Honda CB1100EX, Gold Wing F6C und CTX1300

Honda CB1100EX, Gold Wing F6C und CTX1300


Fahr-Quickies Neuheiten

Alle Jahre wieder lädt Honda die Presse nach Weibersbrunn in den Spessart ein. Dort findet sich neben schönen Motorradstrecken zusätzlich noch die (fast) komplette Modellpalette der Marke mit dem Flügel. Wir haben den Tag für ein paar Test-Quickies genutzt und waren mit 3 Neuheiten unterwegs.

Honda Gold Wing F6C

Die nackte Gold Wing war ohne Frage das begehrteste Zweirad der Veranstaltung. Wir sind extra früh aufgestanden und haben den Koloss morgens mit einem Handtuch reserviert. Und waren damit die ersten die mit der F6C unterwegs waren. Und es war wirklich hammergeil. Ultimate Cruising! Erinnert an einen dicken V8-Schlitten: blubbernder Sound, ordentlich Power mit einer Menge Komfort – und ohne Sportgene. Wer die F6C auf eine gestrippte Gold Wing reduziert, macht wahrscheinlich auf seinen Golf Diesel einen Sport-Auspuff und GTI-Aufkleber. Die Gold Wing lässt sich ja schon erstaunlich einfach fahren. Lediglich beim Rangieren macht sie ihrem Ruf 3-Zimmer-Küche-Bad-au- 2-Rädern alle Ehre. Zwar ist auch die F6C mit 342 Kilogramm eher Sumo-Ringer als Sprinter, aber sie ist schlappe 79 Kilo leichter als der Full-Dresser. Dazu hat sie vorne einen 19- und hinten einen 17-Zöller statt 18 vorne und 16 hinten bei der Gold Wing. Der Antrieb ist fast identisch. Die F6C hat mit 117 PS genau 1 Pferd weniger und dafür mit 168 genau 1 NM mehr als die dicke Schwester.

Honda Gold Wing F6C 02

All das bleibt natürlich nicht ohne Wirkung. Der 6-Zylinder-Boxer kann jetzt endlich zeigen was in ihm steckt. Die F6C lässt der Gold Wing nicht den Hauch einer Chance. Ob Anzug, Durchzug oder Sound – alles geht gefühlt doppelt so gut. Der Vergleich mit einem Ami-V8 passt tatsächlich. Jeder Dreh am Gasgriff wird sofort in vehementen Schub umgesetzt, dazu posaunt der Sixpack seinen Boxersound sehr imposant aus den beiden Töpfen. Der Schub ist in allen Drehzahlbereiche gewaltig. Im Grunde kann man direkt vom ersten in den fünften und letzten Gang schalten. 

Das Fahrwerk gibt sich Dank des niedrigen Schwerpunkts deutlich handlicher als erwartet. Die Bodenfreiheit ist etwas höher als bei der Gold Wing, daher geht auch im die Ecken etwas mehr. Tatsächlich nur etwas, denn auch die F6C schleift recht früh ihre Fußrasten ab. Dennoch überrascht die nackige Wing, man ist mit ihr doch recht zügig unterwegs. Die komfortable Abstimmung des Fahrwerks bügelt so ziemlich alles glatt was der Spessart an Straßenschäden zu bieten hat. Im Gegenzug sind sportlichen Ambitionen des Fahrers enge Grenzen gesetzt.

Honda Gold Wing F6C 05

Wir sind jedenfalls schwer beeindruckt von der Gold Wing F6C. Sechs-Appeal, ordentlich Power, hoher Komfort und eine einzigartige Optik. Eine Road King gibt es tausendfach – die F6C wird wahrscheinlich ein Exot bleiben. Und das zu eine annehmbaren Preis von 20.990 Euro.

Hier geht's zu den Bildern der Honda Gold Wing F6C.

Honda CB1100EX

Das Retro-Bike kommt nach nur einem Jahr in überarbeiteter Variante auf den Markt. Entgegen den ersten Meldungen ersetzt sie jetzt doch komplett die Vorjahresvariante. Die war von Anfang an ein bildschönes Stück Motorrad und ist in der aktuellen Variante nochmal geiler geworden. Markanteste Änderung ist die Umstellung von Guss- auf Drahtspeichen-Räder. Dazu ziert jetzt auf jeder Seite ein verchromter Schalldämpfer die CB und die Sitzbank ist aufwändig gesteppt. Technisch hat die 1100er jetzt ein 6-Gang-Getriebe, die „alte“ musste sich mit 5 Gängen begnügen. Das hat natürlich alles seinen Preis. Schlappe 1.000 Euro muss man jetzt mehr für die CB1100EX hinlegen, insgesamt sind 11.990 Euro fällig.

Honda CB1100EX 05

Technisch ändert sich nicht viel. Die Leistung ist mit 90 PS identisch, das Drehmoment sinkt um 2 auf 91 Newtonmeter. Ein tatsächlicher Rückschritt hat Honda beim Gewicht vollbracht. Satte 12 Kilo hat die CB1100EX zugelegt, bringt jetzt vollgetankt mächtige 260 Kilo auf die Waage. Das macht sich im Fahrbetrieb bemerkbar. Die Honda wirkt etwas träger als ihre Vorgängerin, übt sich beim Dreh am Gasgriff in vornehme Zurückhaltung. Kann natürlich auch an der geänderten Übersetzung des 6-Gang-Getriebes liegen. Wer zügig unterwegs sein will, muss denn Drehzahlen über 5.000 Umdrehungen bemühen, dann geht’s flott voran. Und flotte Gangart steht grundsätzlich nichts im Wege, denn Honda hat das Fahrwerk gestrafft. Damit lässt es sich deutlich zügiger um die Ecken pfeifen als bisher.

Honda CB1100EX 01

Insgesamt hat Honda die richtigen Maßnahmen getroffen. Die CB1100EX sieht noch geiler aus, das Fahrwerk taugt besser und das alles macht das kleine Minus an Temperament locker weg. Fragt sich nur: warum nicht gleich so?

Hier geht's zu den Bildern der Honda CB1100EX.

Honda CTX1300

Nach der F6B ist die CTX1300 der zweite Bagger im Honda-Programm. Technisch basiert die CTX auf der Pan European und die ist einer der zuverlässigsten Kilometerfresser überhaupt. Der V4 lässt in der CTX allerdings ordentlich Federn. Für den cruiser-mäßigen Einsatz speckt der Antrieb auf 84 PS ab. Wer jetzt auf ein Plus an Newtonmeter hofft, wird enttäuscht. 106 NM bei 4.500 Umdrehungen sind zwar nicht ohne, aber halt 19 NM weniger als bei der Pan. Zu allem Überfluss bringt die CTX1300 mit 338 Kilo vollgetankt auch noch 12 Kilo mehr auf die Waage.

Honda CTX1300 05

Optisch spielt sie ohnehin in einer eigenen Liga. Kantig modern steht die CTX auf den Rädern. Top verarbeitet, mit einem wirklich schönen Instrumentenbrett und perfekt integrierten Koffern. Die Sitzposition sehr entspannt mit komfortablem Kniewinkel. Und doch lässt einen die CTX erstaunlich kalt. Wo die F6B einen mit ihrem Bagger-Outfit sofort in ihren Bann zieht, wirkt die CTX steril, fast klinisch.

Honda CTX1300 03

Dabei funktioniert sie hervorragend. Der V4 läuft säuselnd und komplett frei von Vibrationen. Dazu schiebt er energisch an, fühlt sich nach deutlich mehr als 84 PS an. Das spricht für einen hervorragenden Drehmomentverlauf. Das 5-Gang-Getriebe ist schnell durch geschaltet. Der vierte oder fünfte Gang reicht in der Regel immer. Das Handling ist trotz des hohen Gewichts sehr gelungen, das Fahrwerk komfortabel aber nicht gautschig. Also im Grunde ein gelungener Cruiser mit eigenständiger Optik. Die ist allerdings sehr amerikanisch – kann gefallen, muss aber nicht. Ein Schuss Rauheit und kerniger Sound würden da schon viel helfen. 

Hier geht's zu den Bildern den Honda CTX1300.

Text: Matthias Hirsch

Bilder: Buenos Diaz