Kawasaki ER-6n und Yamaha MT-07 - Vergleich

Kawasaki ER-6n und Yamaha MT-07 - Vergleich


Midsize zum Lowprice

Yamaha nimmt mit der MT-07 den bisherigen Klassenprimus Kawasaki ER-6n aufs Korn. In der Halbzeitwertung kann die Kawa die Yamaha in Sachen Zulassungszahlen knapp hinter sich lassen, aber wie sagt man so schön: es ist noch alles offen. Aber uns geht es letztendlich darum wie die Teile sich fahren lassen. Da geht was!

Einsteigerklasse klingt irgendwie nach Fahrschulmotorrad: funktional, einfach – und etwas dröge. So ein wenig wie Hondas CB500. Grundsätzlich tolle Motorräder, aber so emotional wie ein Sockenkauf. Überhaupt tut sich nicht wirklich viel in dieser Klasse. Die liebevoll Erna getaufte Kawasaki gibt es in unterschiedlichen Entwicklungsstufen seit einer gefühlten Ewigkeit, die Suzuki Gladius ebenso. Nur halt ohne Entwicklungsstufen. Gut das Yamaha sich eines besseren besinnt und nach der MT-09 gleich noch die MT-07 bringt. Von der übernimmt sie gleich mal den Look und dazu noch den günstigen Preis. Leider auch die Unart das ABS wahlweise anzubieten. Dennoch: 5.995 Euro mit ABS für die MT-07 sind echt der Knaller. Zum Vergleich: die Kawasaki ER-6n ist für 6.495 Euro zu haben, grundsätzlich mit ABS. Das sind immerhin 500 Euro mehr, in dieser Klasse ein schwerwiegender Fakt. Apropos schwerwiegen: die Kawa ist stolze 24 Kilo schwerer als die Yamaha, 206 zu 182 Kilo.

Vergleich ER-6n vs MT-07 04

Yamaha MT-07

Vom Gewicht einmal abgesehen, sind die Eckdaten der beiden Vergleichskanditen recht ähnlich. Die MT-07 wirkt im direkten Vergleich etwas großzügiger, bietet dem Fahrer ein wenig mehr Raum. Der günstige Preis ist weder auf den ersten noch den zweiten oder dritten Blick zu erkennen. Tank, Schwinge, Instrumente, Sitzbank – nirgends ist der Rotstift zu erkennen. Die Bedienelemente sind die gleichen wir an der MT-09. Die Bedienung ist einfach, Schalter und Regler haben aber Bonsai-Format, sind etwas fummelig geraten. Die Gleichteile-Strategie bescheren der kleinen MT wohl auch die Reifenformate der großen Schwester. Der hintere 180er sieht klasse aus und bringt keine Nachteile. Die Konkurrenz kommt mit einem 160er aus.

01 Yamaha MT-07

689 Kubik reichen für 75 PS und damit allemal für die Einsteigerklasse. Die MT-07 tritt über den gesamten Drehzahlbereich etwas energischer an als die auch nicht gerade phlegmatische ER-6n. Soundmäßig sollte man nicht viel erwarten. Sonor brummt der Twin vor sich hin um bei höheren Geschwindigkeiten ganz in der Hintergrund zu treten. Gilt in gleichem Maß auch für die Kawasaki. Dann ist es aber auch vorbei mit der Einigkeit. Die MT-07 verbucht auf ihrer Habenseite die besseren Bremsen. Geringe Bedienkräfte, guter Druckpunkt und eine sehr gute Verzögerung. So soll es sein.

05 Yamaha MT-07

Fahrwerkseitig hat sie sich von der großen Schwester MT-09 mehr abgeschaut als uns lieb ist. Denn auch die kleine MT ist vor allem am Heck viel zu weich abgestimmt. Zwar ist sie etwas straffer als die große MT, dennoch ist das Federbein schnell überfordert. Der Einsteiger mag anfangs noch gut damit zurechtkommen, sobald die Routine und damit der Fahranspruch steigt, fängt die MT-07 zu pumpen an. Oder früher, wenn man sich hinten noch jemanden draufsetzt. Sehr schade, denn Motor und Bremsen sprechen auch Fortgeschrittene an. Das Handling tendiert dank des niedrigen Gewichts Richtung superleicht, eigentlich beste Voraussetzungen für kurviges Gelände. Solange die Fahrbahn eben ist, klappt dies auch wunderbar. Die Fußrasten grenzen den Spaß ausreichend spät ein, Bodenwellen deutlich früher.

Kawasaki ER-6n

Sie mag schwerer sein, sie mag motorseitig etwas im Hintertreffen sein. Dennoch ist die ER-6n weiterhin ein klasse Stück Zweirad. Der 649-Kubik-Twin hängt immer noch gut am Gas und lässt seine 72 Pferde fröhlich galoppieren. Erst der direkte Vergleich zeigt die Yamaha etwas agiler. Für sich macht der Kawa-Zweier weiterhin einen guten Job. Für größere Fahrer zwickt die Ergonomie etwas, zum Ausgleich lassen sich die Instrumente der ER-6n deutlich besser ablesen. Dazu ist die Sitzbank komfortabler gepolstert.

01 Kawasaki ER-6n

Das Fahrwerk wirkt auf den ersten Metern weniger komfortabel, da es deutlich straffer als das der Yamaha ist. Spätestens mit Gepäck, Sozius oder zügiger Fortbewegung ist man mehr als froh darüber. Wo die MT-07 anfängt mit der Hinterhand zu pumpen und man zwangsläufig Tempo rausnehmen muss, geht es bei der ER-6 erst richtig los. Das Fahrwerk hat spürbar mehr Reserven, die Schräglagenfreiheit ist zusätzlich noch höher. Das Package aus wuseligem Handling und straffem Fahrwerk darf auch für diese Saison in dieser Klasse als Referenz gelten. Hier grinsen sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittener. Lediglich die Bremsen trüben das Bild ein wenig. Die Verzögerung ist gut, allerdings ist der Druckpunkt schwammig und die Bremsen wirken stumpf.

05 Kawasaki ER-6n