Kawasaki Ninja 250 R

Kawasaki Ninja 250 R


Rev’ it up

Mailand, Barcelona, was Lacostet die Welt, Geld spielt keine Rolex. Wir sind die EU-Metrosexuellen. Posh-Spice und Becks geben vor, was angesagt ist. Immer schneller, größer, teurer muss es sein. Muss es das wirklich? Kawasaki geht zurück auf Start und will die Einsteigerfraktion mit einem 250er Eisen zum moderaten Preis von knapp über 4.000 Euro beglücken. Doch trifft die kleine Ninja wirklich nur die kleinen Einsteiger mit aufgezwungenem 34 PS Führerschein-Limit mitten ins Herz? Oder auch die Großen, die sich oft genug mit übermotorisierten und –gewichtigen Big Bikes durch die Innenstädte quälen und sich dabei nicht selten den Spaß am Motorradfahren selbst verderben.

Statt Frau Welte ins Gefecht zu schicken, die ja wie maßgeschneidert für solch ein Eisen im urbanen Dschungel zu sein scheint, reiß ich mir die Einladung der Kawasaki-Crew ganz heimlich unter den Macho-Daumen-Nagel. Irgendetwas zwingt mich geradezu, mich mal wieder selbst zu erden. Immer nur die 1000er zu reiten, mich selbst ständig mit Leistung nicht unter 100 PS zu segnen, kann ja eventuell den Charakter verderben, süchtig machen nach immer mehr. Vorsicht ist geboten, denn Maßlosigkeit ist immerhin eine Todsünde. Und wie sagte schon Konfusius: Es sind die kleinen Dinge im Leben, die wirklich Freude bereiten. Oder war es eine Schokowerbung? Keine Ahnung, jedenfalls stehen hier giftgrüne Parallel-Zwillinge hinter dem Hotel, die auf den ersten Blick ziemlich nach Rennstrecke aussehen. Um mich herum stehen dazu (un)passend reichlich große Jungs. Offensichtlich bin ich nicht der einzige Selbsterfahrungswillige in den Motorradredaktionen der Welt, der sich nach der Viertelliter-Experience sehnt.

Durchmogeln ist angesagt

In den Siebzigern, bevor die Big-Bikes ihren Siegeszug antraten, versorgte Yamaha eine ganze Heizergeneration mit 250 und 350ern, die in der Stadt und auf dem Land alles in Grund und Boden fuhren. Klar, das waren die so genannten „Zweitaktraketen“. Doch heutzutage kann man auch einem Viertakter ohne Probleme ein fünfstelliges Drehzahllimit entlocken. Die Zweitakter sind ja umwelttechnisch schwerstens „out“. Der Flüssigkeitsgekühlte Zweizylinder-Viertakter mit 4 Ventilen pro Zylinder, den Kawasaki hier verbaut hat, liefert bei 11.000 Umdrehungen 33 PS an die Kurbelwelle. 22 Newtonmeter traktieren den 130er Hinterreifen dagegen schon bei 8.200 Revs, wie der Engländer sagt. Also klar, dass hier keine Powerwheelies aus dem Drehzahlkeller zu erwarten sind. Es geht um schnelles Vorankommen in der Stadt. Deshalb wählten die Kawasaki-Verantwortlichen wohl auch die Zweiradmetropole Barcelona für die Vorstellung der kleinen Ninja. Durchmogeln ist angesagt im dichten, unübersichtlichen Stadtverkehr. Schnelle, wild entschlossene Spurwechsel.

KawasakiNinja250R_10

Keine rennstreckentaugliche Sitzposition. Die Lenkerstummel sind deutlich über der oberen Gabelbrücke angebracht und das Sitzpolster befindet sich auch nicht auf Tankhöhe. Trotzdem finden meine 1,93 Meter Körperlänge einen perfekten Knieschluss am schlanken Tank. Klar, hiermit fährt man nicht im Renneinteiler. Lederjacke, Helm, Handschuh, Motorradjeans und –Stiefel müssen reichen, für den urbanen Raubzug. Den Sprint von Ampel zu Ampel. Den Weg zur Arbeit und den Abstecher zur Sparkasse in der Mittagspause. Abends wird die Freundin dann ins Kino oder zur Eisdiele gekarrt. Zwischendurch macht man mit den Kumpelz an exponierter Stelle in der Stadt den Larry. Heizt so lange durch den Kreisverkehr, bis das Knie endlich den Boden erreicht, oder die nicht ganz überzeugende Roadwinner-Bereifung den Grip versagt. Das Spiegelvisier hilft sogar dem 39-dreivierteljährigen, den Schein der Jugendlichkeit an diesem Tag nach außen zu tragen. Für all das ist die Kleine bestens zu gebrauchen. Ein Spaßeisen und zugleich sinvolles Fortbewegungsmittel in der Stadt.

Echter Ninja-Geschmack

Auf kurvigen Landstraßen kannst Du Dich fühlen, wie Alvaro Bautista, indem Du den Drehzahlmesser ständig zwischen 8.000 und 11.000 Umdrehungen durch die sechs perfekt schaltbaren Gänge tanzen lässt. Da schreit das Triebwerk tatsächlich wie eine große Ninja mit der Kettensäge der Landschaftsgärtner um die Wette. Wer hier bremst, verliert. Erst den Schwung und dann den Anschluss. Man muss schon die ideale Linie finden und immer im richtigen Gang unterwegs sein. Hast Du Dich mal vertan, tritt’s Du am besten gleich zwei Gangstufen runter und setzt Vollgas die Hatz fort. Trotzdem ist das Überholen von PKWs auch außerhalb der Stadt locker möglich. Selbst mit 95 Kilo Ballast geht die Ninja 160 auf der analogen Tempo-Uhr. Überhaupt ist hier alles analog gestaltet. Drehzahmesser, Temperaturanzeige, Trip und Gesamtkilometer. Schön einfach und gut ablesbar. Trotz wahrlich zügelloser Betätigung der Doppel-Drosselklappe im Ansaugtrackt, rinnen am Testtag nur sparsame 4 Liter auf 100 Kilometern durch die Einspritzdüsen. Ein Verbrauch, der bei vernünftigem Umgang mit dem Gasgriff sicherlich locker zu unterbieten ist.

KawasakiNinja250R_6

Übertreibt man es gar mit der Heizerei auf der 154 Kilo leichten Ninja, bietet die 290er Einzelscheibenbremse vorne rechts, deren Doppelkolbenzange sich an die gut ansprechende 37er Teleskopgabel klammert, ausreichende Verzögerungsleistungen, die jederzeit auch mit einem Finger abgerufen und dosiert werden können. Übermäßige Überschlag- oder Blockiergefahr besteht, durchaus einsteigerfreundlich, nicht! Womit wir schon beim Fazit wären: Weniger ist mehr! 250 Kubikzentimeter Hubraum reichen in diesem Falle großen sowie kleinen, alten genauso wie jungen und erfahrenen wie auch unerfahrenen Bikern. Damit nicht alle mit der Giftgrünen unterwegs sein müssen, bietet Kawa die Ninja auch in freundlichem Schwarz an. Als Zubehör gibt’s werksseitig eine getönte Scheibe, Miniblinker, Soziusabdeckung und Sturzpads (Mushrooms) für die Sportlichen.

KawasakiNinja250R_3

Text: Pabi  

Weitere Testberichte Kawasaki Supersportler

Kawasaki ZX-9R

Kawasaki ZX-10R

Kawasaki ZX-6R 2009

Weitere Testberichte Supersportler 

Yamaha YZF-R6 2006

BMW S 1000 RR 2009

Triumph Daytona 675 2009

KTM RC8 2009

Suzuki GSX-R 1000 2009