Yamaha MT-09 Tracer - Fahrbericht

Yamaha MT-09 Tracer - Fahrbericht


Der nächste Schritt in die richtige Richtung

Bei Yamaha geht es Schlag auf Schlag. Nach Jahren des Tiefschlafs mit veränderten Farben an bestehenden Modellen ist die Marke mit den 3 Stimmgabeln im Logo final erwacht und direkt in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Wesentlichen Anteil daran hat die neue MT-Familie. Gerade die MT-09 läutete eine neue Ära bei Yamaha ein. Und die erhält jetzt ein Schwestermodell. Mit der MT-09 Tracer bringt Yamaha für die nächste Saison eine Touren-Variante auf den Markt. Wir konnten die Tracer bereits jetzt in Südspanien fahren.

Die MT-09 kam, sah und siegte. Was Cäsar im alten Rom gelang, hat Yamaha tatsächlich in der jüngsten Vergangenheit wiederholt. Die Erfolgsformel ist dabei im Grunde genommen recht einfach. Ordentlich Leistung, also toller Motor, so wenig Gewicht wie möglich und dazu ein knackiges Fahrwerk. Gut, die Sache mit dem knackigen Fahrwerk hat nicht ganz so gut hingehauen, aber der Rest, vor allem der Motor passt. Bei der Ankündigung der MT-09 Tracer kamen uns dann tatsächlich Bedenken ob der wabbeligen Federelemente der nackten Schwester. Schließlich hat die Tracer das erklärte Ziel Gepäck, Sozius oder gar beides zu befördern. Soviel sei bereits jetzt verraten: Yamaha hat seine Hausaufgaben erledigt.

Technisch basiert die MT-09 Tracer komplett auf der nackigen 09er. Rahmen, Motor und Fahrwerksdaten sind entsprechend identisch. Die Federelemente sind allerdings deutlich straffer abgestimmt und sowohl vorne als auch hinten in Dämpfung und Vorspannung einstellbar. Optisch wirkt die Tracer deutlich erwachsener als die Nackte, steht dennoch schlank und schnittig auf der Straße. Soviel wie nötig und gleichzeitig so wenig wie möglich. Großen Wert legt Yamaha auf eine variable Ergonomie. Die Scheibe lässt sich ohne Werkzeug in der Höhe um 30 mm variieren, der Fahrersitz hat eine hohe und eine niedrige Position. Zusätzlich kann man die Lenkerblöcke drehen und die Position des Lenkers damit um 10 mm ändern.

Yamaha MT-09 TRACER 09

Entsprechend gut ist man auf der Tracer untergebracht. Eine wesentliche Verbesserung ist die Sitzbank. Sie ist im Vergleich zur MT-09 breiter und verdient das Attribut gepolstert zu sein. Die Sitzhöhe steigt auf 845 mm, was den Kniewinkel entspannt. Montiert man den Sitz in der hohen Stellung, kommen nochmal 15 mm dazu. Optional kann man mit Hilfe einer niedrigeren Sitzbank und Änderungen an der hinteren Aufhängung die Sitzhöhe auf 815 mm runter bekommen. Insgesamt wirkt die Tracer im Vergleich zur Schwester erwachsener, trägt sozusagen Treckingkleidung statt Sprinthöschen und bei Bedarf auch mal einen Rucksack. Eine wirklich erfreuliche Sache ist der Preis der MT-09 Tracer: mit 9.595 Euro ist ein echtes Schnäppchen und setzt die Familientradition fort.

Yamaha MT-09 TRACER 14

Beiden gemein ist dieser fulminante Drilling, also 847 Kubik, 115 flinke Pferdchen und 87,5 stämmige Newtonmeter.  Der Reihendreiher begeistert in allen Lagen und wurde für die Tracer unverändert übernommen. Und das ist gut so. Ja, die Fahrmodi sind nicht optimal. Der A-Modus arbeitet weiterhin ruckelig wie eine alte TDM zu schlechtesten Zeiten. Standard ist deutlich erträglicher und der sanfte B-Modus begeistert mit sanfter, lastwechselfreier Gasannahme bei leicht zurückhaltender Spontanität. Ist aber im Grunde egal, die 3 Zylinder drücken, schieben und ziehen als gäbe es kein Morgen. Keine Ruckeleien im Drehzahlkeller, dazu noch Drehfreude bis zum Begrenzer. Fahrmodi? Braucht bei einem solchen Prachtburschen kein Mensch. Ein funktionierender reicht vollkommen. Vibrationen? Fehlanzeige. Getriebe? Vorhanden und tadellos und unauffällig funktionierend. Also insgesamt volle Punktzahl.

Yamaha MT-09 TRACER 05

Kommen wir zu den Fahreindrücken. Die Sitzposition haben wir ja bereits als positiv abgehakt. Die Bedienung ist intuitiv, die Instrumente komplett und gut ablesbar. Wie ihre Schwester ist auch die MT-09 Tracer kein Schwergewicht. Vollgetankt 210 Kilo sind ein sehr guter Wert in dieser Klasse. Eine Triumph Tiger Sport bringt es auf 235 Kilo, die neue Honda Crossrunner hat nochmal 7 Kilo mehr. Entsprechend leicht und einfach lässt sich die Yamaha rangieren. Dies setzt sich auch im Fahrbetrieb fort. Die Tracer wirkt leichtfüßig und macht es dem Fahrer sehr einfach. Die breite Lenkstange unterstützt das Handling zusätzlich und macht Schräglagenwechsel zum Kinderspiel. Die Sitzposition ist durchaus fahraktiv, man hat ein gutes Gefühl für die Maschine. Eine wesentliche Verbesserung ist das straffere Fahrwerk. Ein gelungener Kompromiss zwischen Komfort und notwendiger Straffheit. Endlich hat dieses Juwel von einem Motor ein entsprechendes Fahrwerk bekommen. Wo die nackte MT-09 resigniert und schaukelnd die weiße Fahne raushängt, geht es mit der Tracer erst richtig los. Lässt sich präzise Einlenken und zieht wie an der Schnur gezogen die eingeschlagene Linie.

Yamaha MT-09 TRACER 06

Auf den teilweise glatten Straßen im Hinterland von Malaga verrichtete auch die Traktionskontrolle wertvolle Dienste. Von der Regelung selbst bekommt der Fahrer nicht viel mit. Erst wundert man sich dass es nicht so schnell voran geht wie man es mit der Gashand vorgibt. Dann erblickt man die blinkende Kontrollleuchte und ist froh den elektronischen Rettungsanker zu haben. Einen zwiespältigen Eindruck hat die Serienbereifung Dunlop Sportmax D222 hinterlassen. Bei Temperaturen deutlich unterhalb des zweistelligen Bereichs hatten die Pneus anscheinend Probleme auf Betriebstemperatur zu kommen und bescherten uns den einen oder anderen Rutscher. Dazu kam noch eine ausgeprägte Neigung zum Aufstellen beim Bremsen in Schräglage.  Positiv gesehen, konnten wir uns von den Qualitäten der Traktionskontrolle überzeugen. Restzweifel nehmen wir beim Einzeltest in heimischen Gefilden bei höheren Temperaturen unter die Lupe.