Kawasaki Z1000SX 2014

Kawasaki Z1000SX 2014


Grüner Zwitter mit Z-Power

Als Kawasaki dem kraftvollen Druck seines Tausender-Reihenvierzylinders in der Z 1000 SX vor zwei Jahren ein touriges Antlitz verlieh, fanden viele die Idee zwar sehr verlockend, doch im Detail noch nicht ausgereift. Jetzt haben die Grünen ihr Konzept, auf Basis des Landstraßen-Brachialbikes Z 1000 einen vollverkleideten Supersport-Tourer auf die Siebzehnzollräder zu stellen, mit wohlfeilen Maßnahmen verfeinert.

Rein äußerlich ist dem 2014er Modell die intensive Pflege kaum anzusehen, die Vollverkleidung im sportlichen Stil wie das Gesicht mit den lichtstarken Scheinwerfern und integrierten Blinkern blieben weitgehend unangetastet. Auch den Trend zu auffälligen LED-Tagfahrleuchten macht die SX nicht mit, und so schmiegt sich die Kunststoffhülle sehr harmonisch um die bewährte Technik. 

Herzstück ist natürlich die potente Antriebsquelle, ein 1043 Kubikzentimeter großer flüssigkeitsgekühlter Reihenvierzylinder, der aus dem Naked Bike Z 1000 stammt. Mit einem Bohrung-Hubverhältnis von 77 zu 56 mm wuchtet der Kraftprotz 142 PS bei 10.000/min auf die Kurbelwelle, das bärige Drehmoment von 111 Nm liegt schon bei 7.300 Touren an. Neu ist ein anwählbarer Low-Modus, bei dem der Triebling nur siebzig Prozent seines Potenzials abruft bei gleichzeitig weicherem Ansprechverhalten. Bei ungünstigen Witterungsbedingungen und am Ende eines langen Fahrtages soll dies dem Fahrer mehr Komfort vermitteln.

Dabei gefällt der Reihenvierer mit der heiser-kehligen Auspuffnote auch im offenen Modus mit allerbesten Manieren: Schon ab 2000 Touren setzt er sich nachdrücklich und sehr harmonisch in Szene, bis auf einen kleinen Ruck aus dem Schiebebetrieb fällt die Gasannahme erfreulich sanft und vor allem beherrschbar aus. Ab 7000/min legt er eine gehörige Portion Extraschub nach, gewürzt mit kräftigeren Vibrationen, und dreht munter bis an den roten Bereich. Leichtgängig und mit kurzen Schaltwegen versehen, assistiert das Sechsganggetriebe dem Motor - fast - perfekt: Angesichts der Durchzugsstärke fehlt eine Ganganzeige, und der für 2014 verlängerte sechste Gang könnte für eine drehzahlschonendere Fahrweise noch länger übersetzt sein. Ein echter Vorteil ist die implantierte dreistufige Traktionskontrolle, die das Auskosten des fetten Drehmoments am Kurvenausgang noch sicherer macht.

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Eine Feinjustierung macht auch das Fahrwerk noch ausgewogener: Die SX geht erstaunlich behände ums Eck, leichtfüßig biegt sie in Radien aller Art und lässt sich auch von übleren Asphaltkrankheiten nicht aus der Spur bringen. Reichlich Bewegungsfreiheit und eine komfortable, relativ aufrechte Grundposition verbessert die Fahrzeugkontrolle und bereitet auf der Landstraße jede Menge Fahrvergnügen. Die knackige, nichtsdestotrotz komfortable Abstimmung beschert einen sicheren und souveränen Fahrgenuss unter allen Bedingungen und Geschwindigkeiten. Ein sauberes Feedback sowie eine tolle Stabilität und Lenkpräzision gehören dazu. Parallel zur modifizierten Grundeinstellung weist das Federbein nun eine hydraulische Verstellmöglichkeit der Vorspannung auf, so dass diese sich im Handumdrehen für Soziusbetrieb oder bei voller Zuladung erhöhen lässt. Im Großen und Ganzen harmonieren auch die neuen Bridgestone S20-Pneus mit dem Fahrwerk, an Grip mangelt es ihnen nicht. Nur Bremsen in Schräglage quittiert der Vorderreifen mit deutlicher Aufstellneigung, die  bisweilen unangenehm werden kann.

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Apropos Bremsen: Hier haben die Kawa-Entwickler mit einteiligen Monobloc-Zangen den nächsten Schritt gemacht. Sehr effektiv und gut dosierbar verzögern die radial angeschlagenen Festsättel auf Supersport-Niveau, sehr verlässlich, gut dosierbar und von einem spät regelnden ABS abgesichert. Auf der Landstraße dürfte die ausgezeichnet kontrollierbare SX so manchem Supersportler ihr markantes Heck zeigen.

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Die ohnehin gute Toureneignung der SX infolge der angenehmen Sitzposition und dem guten Windschutz hinter der dreifach verstellbaren Scheibe optimieren neue, viel besser ins Fahrzeug integrierte Koffer als Zubehöroption. Diese fügen sich ausgezeichnet in die Optik ein, lassen sich im Handumdrehen befestigen, wieder abnehmen und öffnen, und das mit dem gleichen Schlüssel, er auch die Zündung bedient. Zugleich liegen die Koffer enger am Fahrzeug an, was der Fahrstabilität zuträglich ist und die Fahrzeugbreite reduziert. Da nimmt man in Kauf, dass ihr Volumen mit je 28 Litern kleiner als bei den Vorgängern mit 35 Litern ausfällt, zumal in beide ein Integralhelm hinein passt. Schade nur, dass Kawasaki auch der 2014er Auflage einen Hauptständer wenigstens als Zubehöroption verweigert, das hätte das Tourenpotenzial noch weiter verbessert.