Ducati Scrambler Icon - Fahrbericht

Ducati Scrambler Icon - Fahrbericht


Jetzt wird gescramblert!

Lange haben wir auf Ducatis Scrambler gewartet. Im Netz konnten wir sie sehen, auf den Messen konntet Ihr sie anfassen, fahren konnte sie jedoch noch niemand. Jetzt (man möchte sagen endlich) lädt Ducati die Fachpresse zu einer ersten Probefahrt nach Palm Springs in Kalifornien ein.

Nach einer langen Anreise ist es endlich soweit und wir stehen vor der Scrambler, oder besser vor den Scramblern. Denn Ducati hat alle vier Serien-Zustände aus dem Container gerollt: Icon, Classic, Full Throttle und Urban Enduro.

Die Modelle unterscheiden sich eigentlich nur an wenigen Anbauteilen wie Schutzbleche, Sitzbankbezug, Lenker, Felgen oder Schalldämpfer voneinander. Trotzdem wirken sie wie verschiedenene Fahrzeuge. Motor, Rahmen, Fahrwerk und so weiter bleiben unverändert. Zusammen mit vielen Teilen aus dem Zubehörkatalog kann der Besitzer sein Fahrzeug weiter individualisieren. Dass die Scrambler dann nicht aussieht wie ein langweiliges Moped mit drangekauftem Zubehör ist ein Verdienst des hervorragenden Designs. Wo immer man hinschaut, was immer man anfasst, alles wirkt hochwertig, praktisch und gut verarbeitet. Praktisch ist ein gutes Stichwort, gelang es Ducati doch in letzter Zeit, dies in Details ab und an aus dem Auge zu verlieren. Beispielsweise bei den Soziusrasten der Monster, die so blöd platziert sind, dass der Fahrer keinen Platz für seine Füße auf den eigenen Rasten hat. Da wundert fast dass man keine Gepäckhaken an der Scramler findet um die Strandmatte am Motorrad unterzubringen.

Bei der ersten Sitzprobe (Sitzhöhe 790 mm) ist der Kniewinkel ein bisschen spitz. Bei 187 cm Körpergröße wären ein oder zwei Zentimeter mehr Sitzhöhe schön. Die Sitzbank ist vorne relativ schmal, so dass auch kürzer gebaute Menschen locker mit beiden Füßen auf den Boden kommen. Ducati bietet gegen Aufpreis eine niedrigere Sitzbank, um den Hintern weitere 2 cm tiefer zu legen. Unter der Sitzbank gibt es einen USB-Anschluss und ein Fach mit Kabeldurchführung, damit man während der Fahrt das Handy aufladen kann. Der hohe Lenker ermöglicht bei Bedarf ein Enduro-mäßiges Fahren im Stehen, der Autor zieht jedoch den flachen Lenker vor, der nur an der Full Throttle verbaut ist. Geschmackssache.

Ducati Scrambler Icon 06

Nach so viel gucken, sitzen und anfassen wollen wir endlich losfahren. Der nächste Morgen, es regnet. In dieser Gegend zum ersten Mal seit mindestens 3 Jahren. Lifestyle-mäßig alle mit standesgemäßer Bekleidung. Jetzt sind wir hier alle Fashion-Victims mit ohne GoreTex oder Regenkombi, dafür mit Jeans und Lederjacke im Nassen. Also genug Zeit einen Blick in die Presseunterlagen zu werfen und das Zahlenmaterial zu strapazieren. 186 Kilo fahrfertig wiegt die Scrambler, zwischen dem 110/80 R18 Vorderrad und dem 180/55 R17 Hinterrad liegen 1445mm, an beiden Enden stehen 150 mm Federweg zur Verfügung. Der 803 Kubik große 2-Ventiler stammt aus der Monster 796, wurde jedoch für seinen neuen Einsatzweck angepasst, so dass jetzt mehr Drehmoment bei niedrigeren Drehzahlen zur Verfügung stehen soll. Fahrbarkeit sei wichtig. Es regnet Regen immer noch. Zahlen sind geduldig, Testfahrer nicht. Also nochmal einen Preis-Check machen: 8.390 Euro kostet die Scrambler in der Icon Version. Halt, hier steht sie nur in Gelb und dann ist sie 100 Euro teurer als die ebenfalls erhältliche rote. Die anderen Versionen kosten 9.790 Euro.

Ducati Scrambler Icon 07

Endlich geht es los, der Regen ist vorbei, es nieselt nur noch. Die USA sind das Land der Tempolimits, also geht es mit gemäßigtem Tempo über die nassen und rutschigen Straßen. Das Fahrwerk ist straff ohne dabei zu hart zu sein, Straßenaufbrüche und Gullideckel werden jedoch spürbar an den Fahrer weiter gemeldet. Bei einem kurzen Stopp stellt der Autor fest, dass die exklusiv für den Scrambler hergestellten Pirelli MT60 RS besser mit dem rutschigen Asphalt klar kommen als seine Stiefel. Beruhigend, denn der Regen wird wieder stärker. Wetterschutz kann man von der Scrambler natürlich nicht erwarten, nass werden dagegen schon. Die schicken kurzen Schutzbleche haben bei diesem Wetter ihre Nachteile.

Ducati Scrambler Icon 03

Der Trip wird durch eine kurze Schotterstrecke abseits des Weges unterbrochen, wer mag, darf spielen. Nein, die Scrambler ist keine Hard-Enduro für wildes Gelände aber er ist ein schönes Schotterspielzeug mit abschaltbarem ABS. Die Straßen trocknet ab, das Tempo wird zügiger. Je schneller es wird umso besser filtert die am Vormittag noch störende Härte die Fehler der Straßenbauer weg. Stabilität ist kein Thema, die Retro-Duc hält immer sauber die Spur. Da in Kalifornien Lanesplitting (also das durchschlängeln im Stau) legal ist, testen wir auch noch die Handlichkeit im städtischen Verkehr. Für ganz enges Wenden ist der Lenkeinschlag zu knapp. Wenn es jedoch rollt, dann verleiht der breite Lenker der Scrambler die Wuseligkeit die es braucht um schnell an den vierrädrigen Hindernissen vorbei zu kommen.

Ducati Scrambler Icon 04

Der Motor lässt sich gut im großen Gang fahren, selbst bei Tempo um 50 km/h läuft alles rund und wenn es schneller gehen soll, kann der Gasgriff bedenkenlos aufgerissen werden ohne dass sich der Motor verschluckt. Bei der Hypermotard war das ganz anders, der Motor hackte im Drehzahlkeller wie ein Baumfäller auf Speed auf die Kette ein und verschluckte sich wenn die Drosselklappe zu schnell geöffnet wurde. Hier macht es mehr Spaß durch die Straff rastenden Gänge zu steppen und den Zweizylinder drehen zu lassen. Der V2 hängt sauber am Gas ohne dabei giftig zu sein. Laut wird es dank des Auspuffs dabei nicht. Die Scrambler schlägt nicht sinnlos Krach allerdings ist der Sound ein wenig zu beliebig. Gerne könnte er etwas mehr Bass haben. Vielleicht kann das die „Full Throttle“ besser, welche mit einem anderen Schalldämpfer kommt.