Vergleich BMW R nineT und Honda CB1100EX

Vergleich BMW R nineT und Honda CB1100EX


Klassiker-Treffen

Die gute alte Zeit. Auch bei Motorrädern gerne zitiert. Jede Marke definiert hier ihre eigenen Meilensteine. Honda brachte 1969 mit der CB 750 Four den ersten Reihenvierer in Großserie. Der Rest ist Legende. Mit der CB1100EX nimmt Honda die eigene Geschichte wieder auf. BMW schlägt mit der nineT in eine ähnliche Kerbe. Das Jubiläumsmodell zu 90 Jahre BMW Motorrad zitiert die Historie der Marke und tritt für BMW-Verhältnisse ungewöhnlich klassisch und im besten Sinne des Wortes altmodisch an. Sowohl Honda als auch BMW haben uns auf den Testfahrten beeindruckt, jede auf ihre individuelle Art und Weise.

Es ist schon so eine Sache mit den Klassikern. Zwar sind mit Triumph Bonneville oder Kawasaki W800 durchaus nette Teile am Start, allerdings sind sie in Sachen Leistung eher schlapp. Honda und BMW legen da nun mal eine ordentliche Schippe Leistung drauf. Die Honda CB1100EX zitiert ihre Urahnin CB 750 Four. Die war zu ihrer Zeit ein ultramodernes Über-Motorrad, ein technik-strotzender Meilenstein mit bis dahin ungeahnten Leistungsdaten. Wir sprechen gerade von heftigen 67 PS. Wie sich die Zeiten doch ändern. Die BMW R nineT bezieht sich nicht auf ein Modell, sondern gleich auf eine ganze Markenhistorie. Wir haben aber ehrlich gesagt gar keine Lust den Stammbaum auf Ähnlichkeiten zu durchforsten und stellen hiermit einfach fest: Operation gelungen, Patient sieht echt geil aus. Ob die nineT jetzt das ultimative Customizing-Objekt ist und ob die Schrauber-Welt genau darauf gewartet hat, muss sich noch zeigen. Der Sinn und Zweck der ganzen Aktion darf allerdings jetzt schon als erfolgreich bezeichnet werden. Mit der nineT spricht BMW Kunden an, die die Marke bis dato wahrscheinlich maximal mit einem Schulterzucken wahrgenommen haben. Ob die alle Bärte, umgekrempelte Jeans und coole Holzfällerhemden tragen, darf gerne bezweifelt werden.

BMW Rnine T vs Honda CB1100EX 03

Honda CB1100EX

Endlich hat Honda der CB Speichenräder verpasst. Dazu noch die gesteppte Sitzbank und schon wandelt sie sich vom Retrobike zum echten Klassiker. Eine wesentliche Gemeinsamkeit mit der BMW: sie sieht einfach aus allen Blickwinkeln unverschämt gut aus. Vorausgesetzt man mag den klassischen Look. Viel blitzendes Chrom, auf den Auspuffrohren und den Schutzblechen spiegelt sich die komplette Welt. Ein Putzmuffel sollte man nicht sein. Die Sitzposition ist sehr kommod. Extrem aufrecht mit entspanntem Kniewinkel und erfreulich niedriger Sitzposition. Die Instrumentierung und Bedienung beschränkt sich auf das Nötigste, entsprechend einfach ist der Umgang damit. Dies gilt grundsätzlich für die ganze Fuhre. Draufsetzen, Losfahren und Wohlfühlen. Die CB1100 stellt niemanden vor Probleme. Falls doch – es sei ein Hobbywechsel angeraten. Denn wer mit der Honda überfordert ist, hat grundsätzlich Probleme mit motorisierten Zweirädern.

06 Honda CB1100EX

Das geht schon beim Motor los. Der Reihenvierer läuft seidenweich und brummelt brav vor sich hin. Gibt sich nie zickig und verkraftet selbst im allertiefsten Drehzahlkeller Vollgas-Attacken ohne Mucken. Allerdings führen diese nicht immer zu nennenswertem Vortrieb. Der kurze Seitenblick in die Leistungsdaten lässt mit 90 PS und vor allem 91 NM (bei moderaten 5000 Umdrehungen) durchaus Talent zu Druck von unten vermuten. Allerdings leidet die CB akut unter zu langer Übersetzung. Der 6. Gang ist zwar gut für niedrigere Drehzahlen auf langen Strecken, aber bei der Endübersetzung hat es Honda übertrieben. Bei 120 km/h im letzten Gang steht der Drehzahlmesser bei gerade einmal 3.250 Umdrehungen. Zusätzlich ist die CB ein Pummelchen: stolze 260 kg bringt die Honda auf vollgetankt auf die Waage. Wer also flott vorankommen möchte, muss die Gänge fleißig ausdrehen und die Drehzahl über 4.000 Umdrehungen halten. Und dringend das Fahrwerk zudrehen. Gabel und Federbeine sind nämlich sehr komfortabel abgestimmt und mimen gerne den Swinger auf welligem Geläuf. Nachdem alle Möglichkeiten zur Schaukelreduzierung ausgeschöpft sind, lässt es sich dann komfortabel und beschwingt durch die Kurven zirkeln. Zügig gerne, sportlich eher nicht. Wer dennoch mit Knieschleif-Absicht auf die Honda steigt, wird spätestens von den früh aufsetzenden Fußrasten eingefangen.

03 Honda CB1100EX

BMW R nineT

Die nineT ist da aus ganz anderem Holz respektive Metall geschnitzt. Der Fahrer sitzt deutlich kompakter aber ebenso deutlich aktiver im Motorrad. Dazu provoziert die Ninette geradezu die Bewegung der forschen Art. Das geht schon beim Sound los. Jeder Dreh am Gasgriff sorgt für tiefes und lautes Boxer-Gebelle aus den seitlichen Endtöpfen. Dazu drückt der altbekannte Boxer dank kürzerer Übersetzung in allen Lebenslagen nach vorne als wollte er den Wasser-Nachfolger wieder ins Regal verbannen. 110 PS und 119 NM sind alles andere als altes Eisen, zumal mit 222 kg vollgetankt nicht wirklich viel zu schleppen ist. Die direkte Umsetzung von Dreh am Gasgriff in Sound und Schub macht die nineT zum echten Landstraßenfeger. Sie ist zwar nicht die handlichste, lässt sich über den breiten Lenker aber einfach dirigieren und bietet gute Lenkpräzision. Das Fahrwerk ist deutlich straffer als das der CB1100, die Bodenfreiheit um ein vielfaches höher.

06 BMW R nineT

Ein echtes Moped zum Angasen also? Im Prinzip schon. Allerdings hat die BMW auch ihre Tücken. Das Fahrwerk ist bei forcierter Fahrweise dann halt doch überfordert, die Dämpfung reicht nicht aus und es kommt speziell an der Front Unruhe auf. Dazu neigt das Hinterrad zum Stempeln. Schaltet man z.B. vor einer Kurve bei höherer Drehzahl runter und lässt die Kupplung kommen, kann das Hinterrad auch mal kurz blockieren. Das Repertoire reicht vom kurzen Pfiff bis hin zu einem ordentlichen Schlenker. Ist auf jeden Fall nicht jedermanns Sache. Also besser im höheren Gang bleiben und das Drehmoment nutzen. Alles in allem ist man mit der bildschönen und bis ins letzte Detail piekfein verarbeiteten nineT sehr flott unterwegs. Einen Beifahrer sollte man besser nicht einplanen, Gepäck ebenso wenig. Aber wer will sich mit solch schnöden Dingen schon die schöne nineT verschandeln. Und wehe es fragt einer nach Windschild und Koffern! Die Vorstellung einer Ninette mit hoher Scheibe, Koffern und Topcase führt beim Autor zu spontanem Würgereflex.

01 BMW R nineT

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