Victory Vegas Jackpot

Victory Vegas Jackpot


Astreines Showbike

Das Objekt unserer Testbegierde ist diesmal die Victory Vegas Jackpot. Schon im Stand ein geiles Teil. Fette Lackierung, fettes Hinterrad, fetter Motor. Momentmal: Victory? Noch nie gehört? Seit 2009 ist Victory als neue Motorradmarke auf dem deutschen Markt vertreten.

Victory Motorcycles ist eine Marke der Firma Polaris. Diese stellt vor allem Schneemobile und ATVs her. 1998 hat man jedoch damit begonnen auch Motorräder herzustellen. Ganz nach amerikanischer Tradition beschränkte man die Modellpalette auf großvolumige Chopper/Cruiser mit V2-Motoren. Kommt einem irgendwie bekannt vor? Richtig, macht Harley ja genauso, und hat Indian auch so gemacht. Und 2009 kommt man dann einigen dieser Modelle auch nach Deutschland. Zum Glück, sonst wäre uns die Vegas Jackpot ja entgangen.

Wie oben schon erwähnt. Die Victory Vegas Jackpot zieht alle Blicke auf sich. Die Grundfarbe Gold ist an sich schon auffällig genug, aber die Vegas ist zusätzlich noch auf allen Flächen mit Tribals verziert. Als wäre dies noch nicht genug, präsentiert uns die Jackpot noch einen der ausladensten Hintern auf dem Mopedmarkt. La Lopez kann da einpacken. Natürlich ziert den mächtigen Fender auch ein Arschgeweih. Darunter dreht sich eine 250er Walze. Insgesamt wirkt die Vegas Jackpot so flach, als würde das ganze Moped auf dem Boden aufliegen und der Seitenständer die Jackpot nur am umfallen hindern. Wo immer man mit der Victory auftaucht, die Aufmerksamkeit ist einem immer sicher.

Kommen wir zu den nüchternen Fakten. Angetrieben wird die Victory Vegas Jackpot von einem 1.731 ccm großen luftgekühlten V2, der in allem Victorymodellen verbaut wird. Das Motörchen liefert 89 PS und 140 NM Drehmoment ab. Die Kraft wird über ein 6-Gang-Getriebe übertragen, wobei der 6. Gang als Overdrive ausgelegt ist. Ans Hinterrad gelangt das Ganze dann per Zahnriemen. Kommt einem irgendwie alles bekannt vor. Gerade im Zusammenhang mit Motorrädern aus USA. Egal, bei den Leistungsdaten braucht sich Victory nicht vor der Konkurrenz aus Milwaukee zu verstecken. Doch zurück zur Vegas Jackpot. Gebremst wird vorne wir hinten über eine jeweils 300mm große Scheibe. Vorne wird die allerdings von 4 Kolben in die Zange genommen, hinten sind es derer 2. ABS gibt es keines, leider. Vorne dreht sich ein 90er 21-Zoll Rad, hinten besagte 250er Walze auf einer 18 Zollfelge. Das Zündschloß liegt auf der linken Seite zwischen den Zylindern. Ansonsten geht es auf der Vegas Jackpot glücklicherweise konventionell zu. Schalter, Bedienelemente und Instrumente sind genau dort wo man sie erwartet und tun auch genau das was sie sollen. Insgesamt enttäuscht die Ausstattung etwas, hier hätte man hinter der auffälligen Fassade vielleicht etwas mehr erwartet. Wie bei dieser Motorradgattung nicht anders zu erwarten, ist auch die Victory Vegas Jackpot kein Leichtgewicht: 296 kg Trockengewicht gibt Victory an. Knapp 61 Euro will Victory für jedes Kilo haben, also insgesamt 17.990 Euro.

Victory Vegas Jackpot 03

Rauf auf die Vegas, eigentlich eher runter. Man sitzt wirklich sehr tief auf der Jackpot. Exakt 653 mm laut Victory. Die Sitzbank geht wunderschön in den Tank über. Der Lenker kommt einem weit entgegen, die Fußrasten natürlich nicht. Die liegen schön weit vorne. Insgesamt ergibt sich auf der Victory Vegas Jackpot die typisch lässige Sitzposition für einen ordentlichen Chopper. Lenker und Schalter liegen gut in der Hand. Der Hintern ruht in einer bequemen aber durchaus straff gepolsterten tiefen Sitzmulde. Den Beifahrerplatz kann man getrost vergessen, er ist vorhanden aber nicht wirklich nutzbar. Links an den Motor langen, Zündung an und den Motor starten. Der Anlasser scheint echte Schwerarbeit leisten zu müssen, der Ton ist mitleiderregend. Aber er schafft es immer. Der große V2 nimmt fast vibrationsfrei seine Arbeit auf. Dabei entlässt er einen angenehm dumpfen Sound aus seiner 2in2 Anlage. Nichts was einem Hühnerfell auf die Haut treibt, aber durchaus in Ordnung. Der nächste Schritt führt zu einer bleibenden weil ständig wiederkehrenden Erfahrung. Wir legen den Gang ein. Wie beschreibt man diesen Vorgang am besten. Die Victory Vegas Jackpot hat (positiv gesagt) ein männliches Getriebe. Gangwechsel verlangen immer kraftmäßig nach ordentlich Nachdruck. Das Getriebe ist nicht wirklich hakelig, auch nicht übermäßig laut. Es lässt sich schlicht und ergreifend schwer schalten. Diese Eigenart verfolgte uns über den ganzen Test, bleibt abzuwarten ob auch andere Modelle bei der Schaltarbeit nach soviel Kraft verlangen. Kommen wir aber zur Sahneseite der Vegas Jackpot: der Motor. Hier gibt es nix, aber auch wirklich garnix zu meckern. Kraftentfaltung, Durchzug, Laufruhe, alles vom allerfeinsten. Der V2 hat Kraft in allen Lagen. Jede Bewegung des Gasgriffes wird in brutalen Schub umgesetzt, egal welcher Gang eingelegt ist. Kleine Einschränkung: der Overdrive. Was Victory hier aus einem luftgekühlten V2 zaubert, darf ohne weiteres als neue Referenz gewertet werden.

Victory Vegas Jackpot 15

Wie fährt sich denn die Fuhre. Erstmal wirklich unhandlich. Der breite Schlappen fordert hier gnadenlos sein Tribut. Die Vegas Jackpot will in und um die Kurve gezwungen werden. Zusätzlich will sie auch noch immer größere Bögen fahren als der Fahrer. Aber nach kurzer Eingewöhnung ändert sich das Bild. Man stellt sich auf die Jackpot ein, lernt mit ihr umzugehenen, gewinnt Vertrauen. Und plötzlich lässt sich mit der Victory richtig heftig um die Ecken fegen. Natürlich muß man die Vegas Jackpot auch weiterhin mächtig in die Kurve reindrücken, aber man merkt mehr und mehr wieviel da geht. Und zwar erstaunlich viel. Dies liegt auch an dem straffen Fahrwerk, welches die Fuhre weitgehend zuverlässig auf Kurs hält. Zumindest solange der Untergrund nicht allzu uneben ist. Dann überträgt die Walze schon Unruhe ins Gebälk. Die Bodenfreiheit ist erfreulich hoch, aber nicht grenzenlos. Rechts herum raspelt die Fußraste dann fast gleichzeitig mit dem Auspuff über den Asphalt. Alles in allem lässt sich mit der Victory Vegas Jackpott richtig Flott um die Ecken fegen. Traut man der Jackpot mit ihrem dicken Hintern garnicht zu, ist aber so. Schnell stellt sich eine ganz und gar chopperuntypische Gangart ein. Die Vegas führt den Fahrer mit ihrem straffen Fahrwerk und dem kraftvollen Motor zu zügiger Kurvenhatz. Dabei ist sie natürlich kein Supersportlerschreck, aber die Chopperkollegen werden vor allem das Dicke Hinterteil davonfahren sehen.

Victory Vegas Jackpot 06

Aber wo viel Licht ist, gibt es auch Schatten. Das „männliche“ Getriebe wurde ja bereits erwähnt. Das die Vegas Jackpot in die Kurve gewuchtet werden möchte ebenfalls. Eines mag die Victory aber ganz und garnicht: im 2. Gang langsam durch die Stadt fahren. Da muckt sie mit heftigen Lastwechseln, benimmt sich richtig bockig. Irgendwie passt der Anschluß vom 1. zum 2. Gang nicht richtig. Der 1. dreht zu hoch, der 2. führt zum gerade geschilderten Rodeoverhalten. Sehr schade, hier sprechen wir vom Geschwindigkeitsbereich zwischen 30 und 45 km/h. Also letztendlich immer in geschlossenen Ortschaften. Da hilft nur viel Arbeit mit Kupplung und Gas um die Sache einigermaßen erträglich zu halten. Gleiches gilt auch bei engen Serpentinen, hier hat man mit dem gleichen Phänomen zu kämpfen.