Suzuki GSX-S1000 – Fahrbericht

Suzuki GSX-S1000 – Fahrbericht


Sportliche Nackte mit dicken Muskeln

Es gab Zeiten da hat Suzuki mit nackten Reihenvierern Trends gesetzt. Die Bandit-Reihe hat es mit einfachen Mitteln zum Kultobjekt gebracht. Die GSX-S1000 tritt allerdings nicht das Erbe der Bandit an, sondern eröffnet der Marke im Grunde wieder ein neues Segment. Kein Naked-Allrounder, sondern ein knackig-sportlicher Roadster haben die Japaner auf die Straße gestellt. Und was für einen!

Wieso neues Segment? Nun, die Bandit ist zwar Kult, aber im Grunde seit einer gefühlten Ewigkeit unverändert im Programm. Und knackig ist für diesen Eisenhaufen nicht wirklich das richtige Attribut. Die B-King war ebenfalls ein klasse Motorrad, ist aber halt eher ein Power-Moppel. Das letzte sportliche Naked Bike war tatsächlich die SV 1000 N. Die ist aber auch schon länger Geschichte. Jetzt also die GSX-S1000. Die Kollegen aus Japan schielten tatsächlich Richtung BMW S1000R und KTM 1290 Super Duke. Klingt verwegen, aber wenn wir uns näher mit dem Motor beschäftigen, erklärt sich wieso. Doch zu beiden Europäern ist sowohl in Sachen Technik und – glücklicherweise – in Sachen Preis ein deutlicher Abstand. Die wahren Gegner sind Z1000, CB1000R und Speed Triple. Soviel sei verraten, die müssen sich warm anziehen. Denn Suzuki bringt die GSX-S1000 zwar spät, hat aber die Hausaufgaben verdammt gut erledigt.

Suzuki GSX-S 1000: knackig, leicht und gut ausgestattet

Lassen wir uns von den üblichen Marketing-Botschaften und Modellhuldigungen des Herstellers nicht beeindrucken und reduzieren die Aussagen mal auf das Wesentliche. Ziel war es einen sportlichen Roadster mit wenig Gewicht, leichtem Handling, knackigem Fahrwerk und bequemer Sitzposition auf die Straße zu stellen. Wer also auf Koffer, Topcase und Soziustauglichkeit steht, entspricht nicht wirklich der Zielgruppe. Das gilt sowohl für die nackte GSX-S1000 als auch für die verkleidete F-Variante. Und das ist auch gut so. Man versucht erst keinen Spagat. Die Suzi ist ein flotter Straßenfeger für den Solisten, fertig. Besagter Solist ist allerdings sehr gut untergebracht, Befürchtungen ob der sportlichen Gene können wir sofort zerstreuen. Die Sitzposition ist sehr entspannt, der konifizierte Lenker sieht nicht nur gut aus, er liegt richtig gut in der Hand. Der Kniewinkel passt ebenfalls, nach einer 320 km langen Tour stieg der Tester entspannt ab. Die Sitzbank ist sehr bequem, man ist gut in das Motorrad integriert. Dabei ist man nicht in das Motorrad einbetoniert, sondern hat bei Bedarf viel Bewegungsfreiheit.

Die Ausstattung kann sich sehen lassen. 3-stufige Traktionskontrolle, Bosch-ABS, Bordcomputer, Ganganzeige – im Grunde fehlt nichts. Dazu finden sich edle Teile. Die Schwinge der GSX-R 1000, ein gut aussehender, kurzer Serienauspuff und insgesamt ein sehr gutes Finish. Das war bei Suzuki nicht immer so und zeigt wie bewusst man bei der GSX-S1000 an die Sache heran gegangen ist. Dennoch hält Suzuki preislich einen deutlichen Abstand zur Konkurrenz. Bis zum 28. April 2015 gilt das Einführungsangebot für 11.490 Euro. Obendrauf packt Suzuki noch einen Yoshimura-Auspuff und rot lackierte Bremssättel am Vorderrad. Nach der Aktion kommt die 1000er dann ohne die Edel-Tüte für 12.190 Euro. Wer sich beeilt, kann bis April ein echtes Schnäppchen machen. Entscheidend ist das Bestelldatum.

Motor GSX-S 1000: alter Bekannter mit ordentlich Sportgenen

Das Triebwerk basiert auf dem Antrieb der sehr beliebten GSX-R 1000 der K7-Baureihe. Aufgrund aktueller Geräusch- und Emissionsvorschriften waren natürlich einige Anpassung nötig. Das neue Einsatzgebiet forderte denn auch mehr Kraft bei niedrigen und mittleren Drehzahlen zu Lasten der Spitzenleistung. Das Datenblatt spricht dann auch von 145 Pferdestärken bei 10.000 Umdrehung und 106 NM bei 9.500 aus 999 Kubik. Das Bauchgefühl spricht von mehr. Denn der sportliche Charakter bleibt glücklicherweise erhalten und fühlt sich nach spürbar mehr Leistung an. Bereits ab Standgas nimmt der Reihenvierer ohne Mucken Gas an und tritt sehr ordentlich an. Bei 6.500 Umdrehungen zündet die GSX dann den Nachbrenner und spurtet los wie von einer ganzen Herde Taranteln gestochen. Wem dies nicht für die Gänsehaut reicht, stellt spätestens das Ansauggeräusch die Härchen auf hab Acht! Auf Nachfrage erklärte uns Suzuki dann die Leistungsangabe mit 145 PS sei auf Wunsch der Zentrale in Japan seeehr konservativ ausgefallen. Mit 155 PS wäre man noch locker auf der sicheren Seite gewesen und hätte damit den tatsächlichen Abstand zur Konkurrenz besser kommunizieren können. Verstehe einer die Japaner.

Der Reihenvierer ist eine echte Granate und hat doch gute Manieren, Vibrationen sind kein Thema. Eine kleine Schwäche leistet er sich doch. Die Gasannahme ist etwas harsch. Nimmt man das Gas komplett weg und zieht dann wieder auf, geht dies mit einem spürbaren Ruck vonstatten. Der Leistungseinsatz könnte etwas weicher sein. Man kann sich allerdings gut darauf einstellen und bemerkt es dann kaum noch. Das Getriebe funktioniert tadellos, die Gangwechsel funktionieren leicht und ohne Geräuschentwicklung.

Fahreindruck Suzuki GSX-S1000: knackiges Handling trifft auf hervorragendes Fahrwerk

Wie waren nochmal die Vorgaben von Suzuki? Wenig Gewicht und einfaches Handling für den flotten Landstraßeneinsatz. Bei 209 kg vollgetankt ist die GSX-S1000 tatsächlich mehr Sprinterin als Kugelstoßerin. Zum Vergleich: die Z1000 bringt 12 Kilo mehr auf die Waage, die CB1000R derer 13 und die Speed Triple gar 18. Diese Mission ist also geglückt. Und wie fährt sich die Suzi? Wenn die Tester nach eigentlich erfolgter Testfahrt sich nochmal mit breitem Grinsen auf eine weitere Runde mit der GSX begeben, hat Suzuki ziemlich viel richtig gemacht. Die GSX-S1000 ist ein echter Landstraßenfeger. Der Motor bringt Laune ohne Ende. Der Reihenvierer zieht auch im großen Gang um die Ecken, selbst enge Radien gehen ohne Probleme im 3. Gang. Wer es sportlich mag, dreht die Gänge weiter aus und genießt den Schub und die Soundkulisse. Und gerade wenn man der Suzuki die Sporen gibt, zeigt sie was sie kann. Das Handling ist für eine ausgewachsene 1000er geradezu spielerisch. Ob schnelle Schräglagenwechsel, enge Kehren oder wuselige Wechselkurven – die GSX-S meistert alles mit Bravour. Eine S1000R mag präziser einlenken, die Suzi ist im Gegenzug deutlich handlicher. Die Traktionskontrolle arbeitet dabei ausgezeichnet. Mit Stufe 2 ist man im Alltag auf trockenen Strecken gut unterwegs. Im Regelfall nimmt der Fahrer diesen fast ausschließlich über die Kontrollleuchte wahr. Stufe 1 ist da sportlicher ausgelegt und lässt sowohl einen gewissen Spin als auch leichte Wheelies zu. Wer gerne das Vorderrad schont, kann die Traktionskontrolle auch abschalten.

Je länger wir mit der GSX-S1000 unterwegs sind, umso sportlicher wird die Gangart. Beim Fahrwerk die Gabel ist voll einstellbar, das Heck in Federvorspannung und Zugstufendämpfung. Schon die Serieneinstellung ist wunderbar ausgewogen. Trotz sportlicher Fortbewegung liegt die Suzuki stabil und ist gut gedämpft ohne bei Bodenwellen den Fahrer aus dem Sattel zu bocken. Die Schräglagenfreiheit ist sehr hoch. Die Bremsen sind bei Suzuki ja gerne mal etwas stumpf. Bei der GSX-S ist das Ansprechverhalten zwar in Ordnung, könnte aber gerne noch etwas zupackender sein. Eine sportliche Einfinger-Bremse ist sie nicht.

Nach 320 Kilometer Tagestour mit unendlich vielen Kurven und Sporttempo steigt man am Abend entspannt vom Moped. Nichts zwickt, keine Gelenke knacken – man ist einfach nur am Grinsen. Well done Suzuki!

Fahrerausstattung: Helm X-Lite X-702 GT, Jacke IXS Murray, Hose IXS Hamilton