuki. Der ist wie bei der Kawa zwar auch in mattschwarzem Blech gehalten, allerding sorgen Kappe und Abdeckung in Alu für willkommene Ablenkung fürs Auge.

14 Suzuki GSR750

Kawasaki Z800

Der größte Trumpf der Kawa ist der bärenstarke Reihenvierer. Die 806 Kubik sorgen für flotte 113 Pferdchen und 83 Newtonmeter bei 10.200 respektive 8.000 Umdrehungen. Die Z800 schiebt ab Standgas wie ein Bulle. Ausdrehen der Gänge ist jederzeit möglich aber selten nötig. Überrascht stellt man fest dass man schon im 6. Gang ist, will immer weiter hochschalten und den lanz-trecker-artigen Schub genießen. So rau die Optik der Z so sanft läuft der Reihenvierer. Fast vibrationsfrei verrichtet das Kraftpaket seine Arbeit. Das Getriebe schaltet sich etwas hakelig, lässt sich insgesamt jedoch sehr zuverlässig bedienen.

01 Kawasaki Z800

Die Z800 wirkt nicht nur wie ein großes Motorrad, sie fühlt sich auch so an. Satt und gefühlt ultrastabil liegt die Kawasaki auf der Straße. Die handlichste ist sie dabei nicht, will immer mit etwas Nachdruck an der breiten Lenkstange bewegt werden. Dann zieht sie aber wie an der Schnur gezogen ihre Bahn und hält präzise die eingeschlagene Linie. Lediglich beim Bremsen in Schräglage ist eine deutliche Aufstellneigung zu spüren. Der Komfort geht insgesamt in Ordnung, es sei denn man ist Beifahrer. Das Fahrwerk ist ein gelungener Kompromiss zwischen Sport und Komfort, wobei die Nadel deutlich Richtung Sport tendiert.

Triumph Street Triple

Liest man die Eckdaten, fragt man sich ob die Street Triple am richtigen Vergleich teilnimmt. 675 Kubik leisten 106 PS bei 11.850 Umdrehungen. Das Drehmoment von gerade einmal 68 NM liegt erst bei 9.750 Umdrehungen an. Das ist ein gelesener Klassenunterschied. Die Wahrheit liegt jedoch nicht auf dem Papier, sondern auf der Straße. Und da legt die vermeintlich kleine Street Triple los wie von der Tarantel gestochen. Der Drilling zieht sauber und erstaunlich kraftvoll durch. Zwar kann er der Z800 nicht ganz das Wasser reichen, aber spätestens wenn der Pilot einen Gang runterschaltet, gibt es kein Halten mehr. Dazu verwöhnt der Reihendreier mit einem Klangteppich der Seinesgleichen sucht.

09 Triumph Street Triple

Jeder Dreh am Gasgriff sorgt für röhrende Beatmung des Dreizylinders über die Airbox bei gleichzeitig fettem Grinsen des Fahrers. Als wäre dies nicht genug, fährt sich die Streetie wie das sprichwörtlich heiße Messer durch die Butter. Handling, Lenkpräzision und Rückmeldung sind vom Feinsten. Wieselflink wechselt die Triumph von einer Schräglage in die nächste. Liegt satt auf der Straße und fährt sich unglaublich einfach. Schnell baut man hohes Vertrauen auf und lotet die eigenen Grenzen aus. Einfach noch ein wenig mehr Schräglage als sonst? Für die Street Triple kein Problem. Auf engem Geläuf hat die Z800 Probleme Anschluss zu halten. Doch dann taucht da ein hartnäckiger Scheinwerfer auf, der sich partout nicht abschütteln lassen will.

Suzuki GSR750

Und der gehört der GSR750. Wie schon vorher liegt die Suzuki irgendwie zwischen der Kawa und der Triumph. Der Reihenvierer der Suzuki kommt auf 749 Kubik und leistet 106 PS bei 10.000 Umdrehungen. Die maximal 80 NM liegen 1.000 Rotationen früher an. Der Vierer der GSR läuft etwas rauer als der der Z, ist dabei aber kein ungehobelter Klotz. Der Durchzug kommt nicht ganz an die Kawa ran, dennoch kommt die GSR besser aus dem Drehzahlkeller als die Triumph. Der rückt sie dabei in Sachen Handling ordentlich auf die Pelle.

06 Suzuki GSR750

Die Street Triple fährt sich einen Hauch handlicher und präziser, gibt etwas besseres Feedback von der Straße. Die GSR abhängen kann sie allerdings nicht. Die verwöhnt mit absolut entspannter Sitzposition und etwas komfortablerem Fahrwerk. Auch hier gewinnt der Fahrer sehr schnell hohes Vertrauen in das Motorrad. Bekannte Strecken werden wie auf der Triumph mit mehr Schräglage und dem dazu gehörigen Spaß genommen. Diesem Spaß setzt dann die Bodenfreiheit die Grenzen. Dann ist man allerdings schon sehr zügig unterwegs.