Honda VFR800F Fahrbericht

Honda VFR800F Fahrbericht


Welcome back

Lange ist es her, Mitte der 80er präsentierte Honda die VFR750F und definierte damit die Mittelklasse neu. Bis zum heutigen Tag hat sich die VFR im Programm gehalten, hat sich gut verkauft und ist doch in die Jahre gekommen. Der letzte Modellwechsel liegt geschlagene 12 Jahre zurück. Für 2014 präsentiert Honda jetzt die komplett neue VFR800F. Moderner, leichter und mit Traktionskontrolle. Wir sind die neue VFR in Südspanien gefahren.

Früher Trendsetter – heute schwer einzuordnen. Natürlich ist die VFR800F ein Sporttourer, mit deutlicher Betonung auf Sport. Als Antrieb fungiert weiterhin der 782 Kubik große V4. Dessen Überarbeitung bleibt überschaubar. Dem VTEC trieb man den zickigen Übergang von 2- auf 4-Ventilantrieb aus. Ansonsten die schon üblichen Optimierungen hinsichtlich Verbrauch und Fahrbarkeit. Leistung und Drehmoment sinken insgesamt sogar etwas. Die Leistung um 3 auf 106 PS, das Drehmoment um 5 auf 75 NM. Neu ist die serienmäßige Traktionskontrolle, sie kennt 2 Modi: an und aus. Der entsprechende Schalter ist am linken Lenkerstummel untergebracht und wirkt wie nachträglich angebaut. 11.990 Euro kostet die VFR800F. Zur Erinnerung: 2012 rief Honda für die VFR noch 13.290 Euro aus. Gut dass die VFR ein Unikat ist, denn direkte Konkurrenz gibt es fast keine. Wenige mit Verkleidung und schon gar keine mit Stummeln. Am ehesten passt die F800GT von BMW. Vollverkleidet mit etwas weniger Leistung (90 PS) aber deutlich mehr Drehmoment (86 NM). Und immerhin 1.590 Euro günstiger. Starke Konkurrenz auch aus dem eigenen Haus: die CBF1000F hat fast die gleiche Leistung, allerdings 998 Kubik, 21 NM mehr Drehmoment und kostet 1.100 Euro weniger. Eine ebenfalls vollverkleidete Suzuki GSX1250FA kostet aktuell als Best-Price-Bike gerade einmal 9.390 Euro.

Honda VFR800F 04

Die VFR800F hat also kein leichtes Spiel. Auch wenn kein direkter Konkurrent auf der Matte steht, für den Preis bekommt man sowohl im eigenen Haus als auch bei der Konkurrenz schon viel geboten. Aber halt keine VFR, denn das Gesamtpaket macht sie einzigartig. Und zwar im positiven Sinn. Zwar bietet sie in keinem Punkt wirklich herausragende Leistung, dennoch macht sie unglaublich viel Spaß. Das beginnt schon beim Antrieb. Dessen Eckdaten locken nun wirklich keinen mehr hinter dem Ofen hervor. Genau genommen hat er sogar weiterhin die altbekannten Schwächen. Trotz aufwändigem VTEC tut sich untenrum nicht viel. Zwar läuft der V4 im Drehzahlkeller ohne Mucken, zieht aber die bekannte Wurst in keinster Weise vom Teller. Drehzahl ist das Motto. Oberhalb von 5.000 geht es schon deutlich besser nach vorne, bei knapp 7.000 schaltet VTEC auf 4-Ventilbetrieb und dann geht es sowohl spür- als vor allem hörbar deutlich vehementer voran.

Honda VFR800F 17

Überhaupt hat der V4-Sound einen wesentlichen Anteil am Wohlbefinden des Piloten. Tief-frequenter und nicht so kreischend wie beim Reihenvierer, einfach einzigartig. Dabei ist die VFR800F keine Krawallbüchse, der Fahrer nimmt die Akustik deutlich stärker wahr als die Umwelt. Und es macht süchtig die VFR im entsprechenden Drehzahlbereich zu halten. Immer so um die 5.000 und dann schön über die 7.000er-Schwelle in den Gänsehautbereich beschleunigen. Der V4 macht es einem dabei extrem leicht, denn er verwöhnt auch bei hohen Drehzahlen mit einer ultrasanften und lastwechselfreien Gasannahme. Das VTEC hat seine Zickigkeit komplett verloren, der Übergang geht ebenfalls sehr sanft von statten. Da das Drehmoment schwächelt, ruft man eben die zur Verfügung stehende Leistung ab und holt sich da den Spaß.

Honda VFR800F 05

Fahrwerkseitig tendiert die VFR800F ebenso in Richtung Sport wie in Sachen Sitzposition. Die Lenkerstummel sind recht tief montiert. Zwar deutlich höher und komfortabler als bei einem Supersportler, trotzdem zwickt es in den Handgelenken schon etwas auf längeren Strecken. Dafür hat man ein wirklich gutes Gefühl für das Vorderrad. Dies gilt grundsätzlich für das gesamte Moped. Die VFR wirkt überaus stabil und flößt viel Vertrauen ein. Hält stoisch die eingeschlagene Linie, zieht auch bei hohen Geschwindigkeiten ruhig und gelassen ihre Bahnen. Das Fahrwerk genügt sportlichen Ansprüchen, straff und doch ausreichend komfortabel hält es in den meisten Fällen die passende Antwort parat. Kurze Stöße kommen recht direkt durch, längere Bodenwellen bügelt die VFR besser glatt. Die hohe Stabilität hat jedoch ihren Preis. Ein Handlingwunder ist die Honda mit Sicherheit nicht. Sie lenkt zwar präzise ein, verlangt aber für Schräglagenwechsel mehr Aufwand als erwartet. Sie ist zwar nicht behäbig, braucht aber halt mehr Nachdruck als andere Motorräder dieser Größenklasse. Die Kombination aus schmalem Lenker und recht hohem Gewicht (242 kg vollgetankt) fordert hier ihren Tribut. Aber so ein wenig ackern hat noch keinem geschadet.