Suzuki V-Strom 1000

Suzuki V-Strom 1000


Last but not least

Die V-Strom 1000 ist brandneu und hat dennoch eine lange Geschichte. Bereits Ende 2012 stand der erste Prototyp auf den Herbstmessen. Anfang 2014 kommt die Suzuki endlich in den Handel. Dabei soll sie nicht weniger als der Wendepunkt für Suzuki in Sachen Neuzulassungen sein, die Marke aus der Talsohle führen und den Weg für weitere Neuheiten ebnen. Ein großer Rucksack den die V-Strom aufgesetzt bekommt. Aber: sie kann ihn schultern!

Es fällt nicht leicht die V-Strom 1000 in den Markt ein zu ordnen. Klar spielt sie im Orchester der Reiseenduros mit, allerdings hat sie im Vergleich zu R1200GS, Honda Crosstourer oder auch KTM 1190 Adventure weniger Hubraum und Leistung. Die Mittelklasse wie F800GS oder Tiger 800 hält sie allerdings auch auf Abstand. Laut Suzuki ist man diesen Weg ganz bewusst gegangen. Ziel der Entwicklung war es die Handlichkeit einer 800er mit der Leistung und vor allem dem Drehmoment einer 1000er zu kombinieren. Schaut man sich das Datenblatt an, ist dies durchaus gelungen. 228 kg vollgetankt ist ein sehr gelungener Wert. Damit liegt sie zwar 18 Kilo über einer Tiger 800, aber enorme 31 unter der Tiger Explorer. Man platziert sich also in der goldenen Mitte und definiert dies als eigene Klasse. Aus unserer Sicht ist der Vergleich mit den leistungsstarken 1200er tatsächlich schwer. Versys 1000 und Tiger Sport sind wohl eher vergleichbare Kandidaten, stehen aber auf einem 17-Zoll-Fahrwerk, während die V-Strom vorne 19 und hinten 17 Zollverbaut hat.

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Doch genug der Marktbetrachtung, widmen wir uns intensiv der V-Strom 1000. Es ist Anfang Dezember und Suzuki hat uns nach Südspanien eingeladen um im sehr kurvigen Hinterland von Almeria die Qualitäten des Hoffnungsträgers zu erfahren. „Leigthweight Performance“ ist die ausgegebene Losung. Bewusster Verzicht auf Spitzenleistung, landstraßenoptimierter Drehmomentverlauf mit viel Power im unteren und mittleren Drehzahlbereich und optimales Handling durch weniger Gewicht und stabiles Chassis. Im Klartext: 100 PS und 104 NM aus 1037 V2-Kubik, das maximale Drehmoment liegt bereits bei 4.000 Umdrehungen an. Das niedrige Gesamtgewicht von 228 kg hatten wir ja bereits erwähnt. Serienmäßig kommt der Stromer mit einer eigen entwickelten 2-stufigen Traktionskontrolle und einem ABS aus dem Hause Bosch auf den Markt. Die erste Sitzprobe fällt sehr erfreulich aus. Die schmale Taille erlaubt trotz 850 mm Sitzhöhe einen guten und sicheren Stand.

Für Menschen die die Größennorm nach oben bzw. nach unten verlassen, hat Suzuki sowohl eine höhere als auch eine niedrigere Sitzbank im Programm. Die Sitzbank ist komfortabel gepolstert und gab bei der 350 km Etappe keinen Anlass zur Klage. Die Instrumente lassen sich gut ablesen, die Bedienung ist selbsterklärend. Das Display beinhaltet neben der Geschwindigkeitsangabe noch Ganganzeige, Tankuhr, Traktionsmodus, Außentemperatur und Bordcomputer mit Verbrauchs- und Reichweitenangabe. Unterhalb des Cockpits befindet sich eine 12-Volt-Steckdose. Die ist zwar praktisch, wirkt an der Stelle allerdings deplatziert. Das Windschild lässt sich in 3 verschiedenen Höhen montieren, die Neigung der Scheibe  ist (ohne Werkzeug) in 3 Stufen einstellbar. All das ist für einen Einführungspreis von 11.990 Euro zu haben, der eigentliche Listenpreis liegt 300 Euro höher.

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Weitere Ausbaustufen bietet das umfangreiche Zubehör für die V-Strom 1000. Da ist vor allem das eigens für die V-Strom entwickelte Gepäcksystem, welches sich gut in die Linie einfügt und über den Zündschlüssel geöffnet wird. Dazu kommen noch Griffheizung, passender Tankrucksack, Handprotektoren, LED-Blinker, Sturzbügel, Zusatzscheinwerfer, Motorschutz und noch einiges mehr. Preise für das Zubehör waren leider noch nicht zu erfahren. Für uns ganz oben auf der Liste: der Aufkleber „1000 V-Strom“ für die seitliche Tankabdeckung. Wertet die Optik enorm auf und sollte Serie sein.

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Die Qualitäten der Suzuki lassen sich einfach zusammenfassen: draufsetzen, losfahren und wohlfühlen. Auf Anhieb kommt man mit der V-Strom zurecht. Der Motor verwöhnt mit viel Kraft im wichtigen mittleren Drehzahlbereich. Leistungsdefizit? Keine Bohne. Selbst auf winkligen Passagen ist man im 3. und 4. Gang unterwegs und nutzt das recht breite Drehzahlband. Bereits ab 2.000 Umdrehungen nimmt der V2 klaglos und vor allem sanft Gas an. Bis 7.000 hält der Schub an, darüber wird es zäh. Vibrationen sind vorhanden, halten sich aber im absolut verträglichen Bereich. Die Performance ist tatsächlich absolut landstraßenoptimiert. Der Schub kommt genau dann wenn man ihn braucht. Ein weiteres großes Plus ist das sehr gute Lastwechselverhalten und die über den gesamten Drehzahlbereich gelungene Gasannahme. So kann sich der Fahrer gerade bei sportlicher Fahrweise voll auf die Linienführung konzentrieren. Das 6-Gang-Getriebe zeigte sich ebenfalls von seiner sonnigen Seite. Präzise, mit wenig Kraftaufwand und ohne Getöse gehen die Gangwechsel von statten. Lediglich der Sound geriet uns etwas zu zeitgemäß. Etwas mehr Bollern statt Blubbern würde der Performance noch einen Schuss mehr Emotionen verpassen.

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Reiseenduros sind ja so etwas wie die eierlegenden Wollmilchsäue auf 2 Rädern. Komfortabel und Reisetauglich, gleichzeitig mit sportlichen Talenten gesegnet. Und genau diesen Spagat setzt die V-Strom 1000 gekonnt um. Auf der Autobahn bietet sie guten Windschutz, der Oberkörper ist gut geschützt. Der Fahrtwind trifft je nach Einstellung auf den Schulterbereich bzw. den Helm. Bei kurzen Sprints bis ca. 200 km/h bleibt die Suzuki gelassen und liegt stabil auf der Straße. Ihr wahres Können zeigt sie allerdings auf kurvigen Landstraßen. Das Handling ist tatsächlich ausgezeichnet. Spielerisch lässt sich die V-Strom in Schräglage bringen und umrundet mit hoher Lenkpräzision alle Arten von Ecken. Auch Wechselkurven gehen extrem leicht von der Hand. Die Suzuki lässt dabei jegliche Zickigkeit vermissen. Die Kombination aus einfachem Handling, stabilem Rahmen, straffem Fahrwerk und kraftvollem Motor mit weichem Gaseinsatz machen die V-Strom tatsächlich zum idealen Kurvengerät. Gerade bei sportlicher Fahrweise zeigt die Suzuki eine Gelassenheit die es dem Fahrer sehr einfach macht sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren. Kein Aufstellen beim Bremsen in Schräglage, keine zur Unruhe führenden Lastwechsel beim Gasgeben oder – wegnehmen.