Honda F6C und Triumph Rocket III Roadster - Vergleich

Honda F6C und Triumph Rocket III Roadster - Vergleich


Big & Bigger

Wenn die alte Weisheit „Hubraum ist durch nichts zu ersetzen“ noch immer Gültigkeit besitzt, sind unsere beiden Vergleichskandidaten echte Spaßgaranten. Denn Honda F6C und noch mehr die Triumph Rocket III Roadster sind in dieser Hinsicht wahre Giganten. Leider auch wenn es um Gewicht und Abmessungen geht. Auf den ersten Blick erwartet man die Handling-Qualitäten von Gelenkbussen. Wenn die genauso Spaß machen wie F6C und Rocket, denken wir ernsthaft über eine Führerscheinerweiterung nach.

Es sind schon gewaltige Motorräder die da vor einem stehen. Dennoch ist der Grundcharakter sehr unterschiedlich. Die Honda F6C ist glatter, geschliffener, hat irgendwie mehr Manieren wie der Hooligan von der Insel. Da sitzt man auf einem 6-Zylinder-Boxer mit 1.832 Kubik und fühlt sich an der Ampel neben der Triumph Rocket III Roadster doch ein wenig wie ein Chorknabe. So als sitzt man stolz in einem perfekten Porsche, laufruhig, wohltemperiert, zu feinem Dolby-Sourround-Klang und dann taucht an der Ampel neben einem ein fetter V8-Ami-Bolide mit 150-Liter-Hubraum samt dazugehöriger Klangkulisse auf und bläst dich im Stand auf Golf-GTI-Niveau. Die Rocket ist ein Monument und beeindruckt alles und jeden. Ob immer mit Wohlgefallen sei mal dahin gestellt. Jeder ist neugierig – ob Motorradfahrer oder Passant. Und immer mit einer gehörigen Portion Respekt, fast so als wollte die Rocket andere Motorräder auffressen. Keine Angst – die will nur spielen. Die Wertung „Show & Shine“ geht ganz klar an die Britin.

Honda F6C vs Triumph Rocket III Roadster 04

Honda F6C

Mit dem Porsche hat die F6C den Boxer-Sixpack gemeinsam. Und so viel sei schon jetzt verraten: die bessere Kurventauglichkeit im Vergleich zum Ami-V8 ebenfalls. Sechs Zylinder, 1.832 Kubik und fette 168 NM sind im Grunde Superlativ genug. Die Spitzenleistung von 117 PS spielt da eher die zweite Geige. Der Sechser läuft seidenweich und verwöhnt mit turbinenhaftem Sound. Jeder Dreh am Gasgriff sorgt für Seelenmassage, die Fuhre klingt unglaublich geil ohne dabei laut, aggressiv oder aufdringlich zu sein. Und dann dieser Schub! Nicht ganz so dramatisch wie auf der Rocket aber erheblich einfacher zu beherrschen, da die Gasannahme sehr sanft und ohne jeden Lastwechsel von statten geht. Für sich betrachtet ist die Performance sehr beeindruckend. In diesem Vergleich steht die F6C allerdings immer ein wenig im Schatten der Rocket.

01 Honda F6C

Mit 342 Kilo ist die F6C volle 79 Kilo leichter als der Organspender Gold Wing. Und die merkt man bei jedem Meter. Dank der tiefen Lage des Boxers lässt sich die Honda fast spielerisch bewegen. Lenkt willig ein, lässt sich unerwartet leicht in Schräglage bringen und hält die gewählte Linie ohne große Probleme. Selbst Wechselkurven nimmt die F6C gelassen hin. Natürlich brauchen wir nicht über Feedback vom Vorderrad sprechen, es ist schlichtweg nicht vorhanden. Ebenso selbstverständlich setzen die Fußrasten recht früh auf und mag das Fahrwerk keinen hektischen Einsatz mit heftigen Bremsattacken. Dann kommt Unruhe auf und die Fahrt wird schnell ungemütlich. Dennoch ist man viel flotter unterwegs als man der F6C auf den ersten Blick zutraut.

06 Honda F6C

Auf den zweiten Blick werden allerdings die vielen Kunststoffteile auch nicht schöner. Die Optik ist ohnehin schon gewöhnungsbedürftig, da wirkt der Plastik-Look wie das Tüpfelchen auf dem i. 20.990 Euro will Honda für die F6C haben. Nicht gerade wenig, aber man erhält viel Motorrad für das Geld.

Triumph Rocket III Roadster

2,3 Liter Hubraum, 148 PS und unglaubliche 221 Newtonmeter Drehmoment. Der riesige Dreizylinder bestimmt das komplette Fahrzeug. Als hätte man den Antrieb einer Landmaschine in ein Motorrad verpflanzt. Den Einsatz als Bäume-Rausreißer oder Berge-Verschieber nimmt dem Drilling ohne weiteres ab. Und der Antrieb ist so brachial wie man es erwartet. Sobald der Gashahn auf Anschlag geht, wird der Lenker zu Haltestange. Gnadenlos katapultiert die Rocket Fahrer und Fahrzeug nach vorne, der Magen wickelt sich gefühlt um die Wirbelsäule und man hat hoffentlich genug Hirn im Schädel, sonst kullern die Äuglein in selbigem rum. Einfach der Ober-Hammer.

02 Triumph Rocket III Roadster

Wahrscheinlich gibt es Motorräder die ähnlich oder noch besser beschleunigen, aber die Wahrnehmung sagt etwas anderes. Wieso? Weil es bei der Rocket ab Standgas so ist. Egal in welchem Gang. Immer halt. Dabei röhrt der riesige Drilling aus den ebenfalls riesigen Auspuffrohren als wollte er den Trompeten von Jericho Konkurrenz machen. Im Stand wuchtet die mächtige Kurbelwelle das Gefährt bei jedem Gas-Stoss von einer Seite auf die andere. Dies ist bei voller Beschleunigung auch bei den Schaltvorgängen zu spüren. Im Grunde genommen könnte man sich die eigentlich sparen. Gefühlt reichen der erste und der letzte Gang. Aber so muss man halt durch 2, 3 und 4 um in den 5. zu gelangen.

07 Triumph Rocket III Roadster

So riesig wie der Motor fühlt sich letztendlich das gesamte Motorrad an. Die Rocket Roadster will gefahren werden. Und zwar ganz bewusst und mit einigem an Aufwand. Der breite Lenker vereinfacht zwar die Arbeit, dennoch verlangt die Triumph einiges an Nachdruck um in Schräglage gebracht und auch dort gehalten zu werden. Kein Wunder, dreht sich doch hinten ein 240er und vorne ein 150er Schlappen. Von der Leichtfüßigkeit der F6C ist die Rakete Welten entfernt. Mit 367 Kilo ist die Triumph derer 26 schwerer als die Honda, es fühlt sich allerdings nach viel mehr Gewicht an. Dafür punktet die Rocket III Roadster wenn es um das Sparschwein geht. 18.040 Euro für diese Performance und so viel Motorrad sind schon kein Schnäppchen mehr sondern ein echter Schnapp!