Mit der Tiger Explorer auf Schottertour über die Alpen

Mit der Tiger Explorer auf Schottertour über die Alpen


Wenn man sich fühlt wie Hannibal

Wie viel Enduro steckt tatsächlich in der Triumph Tiger Explorer? Wir haben es getestet und die voll bepackte Tiger (ohne XC) über ein paar der ruppigsten Pisten in den Westalpen gescheucht, die man noch legal befahren darf. Die grobe Routenplanung sah vor, vom Genfer See bis ans Mittelmeer so viele Schotterpisten wie möglich unter die Räder zu nehmen.

Zur Vorbereitung haben wir den Reihendreizylinder mit einem stabilen Hepco&Becker Sturzbügel gegen eventuelle Umfaller geschützt und für den passenden Grip auf und abseits geteerter Wege zogen wir einen Satz Metzeler Karoo3 auf die Schlauchlos-Felgen.

In Frankreich, auf dem Col des Aravis, war es dann so weit. Kurz nach dem Pass bogen wir auf den Aravis-Höhenweg ab und verließen endlich die asphaltierte Straße. Der Aravis-Höhenweg ist eine Schotterpiste in gutem Zustand und stellte die mit Gepäck und Anbauteilen fast 300kg schwere Triumph nicht vor die geringste Herausforderung. Auch die Traktionskontrolle und das ABS kamen mit dem losen Untergrund gut zurecht. Trotzdem erhöht sich der Spaßfaktor in den spitzen Schotterkurven maßgeblich, wenn man die elektronischen Helferlein ausschaltet. Etwas nervig dabei: Wie bei allen Modellen, deren Fahrverhalten von einem Computer unterstützt werden, muss man sich leider nach jedem Stopp erneut in das Menü klicken, da ABS und Traktionskontrolle nach abschalten der Zündung aus Sicherheitsgründen wieder aktiviert sind.

Die nächste Offroad-Etappe führte uns zum Fort Redoute Ruinee auf dem Grat Crête du Roc Noir unmittelbar westlich des Col de la Traversette . “Aussichtsreich, nicht randgesichert und teilweise ausgesetzt ist der Anstieg zum Redoute Ruinée” beschreibt der Denzel die Piste. Hier wurde das Gelände schon etwas anspruchsvoller, aber die Tiger wühlte sich weiterhin tapfer und klaglos über Stock und Stein - wenn auch natürlich nicht ganz so schnell und leichtfüßig, wie eine kleine 250ccm-Enduro. Je enger das Geläuf, desto mehr spürt man das Gewicht und den hohen Schwerpunkt der Triumph.

Die Herausforderung des Tages überraschte uns jedoch an ganz unerwarteter Stelle: Ein üppig geschotterter Parkplatz sollte der Tiger die Grenzen aufzeigen. Ob mit oder ohne digitaler Fahrunterstützung, im Schwimmschotter versank das Hinterrad wie ein Stein im Wasser und es gab kein Vorankommen mehr. Zumindest nicht ohne den adrett gepflegten Parkplatz gänzlich zu verwüsten.

Maira-Stura-Kammstraße-02

Die weitere Fahrt führte uns auf den Col de L´Iseran, der uns mit leicht verschneiter Fahrbahn empfing. Hier konnten die mit M+S gekennzeichneten Karoo3-Reifen und die Traktionskontrolle ihre Stärken auf dem rutschigen Asphalt ausspielen. Spurstabiles, sicheres Fahrgefühl in jeder Situation. 

Kurz darauf, am Pass des Col du Mont-Cenis, den schon Hannibal mit seinen Elefanten überquerte, verließen wir erneut die Straße und nahmen den Abstecher zum Fort de la Turra. Der Aufstieg führte über eine schmale, teilweise etwas tückische Piste, auf der die Tiger zum ersten Mal tatsächlich etwas in die Bredouille kam: In einer engen Kehre, die vom Regen stark ausgewaschen und noch etwas matschig war, grub sich der Tiger ratzfatz mit dem Hinterrad in den Schmodder, so dass es weder vor- noch zurück ging. Da nutzte dann auch die geballte Potenz der 137 Pferdestärken nichts mehr und das Motorrad musste mit vereinter Muskelkraft befreit werden.

Als es zum Abschluss des Tages dann noch auf die Asietta Kammstrasse ging, eine der beliebtesten geschotterten Höhenstraßen der Westalpen, erreichte die Triumph in einer ruppigen Kehre plötzlich die maximale Schräglage. Müde Muskeln, zu geringe Geschwindigkeit und ein ungünstig gelegener Stein ließen die Tiger zur Seite fallen, wie ein Tapir beim Streicheln. 

Acht Hände waren nötig um die ungünstig Bergab liegende dicke Britin wieder auf die Beine zu stellen. Erstaunlicher Weise ist trotz des beachtlichen Gewichtes außer ein paar Kratzer am Motorschutz kein weiterer Schaden an der Maschine entstanden.

Asietta Kammstrasse-01

In den nächsten Tagen führte uns die Tour über die wunderschönen Enduropisten des Colle de Sommeiler bis auf knapp 3000 Höhenmeter, durch den berüchtigten Tunnel auf dem Col du Parpaillon und über die steinigen Pisten der Varaita-Maira-Kammstrasse. Der Denzel sagt über diese Kammstraße: “Ein wahrer Leckerbissen, für geübte Endurofahrer. An den Abhängen des Monte Rastcias quert man breite Schuttreißen mit kindskopfgroßen Steinen, dessen exponierter Verlauf herrliche Ausblicke bietet”.

Übersetzt heißt das so viel wie: “Wer mit mittelmäßigen Fahrkünsten und einer ausgewachsenen Höhenangst auf einer voll beladenen, schweren Reiseenduro da drüber muss, ist selber schuld.”

Aber auch hier gebärdete sich das Landstraßen-Schiff recht manierlich und die Schwierigkeit der Strecke lag mehr darin, den Schwindel durch die Tiefblicke an den nicht randgesicherten Abhängen in Zaum zu halten, als den Tiger über die Steine zu steuern. 

Als letztes Offroad-Stück vor dem Mittelmeer wartete zum Abschluss nun noch die berühmte Ligurische Grenzkammstraße auf uns. Abgesehen von den "grandiosen Talblicken", die Menschen mit Höhenangst schon mal ein paar Schweißperlen auf die Stirn treiben können, war die LGKS fast schon langweilig zu fahren, da die Italiener diese alte Militärstraße im letzten Jahr doch tatsächlich wieder komplett instand gesetzt haben. 

Kurz nach dieser glattgebügelten Schotterautobahn, sorgte dann noch ein Nagel im Hinterreifen für etwas Unbehagen. Glücklicherweise entwich die Luft aber nur langsam, so dass wir es problemlos zur nächsten Werkstatt schafften, wo das Leck in wenigen Minuten wieder repariert wurde. 

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