Vergleich Honda NC700S, Kawasaki Er-6n und Suzuki Gladius

Vergleich Honda NC700S, Kawasaki Er-6n und Suzuki Gladius


Einsteigertraining

Bei den Zulassungszahlen in der Regel ganz weit vorne, dennoch von vielen Motorradlern oft belächelt. Doch welches Motorrad hinterlässt bei den meisten oft am nachhaltigsten Eindruck? Richtig: das erste! Wehmütig denkt man an die erste Tour, den ersten Urlaub und damit letztendlich an den ersten Überträger des Motorrad-Virus: das erste eigene Bike. Und in der Regel war und ist dies ein Einsteigermodell. Ob die Testkandidaten NC700S, ER-6n und Gladius in ferner Zukunft nostalgische Gefühle bei ihren Fahrern erzeugen, können wir jetzt noch nicht sagen. Das sie durchaus für bleibenden Eindruck taugen allerdings schon.

Richtig erwachsen steht die Honda da. Die NC700S ist spürbar größer als die Konkurrenz, bietet auch großen Fahrern ein komfortables Plätzchen. Die breite Sitzbank schmeichelt dem Gesäß, die niedrig montierten Fußrasten den Gelenken. Die Ergonomie passt sowohl für kleine wie große Honda-Piloten. Als extrem praktisch erweist sich das Staufach in der Tankattrappe. Hier passt entweder der Helm oder sonstiger Krams rein. Im täglichen Einsatz ein echtes Plus! Der Sprit wird unter der Sitzbank bebunkert, der Einfüllstutzen liegt unter dem hochklappbaren Soziuskissen. Sollte man auf Tour bedenken bevor man den Soziusplatz mit Gepäck belädt.

03 Honda NC700S

Bei der ER-6n geht es sportlicher und beengter zu. Die Kawasaki ist wesentlich kompakter, die Fußrasten sportlicher, sprich höher und etwas weiter hinten angebracht. Grundsätzlich durchaus bequem, ab 1,80 zwickt es allerdings nach einiger Zeit. Die Kawa hat zwar kein Staufach, punktet aber im Vergleich zur Honda mit vernünftigen und gut ablesbaren Instrumenten. Das gilt auch für die Gladius. Die Suzuki liegt platzmäßig zwischen Honda und Kawa. Sie wirkt zwar ebenfalls etwas kompakter als die NC, bietet aber auch für Fahrer ab 1,80 noch genügend Freiraum. Ansonsten merkt man der Gladius ein wenig ihr Alter an, NC und ER6 sind in Sachen Styling spürbar moderner.

03 Kawasaki ER-6n

Sehr löblich: alle Testteilnehmer kommen mit ABS zum Kunden. Und das zu mehr als genügsamen Preisen. Knausermeister ist Hondas NC700S: 5.730 Euro muss der Kunde berappen. Für die ER-6n muss der Kawasaki-Fan deutlich tiefer in die Tasche greifen: 6.995 Euro sind fällig. Die Gladius reiht sich einmal mehr in der Mitte ein. Zwar verlangt Suzuki 7.290 Euro, im Rahmen der Best-Price Aktion ist sie allerdings bereits für 6.490 Euro zu haben.

03 Suzuki Gladius

Unterwegs setzt sich der erste Eindruck fort. Die Honda übernimmt vom ersten Meter an die Rolle des Pragmatikers. Bequem und komfortabel sammelt die NC700S im täglichen Einsatz kräftig Punkte. Der 670 Kubik große Zweizylinder trägt dazu wesentlich bei. In der Spitzenleistung ist er mit seinen 48 PS der Konkurrenz zwar hoffnungslos unterlegen, macht dies aber zumindest teilweise mit dem guten Antritt bei niedrigen Drehzahlen wett. Hier schiebt der Twin kraftvoll an, was im Straßenverkehr in der Regel entscheidender ist als bloße Ansammlung von Pferdestärken. Lässt man den Pendlerverkehr hinter sich und wendet sich der bevorzugten Hausstrecke zu, wendet sich das Blatt allerdings. Dabei stößt die Honda weniger an die Leistungs- denn an die Drehzahlgrenze. Deren Begrenzer greift schon bei 6.500 Umdrehung unsanft ein und stoppt den Vorwärtsdrang. Blöde wenn man da gerade aus der Kurve beschleunigt oder mitten im Überholvorgang ist.

02 honda NC700S

So muss man ständig den ohnehin schlecht ablesbaren Drehzahlmesser im Auge behalten um nicht an der falschen Stelle überrascht zu werden. Allzu sportlichen Einsatz verhindert auch die komfortable Fahrwerksauslegung. Beim Anbremsen taucht die Gabel tief ein, Lenkpräzision und Rückmeldung könnten besser sein. Dazu setzt die NC700S schon bei gemäßigten Schräglagen auf und setzt dem Sportwillen des Fahrers schnell Grenzen. Also lieber einen Gang hochschalten und das sportlich durch zügig ersetzen, dann kommt man auch mit der Honda gut über die Runden.

02 Kawasaki ER-6n

Einen ganz anderen Charakter legt die ER-6n an den Tag. Die kompakten Abmessungen und das wieselflinke Handling machen sie zwar auch im Stadt- und Pendelverkehr zum einem echten Zeit-Sparer, ihre wahren Talente spielt sie allerdings abseits stark befahrener Pfade aus. Auch hier spielt der Antrieb eine wesentliche Rolle. Der Kawasaki-Twin zieht aus seinen 649 Kubik sehr kraftvolle 72 Pferde. Im Drehzahlkeller tritt er zwar nicht ganz so bullig wie die Honda an, lässt diese bei spätestens 5.000 Umdrehungen allerdings weit hinter sich. In Verbindung mit dem knackigen Fahrwerk und dem wieselflinken Handling ergibt sich auf engen Strecken ein Gesamtpaket das deutlich stärkere Bikes das Fürchten lehrt. Ein echter Big-Bike-Schreck. Dabei taugt die ER-6n tatsächlich für Anfänger und (weit) Fortgeschrittene. Der Anfänger freut sich über kräftigen Motor und das unkomplizierte Fahrverhalten, der Fortgeschrittene über präzises Lenkverhalten, messerscharfes Handling und gute Bremsen. Ein echtes Spaßgerät.

02 Suzuki Gladius

Die Spaßquelle bei der Gladius ist eindeutig der V2. Kraft in allen Lagen, dazu toller V2-Sound. Vereint quasi die Vorteile von Honda und Kawasaki. Viel Kraft im Keller und ordentlich Power nach oben raus. Dabei sind die Eckdaten denen der Kawa sehr ähnlich: 645 Kubik leisten 72 PS. Darüber hinaus platziert sich die Suzi wieder einmal zwischen ihren Konkurrenten. Spür- und erfahrbar sportlicher als die Honda, aber nicht ganz so quirlig wie die Kawa. Das liegt vor allem an dem etwas stumpf wirkenden Fahrwerk. Damit lässt es sich zwar ordentlich um die Ecken zwirbeln, allerdings mangelt es für den Ritt auf der letzten Rille an Präzision. Die geht der Gladius leider in der etwas schlappen Dämpfung verloren. Gleiches gilt für die Bremsen, deren Verzögerung zwar mehr als ausreichend ist. Die der ER-6n bieten aber einfach den besseren Druckpunkt und lassen sich damit exakter betätigen.