Kawasaki Vulcan S - Fahrbericht

Kawasaki Vulcan S - Fahrbericht


Einsteiger-Vulkan

Kawasaki präsentiert mit der Vulcan S ein weiteres Mitglied der erfolgreichen ER-6-Familie. Der Neuling trägt cruiserhafte Züge und setzt damit im Grunde eine etwas vergessene Tradition fort. Waren doch Z 440 Ltd oder LTD 450 recht erfolgreiche und beliebte Ahnen. Jetzt also Vulcan S – Softchopper ade!

Die Idee ist im Grunde einfach. Wem die ER-6n zu groß ist, bietet Kawasaki jetzt die Vulcan S an. Gerne an Einsteiger, noch lieber an Frauen. Also optimalerweise an einsteigende Frauen? Egal. Denn in diesem Fall gilt weniger ist mehr. Also weniger Sitzhöhe gleich mehr Sicherheit und Wohlfühlfaktor im Stand. Ist ja durchaus positiv wenn man mit beiden Beinen auf der Erde steht. Konkret in Zahlen: wem 705 mm Sitzhöhe zu hoch ist, der soll sich halt ein Skateboard mit Sitz, Motor und Lenker ausstatten. Doch die Vulcan S buhlt nicht nur um die Gunst der Kleinwüchsigen. Sie ist ein wahrer Tausendsassa was die Verstellbarkeit betrifft. Kawasaki bietet gleich mehrere Varianten an. So lassen sich die Fußrasten in 3 unterschiedlichen Positionen (Standard jeweils 25 mm weiter vorne oder zurück) montieren, es gibt unterschiedlich gestaltete Sitzbänke die den Fahrer mal mehr nach vorne oder nach hinten setzen und dazu noch ein optionaler Lenker der dem Fahrer 44 mm mehr entgegen kommt.

Kawasaki Vulcan S 08

Die erzielbaren Unterschiede sind tatsächlich gewaltig. Die „gestreckte“ Variante taugt locker für Sitzriesen ohne dass es zwickt, die „gekürzte“ Variante passt sogar sehr kleinen Fahrern. Die Standardversion der Vulcan S deckt jedoch bereits ein breites Größenspektrum ab. Fader Beigeschmack: jede Abweichung vom Standard ist aufpreispflichtig und die Preise stehen aktuell noch nicht fest. Apropos Preise: 7.295 Euro ruft Kawasaki für die Vulcan S aus. Damit liegt sie unter der Harley-Davidson Street 750 (7.925 Euro ohne ABS) und der Honda CTX700N (8.090 Euro). Wie üblich lässt sich der Preis mit allerlei Zubehör auch nach oben schrauben. Von Satteltaschen über Ganganzeige bis zum abnehmbaren Windschild rüstet der freundliche Kawasaki-Händler die Vulcan S gerne auf.

Motor der Kawasaki Vulcan S ist ein alter Bekannter

Freilich, denn es handelt sich um den Reihentwin der ER-6n. Wie üblich ist dieser für den neuen Einsatz überarbeitet und angepasst worden. Mehr Power bei niedrigen Drehzahlen statt Spitzenleistung stand im Lastenheft. So leistet der 649 Kubik große Twin in der Vulcan S 61 PS bei 7.500 Umdrehungen (ER-6n: 72 bei 8.500) und hat 63 NM bei 6.600 Umdrehungen (statt 64 NM bei 7.000). Die gute Nachricht: ein Leistungsmanko gegenüber dem Schwestermodell ist uns nicht aufgefallen. Im Gegenteil, die kleine Vulcan steht gut im Futter und schiebt sehr ordentlich an. Hier hätten wir tatsächlich aufgrund der Leistungskappung und immerhin 26 Kilo Mehrgewicht einen zurückhaltenden Antritt erwartet. Aber so wird man doch gerne mal enttäuscht. Der Hauptaugenmerk der Überarbeitung galt ja der noch besseren Performance bei niedrigen Drehzahlen.

Dies ist nicht wirklich gelungen. Unter der 2.000er Marke nimmt der Zweizylinder nur unwillig die Arbeit auf. Wer meint im 3. Gang durch enge Kreisverkehre gleiten zu können, lernt schnell den Unterschied zwischen Gleiten und Bocken. Das tut den vorhandenen Qualitäten des Antriebs allerdings keinen Abbruch. Denn überhalb der Kellermarke geht der Antrieb tatsächlich heftig zur Sache und animiert zu sehr schaltfaulem Fahren. So gleitet man tatsächlich im 4. Gang durch die Stadt und schaltet auch nach dem Ortsschild schnell durch die 6 Gänge. Alles in allem im Grunde wie bei der ER-6 auch. Und das ist gut so.

Vulcan S: sanfter Gleiter statt sportlicher Raser

Die Sitzposition passt, auch wenn die Vulcan S nicht wirklich aussieht wie ein Cruiser, man sitzt dennoch wie auf einem. Die Füße deutlich nach vorne gestreckt, der Hintern findet guten Halt in der Sitzbank und der Lenker kommt einem ordentlich entgegen. Die Instrumente liegen gut im Blick und erinnern stark an die Modellfamilie. Trotz der Zielgruppe ist die Vulcan ein ausgewachsenes Motorrad. Sie wirkt sogar größer als die nackte Schwester. Kein Wunder, hat sie doch einen 16,5 cm längeren Radstand. Damit fühlt man sich auch mit Eins-Achtzig-Plus recht wohl. Trotzdem die Ergonomie einen an üblicherweise unhandliche und schwerfällige Chopper-Cruiser-Verschnitte erinnert, lässt sich die Vulcan wunderbar einfach und im wahrsten Sinne des Wortes leicht bewegen. Die Antriebqualitäten sind ja hinfällig bekannt, das Fahrwerk hat glücklicherweise die Handling-Gene der Familie übernommen.

Kawasaki Vulcan S 05

Wirklich spielerisch lässt sich die Kawa bewegen, folgt brav jeder Kursvorgabe und  -korrektur. Sehr angenehm, sehr Einsteigerfreundlich und sehr Zielgruppenkonform. So lässt es sich beschwingt und komfortabel durch die Gegend wuseln. Die Bremsleistung reicht allemal, geht es mal härter in die Eisen, sorgt das ABS für Sicherheit. Dabei sollte man es allerdings auch belassen. Denn will man der Vulcan S eine sportliche Seite aufdrängen, kann es ungemütlich werden. Der Motor spielt dabei zwar problemlos mit, das unterdämpfte Fahrwerk und die geringe Schräglagenfreiheit sorgen allerdings für enge Grenzen. Für diesen Einsatz ist die Vulcan ja auch nicht gebaut, dafür kann man getrost zu ER-6n oder f greifen.

Fahrerausstattung: Helm X-Lite X-403 GT, Jacke Vanucci Tempus IV, Hose Held Jeans Fame II, Schuhe Büse B58