Moto Guzzi California 1400 Custom - Fahrbericht

Moto Guzzi California 1400 Custom - Fahrbericht


Italian Westcoast

Die California 1400 Custom ist namenstechnisch ein echter Blender. Denn sie hat im Grunde weder mit Kalifornien noch mit Customizing tatsächlich was am Hut. Es sei denn das Weglassen von Koffern und Windschild fällt neuerdings unter diesen Begriff. Egal – Namen sind Schall und Rauch. Die Cali hat jedenfalls einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Das Schwestermodell California 1400 Touring hat uns ja schon begeistert und im Vergleich sowohl die Road King als auch die Chief Vintage hinter sich gelassen. Jetzt also die „schlanke“ Variante. Wobei das mal wieder relativ ist, denn bei 318 Kilo geht einem der Begriff schwer von den Lippen. Da hilft es auch nix dass die tourige Schwester nochmal 19 Kilo mehr hat. Aber eine Ballerina hat ja letztendlich auch niemand erwartet. Sehen wir es positiv, man erhält eine Menge Motorrad für sein Geld, 17.990 Euro muss man für die Guzzi kalkulieren. 

Die Unterschiede zur Schwester sind schnell ausgemacht. Das große Windschild ist ebenso verschwunden wie Zusatzscheinwerfer. Die Sitzbank ist kürzer, im Grunde genommen ist der Beifahrerplatz gekappt und Koffer hat es ebenfalls keine. Der Lenker ist schmaler und kommt dem Fahrer nicht so weit entgegen. Der Rest ist annähernd gleich. Durch den kleineren Lenker ergibt sich dennoch eine andere Sitzposition. Der Fahrer muss den Körper leicht nach vorne beugen, was eine lässige Sitzposition im Stile einer V-Rod ergibt, allerdings weniger extrem und bequemer. Instrumente und Bedienung sind italienisch – wunderschön aber durchaus mit notwendigem Blick in die Bedienungsanleitung. Die Fahrmodi wechselt man beispielweise per Starterknopf. Ohne Unterstützung durch das Handbuch oder einen Wissenden kommt da kein Mensch drauf.

Moto Guzzi California 1400 Custom 11

Antrieb Moto Guzzi California 1400 Custom

Gleichbau auch beim Motor. 1.380 Kubik reichen für lockere 96 PS bei 6.500 Umdrehungen. Das maximale Drehmoment von 120 NM liegt bei sehr niedrigen 2.750 Umdrehungen an. Im Vergleich zum alten 2-Ventiler geht dem V2 zwar der archaische Charakter ab, dennoch bewahrt er genug Eigenheiten um aus der breiten Masse heraus zu ragen. Noch immer neigt sich die komplette Fuhre im Stand mit jedem Gas-Stoß von einer Seite auf die andere, noch immer massiert der Guzzi-Beat Fahrer und Fahrzeug. Halt deutlich manierlicher als früher, aber genug um die Seele streicheln. Dazu macht der V2 genau dass was man von ihm erwartet. Der drückt ab Standgas und schiebt die Cali an als wäre sie Minimum ein Zentner leichter. Drehzahlen über 3.000 braucht im Grunde keiner, aber die Guzzi kann halt mehr.

Moto Guzzi California 1400 Custom 20

Denn wo den V2 aus den Kolonien die Puste ausgeht, trommelt der Italo-Cruiser locker weiter. Von Drehfreude wollen wir bei 6.000 Umdrehungen nicht unbedingt reden, aber die 1400 Custom fühlt sich hier genauso wohl wie im Keller und schiebt auch oben raus mächtig an. Mit Schub und Drehzahl steigt auch der Sound, ein wohliges Ganzes also. Wäre noch besser wenn die Endtöpfe nicht gefühlte 3 Meter hinter dem Fahrer enden, zusätzlich sähen kürzere auch deutlich besser aus. Das Getriebe lässt sich über die Schaltwippe gut bedienen. Fußrasten mit herkömmlicher Schaltung würden allerdings besser zur Custom passen.

Fahreindruck California 1400 Custom

Trotz aller Gleichteile, jetzt ist es mit den Gemeinsamkeiten der Geschwister vorbei. Die Sitzposition auf der Custom ist etwas fahraktiver, man hat zumindest ein Hauch von Ahnung was am Vorderrad passiert. Dazu lässt sie sich einfacher in Schräglage bringen und braucht bei Wechselkurven weniger Kraftaufwand. Klingt jetzt sportlicher als es ist und ringt jedem Heizer nur ein müdes Lächeln ab. Allerdings schnupft die California 1400 Custom alles was sich Chopper oder Cruiser nennt locker auf. Einen wesentlichen Anteil daran hat der leckere V2. Wie potent der tatsächlich ist, zeigt der Blick auf die Traktionskontrolle. Die hat im Modus Veloce (Sport) einiges zu tun und die Kontrollleuchte ist öfter im Einsatz als man denkt.

Moto Guzzi California 1400 Custom 08

Der Fahrer bekommt davon recht wenig mit, was für das System spricht. Zur flotten Performance des Motors passt das Fahrwerk. Recht komfortabel mit ausreichend Dämpfung ermöglicht es zügige Fortbewegung. Dazu muss man die Guzzi allerdings flüssig ohne hektische Bremsmanöver bewegen. Also vor der Kurve Gas weg und dann mit etwas Zug durch die Biegung. Die Bodenfreiheit ist erstaunlich hoch, wenn die Trittbretter Kontakt zur Straße aufnehmen, sollte man es aber langsam gut sein lassen. Im Grunde macht es ohnehin mehr Spaß mit der Cali durch die Gegen zu gleiten. Ent- statt Beschleunigung ist das passende Programm.

Fahrerausstattung: Helm HJC RHPA ST, Jacke Held Madison, Hose Büse Jeans Kevlar