Vergleich BMW S1000R, Ducati Monster 1200 und KTM 1290 Super Duke R

Vergleich BMW S1000R, Ducati Monster 1200 und KTM 1290 Super Duke R


Des Wahnsinns fette Beute

3 Motorräder, keine Verkleidung, insgesamt 3.498 Kubik und 475 PS. Und keiner der Vergleichsteilnehmer hat ein Trockengewicht über 190 kg. Super Duke 1290 R und BMW S1000R rüsten zum Wettkampf der Superlative, Ducati Monster 1200 bringt italienische Momente in den Vergleich ein. 3 unterschiedliche Charaktere mit ebenso unterschiedlichen Wegen zum Ziel: Fahrspaß ohne Ende! Und dieses Ziel haben alle mehr als nur erreicht.

Bereits auf den Herbstmessen war klar: der Vergleich von S1000R und der 1290 Super Duke wird einer der Höhepunkte der Testsaison. 180 österreichische Pferdestärken gegen 160 knackige bayrische Kollegen. Bei aller Euphorie und Vorfreude diskutierte die Motorradgemeinde heftig. Wer braucht eigentlich 180 PS auf der Straße? Sind jetzt Naked Bikes vom Schlage einer Z1000 oder Speed Triple mit ihren Leistungen von um die 140 PS lahme Krücken? Kann man denn überhaupt mit den beiden Über-Nackten mithalten? Dem gehen wir auf den Grund und nehmen die ebenfalls brandneue Ducati Monster 1200 mit in den Vergleich. Die hat zwar „nur“ 135 PS, spielt jedoch gewichtsmäßig in derselben Klasse wie BMW und KTM.

Vergleich S1000R, Moster 1200 und 1290 Super Duke 06

BMW S1000R

Die einzige im Vergleich die tatsächlich auf einem Supersportler basiert. Der Organspender S1000RR ist klar zu erkennen. Die S1000R ist dabei deutlich mehr als eine gestrippte RR. Motor und Fahrwerk sind für den Einsatz als Naked Bike kräftig überarbeitet worden. Der Reihenvierer drückt 160 PS und 112 NM auf die Straße. Die Sitzposition ist trotz breitem Alulenker die sportlichste im Vergleich. Der Lenker ist flach montiert, die Fußrasten recht hoch und weit hinten. Damit ergibt sich eine leicht nach vorn gebeugte, durchaus bequeme Sitzposition mit leicht sportlichem Kniewinkel. Grundsätzlich sitzt man mehr auf als im Motorrad. Vorteil: bei voller Beschleunigung kann man sich über die Füße gut abstützen. Und das ist auch nötig. Denn der Reihenvierer ist eine absolute Wucht. Ab Standgas drückt die S1000R wie ein Ochse und legt dann bei hohen Drehzahlen nochmal einen drauf. Um 7.000 Umdrehungen zündet die BMW den Nachbrenner und schiebt nochmal kräftiger an. Nicht ganz so dramatisch wie bei der RR, aber besser beherrschbar und mit jeder Menge Gänsehaut-Potential. Schaltfaul fahren? Immer möglich und gerne genutzt. Runterschalten und die Fuhre hochdrehen macht aber auch mächtig Spaß. Der Fahrer hat die Qual der Wahl – oder besser gesagt: alle Optionen. Zumal der Sound mehr als passt. Frech, laut und rotzig bellt der 1.000er einen absolut geilen Vierzylinder-Sound aus dem seitlichen Endrohr. Und beim Gas wegnehmen sprotzelt und brabbelt er herrlich vor sich hin. Ein echter Charakterdarsteller – im Rahmen eines Reihenvierers.

05 BMW S1000R

Das Fahrwerk steht dem in nichts nach. Die Testmaschine ist mit allem ausgestattet was gut und in diesem Falle eben nicht teuer ist. Sport-Pakt für 790 Euro und Dynamik für 910 Euro. Macht bei einem Grundpreis von 12.800 Euro insgesamt 14.500 Silberlinge. Satte 995 Euro günstiger als die Super Duke. Ob man Griffheizung und Tempomat an einem solchen Motorrad braucht, sei mal dahin gestellt. Aber das magische Kürzel DDC (Dynamic Damping Control) ist alleine schon den gesamten Aufpreis wert. Die S1000R wird damit zum sportlichsten fliegenden Teppich auf 2 Rädern. Das semiaktive Fahrwerk bügelt so ziemlich alles glatt was sich ihm in den Weg stellt. Selbst in der Einstellung Sport hat man nie das Gefühl bretthart unterwegs zu sein. Im Gegenteil, kurze Stöße wie auch lange Wellen werden perfekt absorbiert. Fühlt sich anfangs komisch an, weil selbst auf Straßen zweiten und dritten Ranges das Fahrwerk eben nicht bockig ist. Der Fahrer ist dabei nicht entkoppelt. Im Gegenteil er kann sich voll und ganz auf die Rückmeldung der Reifen konzentrieren. Dabei lenkt die BMW sehr leicht und extrem präzise ein, hält stoisch den einmal eingeschlagenen Kurs. Ein echtes Präzisionswerkzeug.

04 BMW S1000R

Ducati Monster 1200

Im Vergleich zur Konkurrenz kommt die Ducati den Eckdaten nach recht bescheiden daher. Aber 135 Pferde und vor allem 112 NM sind kein Pappenstiel. Und die Monster nimmt ihren Fahrer vom ersten Moment an in Beschlag. Die tiefe Sitzposition integriert den Piloten perfekt in die Maschine, der breite und komfortable Sitz sorgt für echten Wohlfühlfaktor. Positiver Nebeneffekt: die Ducati ist ein echter Fall für Kurzbeinige, die Sitzhöhe beträgt einstellbare 785 bis 810 mm. Doch wo Licht, da auch Schatten. Denn wie üblich bietet die Duc wenig bis sehr wenig Platz für die Latschen. Auf der einen Seite zwickt die Einarmschwinge, auf der anderen der Auspuff. Also entweder die Füße weit außen auf den Rasten abstellen oder in tiefer Schräglage die Stiefel auf der Fahrbahn abschleifen. Spätestens der Druck auf den Anlasser lässt die leidige Füßelei schnell vergessen. Der V2 hat im Vergleich den geilsten Sound, lässt die Abgase mit tatsächlich spürbaren Schalldruck entweichen. Hart an der Grenze, aber nicht krawallig. Der Sound bleibt einem auch bei hohen Geschwindigkeiten erhalten, speziell in Beschleunigungsphasen stellen sich einem jedes mal die Nackenhaare. Und Beschleunigung kann die Monster. Oben raus nicht ganz so brachial wie die Konkurrenz, aber dennoch über jeden Zweifel erhaben. Auf der Rennstrecke mögen die S1000R und die Super Duke die Monster vielleicht abzocken. Auf der Landstraße hängen sie sie in keinem Fall ab. Preislich liegt die Monster mit 13.490 Euro etwas über dem Grundpreis der BMW und deutlich unterhalb der KTM.

05 Ducati Monster1200

Dabei geht die Monster ihren eigenen Weg. Man muss mehr mit ihr Arbeiten, den V2 bei Laune und im richtigen Drehzahlbereich halten. Grundsätzlich ist die Monster speziell im Vergleich zur Vorgängerin sehr zahm, nimmt ab 2.000 Umdrehung brav Gas an und schiebt tapfer aus dem Drehzahlkeller. Wer flott unterwegs sein will, hält die Drehzahl über 3.000 und lässt im Zweifel lieber den kleineren Gang drin. Das geht wunderbar, denn die Monster geht recht sanft ans Gas und erleichtert dem Fahrer damit zügige Fahrweise. Das Fahrwerk kommt schnellerer Fortbewegung ebenfalls entgegen. Mit dem breiten Lenker und dem guten Feedback lassen sich die eigenen Grenzen gut ausloten. Die Monster bleibt weitgehend neutral, stellt sich jedoch beim Bremsen in Schräglage spürbar auf. Im Vergleich zur Konkurrenz spürt man das Fahrwerk arbeiten, was an der weniger straffen Auslegung liegen dürfte. Das tut dem Spaß keinen Abbruch. Im Gegenteil. Auf der Monster spürt man den Motor, die Straße, das Fahrwerk. Das mag nicht perfekt sein, treibt aber den Unterhaltungspegel mächtig nach oben.

04 Ducati Monster1200

KTM 1290 Super Duke R

Kantig, drahtig und sehnig – das sind aus unserer Sicht die Attribute der Super Duke. Extrem im Design, extrem in den Leistungsdaten. Die erste Kontaktaufnahme hält dann eine Überraschung parat. Die Sitzposition ist von extrem weit entfernt. Im Gegenteil. Eine solch komfortable und aufrechte Unterbringung hätten wir auf einem „Beast“ (Zitat KTM) nicht erwartet. Ducati und vor allem BMW bringen den Fahrer deutlich sportlicher unter. Willkommener Nebeneffekt: sowohl kleine als auch vor allem große Mitmenschen fühlen sich auf der Super Duke wohl. Die sollten allerdings eine gut trainierte Rückenmuskulatur haben. Denn bei voller Beschleunigung fehlt dem Fahrer jede Stütze, von angesprochener Muskulatur mal abgesehen. Und die hat dann jede Menge zu tun. Der Druck der KTM ist schlichtweg atemberaubend. Dumpf bollert der V2 und schiebt unerbittlich bis in den Begrenzer. Dabei bleibt das Motorrad an sich völlig unaufgeregt und schüttelt die Leistung quasi im Vorbeigehen aus dem Ärmel. Im Gegensatz zum Fahrer. Der kann sich erst einmal auf den Hinterkopf kloppen, damit die Augäpfel wieder nach vorne kommen. Einfach Wahnsinn. Dieser Druck sucht Seinesgleichen. Nicht wirklich schneller als die Konkurrenz, allerdings erlebnisreicher. Da wird der Lenker schnell zur Haltestange.

05 KTM 1290 Super Duke R

Das Fahrwerk steckt selbst sportlichste Fahrweise völlig unbeeindruckt weg. Selbst auf der Hausstrecke schnell angegangene Kurven lassen die KTM völlig kalt. Trotz hoher Geschwindigkeit und Schräglage hat man oft das Gefühl, da geht noch mehr. Dabei animiert die Super Duke nicht zum Rasen. Im Gegenteil. Sie fährt sich erstaunlich sanft, so gar nicht wie ein „Beast“. Der Motor geht bei niedrigen Drehzahlen wirklich gut und ist für einen V2 mit immerhin 1.301 Kubik erstaunlich manierlich. Kein Vergleich mit der alten Super Duke. Der Mopedtreiber der mit der KTM bummelt, muss allerdings noch geboren werden. Denn es macht einfach viel zu viel Laune am Kabel zu ziehen und die Herzogin um die Ecken zu treiben. Das Fahrwerk ist dabei ultrastabil und durch nichts aus der Fassung zu bringen. Anpeilen, Umlegen und Durchziehen. Immer wieder. Und auf den Geraden das Katapult abfeuern. Die KTM lenkt ähnlich wie die BMW präzise ein und zieht die eingeschlagene Bahn wie auf Schienen. Die BMW wirkt eine Spur handlicher und federt im Grenzbereich speziell auf schlechteren Wegstrecken sensibler. Hier spielt sie dann die Vorteile des semiaktiven Fahrwerks voll aus. Die KTM kann dafür auf längeren Strecken mit ihrer komfortablen Sitzposition punkten.

04 KTM 1290 Super Duke R
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