Yamaha MT-09 vs Ducati Hypermotard – Vergleich

Yamaha MT-09 vs Ducati Hypermotard – Vergleich


Zweiklang gegen Dreiklang

So ein Vergleich ist manchmal gar nicht so einfach. Die Yamaha MT-09 ist so ein Beispiel. Einen direkten Konkurrenten hat sie eigentlich nicht. Die einen haben entweder weniger Hubraum und/oder Leistung oder halt mehr. Bis Ducati die Monster 821 bringt. Die steht allerdings noch nicht zur Verfügung. Also haben wir uns kurzentschlossen die Hypermotard für den Vergleich gekrallt.

Erschließt sich einem nicht auf den ersten Blick, nimmt man jedoch die Eckdaten unter Lupe, werden die Gemeinsamkeiten offensichtlich. Die Yamaha hat 847 Kubik, die Ducati 821. Der japanische Reihendreizylinder leistet 115 PS und 87,5 NM, der italienische V2 kommt auf 110 PS und 89 NM. Tankinhalt Yamaha 14 Liter, Ducati 16. Selbst beim Gewicht sind keine großen Unterschiede festzustellen. Die MT-09 bringt vollgetankt 191 Kilo auf die Waage, bei der Hypermotard bleibt der Zeiger bei 198 stehen. Erst wenn es um die Finanzen geht, ist es mit der Einigkeit vorbei. Yamaha will für die MT-09 ABS 8.295 Euro. Warum eine Neuerscheinung in 2014 noch ohne ABS zu haben ist, lassen wir mal unkommentiert. Satte 11.390 Euro will Ducati für die Hypermotard haben. Immerhin 3.095 Euro mehr. Allerdings ist die Duc deutlich besser ausgestattet. Da vor allem das Ducati Safety Package (DSP), welches die achtfach verstellbare Traktionskontrolle und ein ABS von Bosch enthält. Der Rest geht als Italo-Kult-Zuschlag durch. Beide Motorräder sind mit unterschiedlichen Riding Modes ausgestattet, die es dem Fahrer erlauben (sollen) die Performance an die Fahrumstände anzupassen.

Ducati Hypermotard

Hochbeinig steht die Hypermotard neben der MT-09. Die Federwege der Ducati sind mit 170 mm vorne und 150 hinten sehr üppig. Die Yamaha kommt mit 137 und 130 aus. Dementsprechend höher sitzt man auch auf der Italienerin. Auf 870 mm muss man sich schwingen. Dank schmaler Taille finden jedoch auch normal gewachsene ausreichend Bodenkontakt. Die Bedienung ist Italien-typisch nicht intuitiv, dafür nach kurzer Eingewöhnung doch eingängig. Die Sitzposition ist betont aufrecht und eher auf statt in dem Motorrad. Man sitzt sehr nahe am Lenker und gefühlt direkt über dem Lenkkopf. Aber insgesamt nicht unbequem. Der schmale Tank lässt jede Menge Platz für Bewegungsfreiheit, sorgt gleichzeitig für Zweifel ob der Reichweite. Die sind in diesem Vergleich jedoch unbegründet, denn der der MT-09 sieht zwar größer aus, fasst aber nochmal 2 Liter weniger. Was bleibt, ist die Gewissheit dass beide spätestens nach 200 km an die Zapfsäule wollen.

09 Ducati Hypermotard

Das liegt aber neben dem begrenzten Spritvolumen einfach daran dass es unbändigen Spaß macht mit der Ducati kräftig anzugasen. Und das beginnt bereits im Stand, denn nach dem Druck auf den Starter bollert die Hypermotard los als wollte sie die Pflastersteine wachrütteln. Und dieser Eindruck setzt sich unterwegs fort. Jeder Dreh am Gasgriff sorgt für maximale akustische Untermalung. Und heftigen Vortrieb. Am angenehmsten im Touring-Modus. Hier setzt die Leistung vehement aber dennoch sauber dosierbar ein. Überhaupt ist der Testastretta-V2 ein Genuß. Vorbei die Zeiten als die Motoren aus Bologna zickige Biester waren. Ab 2.500 Umdrehungen nimmt die Duc sauber Gas an und legt fackelt spätestens bei 3.500 ein wahres Feuerwerk aus Schub und Sound ab. Deutlich angenehmer als früher, mit breitem nutzbaren Drehzahlband und dennoch weiterhin typisch Ducati. Ein Raubatz den man einfach mögen muss.

01 Ducati Hypermotard

Und der dennoch im Drilling der Yamse seinen Meister gefunden hat. Doch dazu später. Die Kombination aus fahraktiver, sehr Vorderrad orientierter Sitzposition und agilem V2 animiert natürlich zu zügiger Fortbewegung. Über den sehr breiten Lenker lässt sich die Duc sehr gut in Schräglage bringen und verwöhnt mit guter Lenkpräzision. Die langen Federwege stecken dabei ordentlich was weg, leider auch das letzte Stück zur perfekten Rückmeldung. Denn einmal mehr ist die Gabel bei Ducati etwas zu weich abgestimmt. Die Schräglagenfreiheit scheint endlos zu sein, zumal die Wahrnehmung des Neigungswinkels sich durch die hohe und aufrechte Sitzposition verstärkt wird. Alles in allem eine echte Kurvenfeile, wie gemacht für den sportiven Ritt auf der Hausstrecke und die Attacke auf Biegungen aller Art. Bummeln ist nicht die Sache der Hypermotard, auch wenn sie es motorseitig mittlerweile verträgt.

Yamaha MT-09

Was für ein Motor. Gratulation an Yamaha. Der Reihendreier ist für uns die neue Referenz in der Mittelklasse. Über das gesamte Drehzahlband schiebt, drückt, rennt und begeistert der Drilling. Einfach unglaublich. Lässt sich sehr schaltfaul fahren und bläst dazu ab 8.000 Umdrehungen zur Angriff auf die 10.000er-Marke. Selten haben sich Durchzugskraft und Drehfreude so herzlich die Hände geschüttelt. Da bleibt echt kein Auge trocken. Die Hypermotard geht zwar ein Ticken vehementer ans Gas, zwei Wimpernschläge später hat sie aber in allen Belangen das Nachsehen. Die unterschiedlichen Fahrmodi erweisen sich – wie bei den meisten Zweirädern – als im Grunde überflüssiges Gimmick. Die Modi A und B sind recht unharmonisch, speziell der A-Modus hat eine sehr ruppige Gasannahme. Am besten funktioniert der Standard-Modus (STD), wie beschrieben etwas weniger direkt, dafür mit sanftem Leistungseinsatz. Der MT-09-Antrieb kann aber auch zahm. Säuselt mit niedriger Drehzahl sanft vor sich hin, filtert per Ausgleichswelle lästige Vibrationen aus und ist in Sachen Lebensäußerungen (leider) recht zurückhaltend.

09 Yamaha MT-09

Doch Yamaha hat sich ja der dunklen Seite verschrieben, also der dunklen Seite Japans. Und wenn der Motor im übertragenen Sinn für viel Licht steht, hat die MT-09 tatsächlich eine schattige Seite. Und diese „Dark Side of Japan“ ist ausgerechnet das Fahrwerk. So begeisternd der Motor, so ernüchternd die Federelemente. Sowohl Gabel als auch Federbein sind selbst in der härtesten Einstellung deutlich zu weich geraten. Für Einsteiger und Blümchenpflücker passt dies sicher, doch selbst die nehmen ab und an mal jemanden mit. Und dann hilft nur noch eines: Gas wegnehmen.

01 Yamaha MT-09

Bereits bei zügiger (nicht sportlicher!) Fortbewegung pumpen die Federelemente auf Fahrbahnunebenheiten wie einst Axel Schulz nach 12 Runden. An wirklich sportliches Angasen ist nicht zu denken. Zwar ist man durchaus auch zügig unterwegs, allerdings immer mit innerlich angezogener Handbremse. Man stellt sich halt auf die Umstände ein und hat dennoch Spaß. Dabei zeigt die MT-09 durchaus auch Härte: die Sitzbank ist nämlich sprichwörtlich die solche. Irgendwie hinterlässt die Yamaha einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits ein Gedicht von Motor, andererseits ein Fahrwerk welches viel Luft nach oben lässt.