Harley-Davidson Softail Breakout - Fahrbericht

Harley-Davidson Softail Breakout - Fahrbericht


Warum nicht gut doch affengeil sein kann

Die Harley-Davidson Softail Breakout ist ein Paradebeispiel dafür wieso die Marke aus Milwaukee und ihre Produkte die Motorradgemeinde so spalten. Bedient sie doch alle Eigenschaften die die einen heiß und innig lieben und die anderen ebenso leidenschaftlich nicht. Wir wollen wer der einen noch der anderen Seite rechtgeben. Unsere Empfehlung lautet: einfach mal Probe fahren und dann selbst ein Urteil erlauben.

Denn eine bedauerliche Tatsache lässt sich nicht bestreiten. Viele Harley-Hasser haben noch nie auf einer drauf gesessen, geschweige denn eine gefahren. Aber wie sagt man zu kleinen Kindern: probier‘ den Spinat erst einmal bevor du sagst er schmeckt nicht. Spinat ist ja gesund, wegen Eisen und so. Und davon haben Harleys ja eine ganze Menge.

Die Softail Breakout ist da keine Ausnahme. Mit 322 Kilo ist die Softail sozusagen der schwerste Spinat der Welt. Liegt vielleicht auch am dicken Hintern, denn am Heck ist eine 240er Walze auf der 18-Zollfelge montiert. Und so ein Reifen trägt halt mal auf. An der Front ist ein großer 21-Zöller des Formats 130/60 angeschraubt. Man lebt also auch hier auf großem Fuß. Dazwischen sitzt der Fahrer knapp über der Bordsteinkante und hat freie Sicht auf den Dragbar-Lenker und das an selbigem montierte einsame Instrument. Die Füße finden auf den meilenweit entfernten Fußrasten Platz. Irgendwo noch weiter vorne erahnt man das große Wagenrad an der flach stehenden Gabel. Da freuen sich kurzbeinige Zeitgenossen zwar über die tiefe Sitzposition (660 mm), haben dann aber eventuell Probleme die kurzen Extremitäten auf den vorverlegten Fußrasten zu platzieren.

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Aber wir können alle beruhigen: wirklich bequem ist die Softail Breakout für keinen. Denn nicht nur die Füße müssen sich strecken, auch der Oberkörper und die Arme. Der gerade Lenker kommt dem Piloten nicht wirklich entgegen, also muss der Fahrer dies übernehmen. Das ganze mündet dann in eine breitbeinige und –armige, leicht nach vorn orientierte Sitzhaltung auf einem doch immerhin üppig gepolsterten Sitzkissen. Mag nicht bequem sein, fühlt sich allerdings saucool an. Und lässig. Und geil. Wieso? Weil es einfach zur Softail Breakout passt.

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Genauso wie dieser Schiffsdiesel V2. Der luftgekühlte, 1.690 Kubik große V2 ist der ideale Antrieb für die Breakout. Beschleunigung? Jederzeit vorhanden. Durchzug? Aber Hallo! Sound? Aber Doppel-Hallo!! Im Grunde genommen spielt dies alles aber nur eine untergeordnete Rolle. Denn all diese Dinge unterliegen in diesem Falle einer verschobenen Wahrnehmung. Nüchtern betrachtet beschleunigen die meisten Einsteigerbikes besser und lassen der Harley nicht den Hauch einer Chance. In Realität dockt der V2 beim Nervensystem an und massiert genau die richtigen Stellen. Wer will schon den tief-frequenten Schub in Verbindung mit dem bollernden Sound nüchtern betrachten. Ist schon in sich ein Wiederspruch. Was spielt es da für eine Rolle nach wie vielen Sekunden was erreicht ist? Im Gegenteil. Man genießt jeden Meter, nutzt jede kurze Strecke zum Beschleunigen um tief im Bauch den Vortrieb mit dem über die Ohren wahrgenommenen Bollern zu verbinden.

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Heizen ist ohnehin nicht drin. Solange es geradeaus geht und die Fahrbahn schön glattgebügelt ist, kann man schon ordentlich am Kabel ziehen. Geht es dann mit der Softail Breakout um die Ecken, kommen gleich mehrere Faktoren zusammen. Da ist zum einen die fette Bereifung. Die stellt sich erfolgreich jeglicher Flinkheit in den Weg. Die Harley will mit Aufwand in die Kurve gedrückt und auch gehalten werden. Da trifft es sich ganz gut dass man nicht so tief drücken muss, denn die Fußrasten setzen schon bei gemütlicher Gangart sehr früh auf.

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Immerhin liegt sie recht straff auf der Straße und schaukelt nicht wie ein Wüstenschiff. Dennoch ist gerade in Schräglage Vorsicht geboten. Bei mickrigen 79 mm Federweg hinten ist das Schluckvermögen sehr begrenzt. Also lieber mit weniger Schwung in die Ecke rein und dann am Ausgang mit umso mehr Schmackes wieder raus. Selten hat man beim Entschleunigen vom Alltag so herzhaft beschleunigt.