Honda Crossrunner, Triumph Tiger 800 XC und Yamaha MT-09 Tracer

Honda Crossrunner, Triumph Tiger 800 XC und Yamaha MT-09 Tracer


Alleskönner in der Mittelklasse - Vergleich

So ein Alleskönner hat es nicht leicht – muss er es doch allen recht machen. Dem sportlich Ambitionierten ebenso wie dem Fernreise-Geneigten. So ähneln sich die 3 Vergleichskandidaten Crossrunner, Tiger 800 und Tracer auf den ersten Blick doch sehr. Hubraum und Leistung sind ebenso ähnlich wie die aufrechte Fahrerunterbringung. Erst auf den zweiten Blick erkennt man wie unterschiedlich die Konzepte dann doch sind.

Die Honda Crossrunner wird von dem altbekannten 800er-V4 angetrieben, mittlerweile ein echter Exot. Triumph vertraut bei der Tiger 800 XC weiterhin auf den Reihendreier. Einen solchen hat Yamaha ja in der jüngeren Vergangenheit ebenfalls im Programm. Die Yamaha MT-09 Tracer hat nicht nur den Drilling von der nackten Schwester übernommen, sie basiert komplett auf der MT-09. Alle Modelle sind zeitgemäß ausgestattet: ABS und Traktionskontrolle sind ab Werk an Bord. Beim Preis ist es mit den Gemeinsamkeiten schnell vorbei. Honda verlangt für die VFR800X Crossrunner schlappe 12.195 Euro – eine Menge Geld für ein Mittelklasse-Motorrad. Die Triumph Tiger 800 XCX kostet mit 11.790 Euro etwas weniger. Die etwas weniger gut ausgestattete XC ist allerdings für 900 Euro weniger zu haben. Ein echtes Angebot ist die Yamaha MT-09 Tracer: mit 9.595 Euro ist sie mit weitem Abstand die günstigste im Test. Da bleibt noch ein ganzer Batzen Geld für Zubehör oder die Urlaubskasse.

Honda VFR800X Crossrunner – gut nachgebessert

Technisch hat sich im Vergleich zur alten Crossrunner nicht allzu viel getan. Die Modifikationen zielten vor allem auf die Optik und die froschartige Sitzposition. An der Front strahlen nun LED-Doppelscheinwerfer aus einer voluminösen Verkleidung. Die Verarbeitung hat endlich wieder Honda-Niveau, der billige und plastikverschalte Lenker ist ebenso Vergangenheit wie der Blick auf die Verkabelung der Scheinwerfer und Instrumente. Jetzt ist wieder Wohlfühlprogramm angesagt: draufsetzen und wohlfühlen halt. Die digitalen Instrumente lassen sich hervorragend ablesen, auch bei hellem Sonnenlicht. Die Bedienung ist intuitiv und sehr einfach. Die Sitzbank ist beim aktuellen Modell besser gepolstert und spürbar komfortabler. Die Sitzhöhe ist etwas gestiegen, mit 815 mm muss manch einer die Zehen schon strecken. Dafür ist der Kniewinkel sehr angenehm – einer langen Fahrt steht also nichts im Weg.

01 Honda VFR800X Crossrunner

Da hat auch der 782 Kubik große V4 keinen Einwand. Der hat einen eigenständigen Sound, klingt bei niedrigen Drehzahlen schön sonor und posaunt bei höheren Drehzahlen herrlich. Damit ist aber leider schon das bemerkenswerteste über den Antrieb gesagt.  Der funktioniert zwar grundsätzlich prima, bei niedrigen Drehzahlen nimmt er ohne Mucken die Arbeit auf und dreht freudig bis Richtung 5-stellige Drehzahlen. Aber er wirkt im Vergleich zur Konkurrenz einfach zu schlapp. Die 106 Pferde sind eher eine Herde von Trabern als rassige Rennpferde. Das aufwändige V-Tec bringt weder vehementen Antrieb im Drehzahlkeller noch legt es bei der Umschaltung auf 4-Ventilbetrieb entscheidend Kohlen nach. Die Umschaltung erfolgt bei ca. 6.500 U/Min, geht mittlerweile gesittet von statten und ändert im Wesentlichen die Tonart der V4. Will man zügig unterwegs sein, sollte man die Crossrunner in diesen Drehzahlregionen halten.

Im Grunde sehr schade, denn das Fahrwerk verträgt einiges. Muss es aber auch, denn die Crossrunner ist mit 242 Kilo ein echtes Pummelchen. Heftige 32 Kilo schwerer als die MT-09 Tracer.  Spätestens beim Rangieren spürt man davon jedes einzelne Gramm. In Fahrt ist der Unterschied nicht mehr ganz so präsent. Trotz des hohen Gewichts lässt sich die Honda flott und einfach in Schräglage bringen. Über den breiten Lenker folgt sie willig und präzise der eingeschlagenen Linie. Im Handling kommt sie nicht ganz an die Tracer ran, die Tiger 800 XC lenkt etwas präziser ein. Das Fahrwerk tendiert Richtung Komfort, wer es sportlicher mag, kann es entsprechend straffer einstellen. Wenn man die Crossrunner dann aber so richtig fliegen lässt, setzen die Fußrasten recht früh auf und bremsen den Vortrieb aus. Also doch eher was für die Tour, dazu passt die bereits angesprochene entspannte Sitzposition und der gute Wetterschutz der Verkleidung.

Triumph Tiger 800 XCX – Reise- und Sporttalent mit Geländereserven

Die Tiger 800 XCX wurde für die aktuelle Saison grundlegend überarbeitet. Wesentliche Änderung: Ride by Wire und die Traktionskontrolle. Dazu kommt noch einiges an Ausstattung, z.B. Tempomat, verschiedene Fahrmode, ABS mit Off-Road Einstellung und einiges mehr. Gerade deshalb empfiehlt es sich zur XCX zu greifen, dann ist dies alles an Bord. Der Reihendreier hat exakt 799 Kubik und mit 95 PS die geringste Leistung im Vergleich. Im Fahrbetrieb fährt sie sich allerdings spürbar kräftiger als die Crossrunner. Mit der MT-09 Tracer kann die Tiger aber nicht ganz mithalten. Der Antrieb der Triumph ist ungemein elastisch, zieht sauber durch und geht sehr fein ans Gas. Lastwechsel sind kein Thema, hier sticht sie die Yamaha aus. Dazu schont die Tiger den Fahrer vor lästigen Vibrationen, läuft angenehm weich. Alles wie gesagt sehr entspannt und unaufgeregt. Fast schon zu unaufgeregt. Denn es fehlt der Punkt wo die Triumph nochmal Öl ins Feuer gießt und dem Fahrer die Arme lang macht, zu linear ist die Leistungsentfaltung.

02 Triumph Tiger 800 XCX

Auch wenn das letzte Kitzeln fehlt, macht genau diese lineare Leistungsentfaltung die Tiger 800 XCX so berechenbar und sehr einfach beherrschbar. Denn auch bei hohen Drehzahlen setzt die Leistung sanft ein und sorgt damit für Ruhe bei Fahrwerk und Fahrer. Die XCX lässt sich wunderbar einfach und präzise durch kurviges Geläuf dirigieren. Im Handling mag sie mit der Tracer nicht mithalten können, dafür lenkt sie deutlich präziser ein und bietet wunderbares Feedback. Der große 21-Zöller an der Front ist wohl hauptverantwortlich für diese Performance. Traktionsprobleme ob des schmalen Reifens hatten wir keine. Obwohl sich dazu reichlich Gelegenheit bot, denn die Triumph verleitet geradezu sportlicher Gangart. Das Fahrwerk mit den üppigen Federwegen dämpft und federt dabei ziemlich alles weg ohne sich aufzuschaukeln oder bockig zu sein. Sehr gelungen. Die Schräglagenfreiheit ist erfreulich hoch, Sitzposition und Kniewinkel erfreulich entspannt. Damit steht auch der langen Tour nichts im Weg. Wobei der Fahrer mehr auf als in der Maschine untergebracht ist. 

Yamaha MT-09 Tracer – Musterdrilling trifft (endlich) straffes Fahrwerk

DAS Argument für die Tracer hat 847 Kubik und drückt muntere 115 Pferde (und zwar die von der flotten Sorte) auf die Straße. Der Motor hat uns ja bereits bei der MT-09 begeistert und tut dies auch beim Schwestermodell. Antritts- und Durchzugsstark mit unbändiger Drehfreude – je nach Gemütslage liefert der Antrieb wonach dem Fahrer gerade ist. Gemütlich bummeln oder den Hahn spannen und die Sau rauslassen. Die unterschiedlichen Fahrmodi kann man sich getrost sparen, Standard ist das Programm mit der besten Performance. Dann geht der Dreier weitgehend lastwechselfrei ans Gas, wobei er sich auch hier einen kleinen Rucker leistet. Die Modi A und B sind da schon deutlich gewöhnungsbedürftiger. Wenn die Tracer jetzt noch röchelnder Ansaugen würde und etwas rotziger klingen täte – wir wären vollends hin und weg. Sind wir aber so schon genug.

01 Yamaha MT-09 Tracer

Die Tracer wirkt zwar höher und größer als die normale MT-09, die Abmessungen sind aber fast identisch. Sehr zu unserer Freude ist das Fahrwerk in der Tracer deutlich straffer abgestimmt. Damit lässt sich mit der Tracer um die Ecken segeln wo die Nackte aufgrund des schlaffen Fahrwerks schon längst die Segel streicht. Das Handling ist Dank breiter Lenkstange und niedrigem Gewicht spielerisch. Sie lässt sich zwar nicht ganz so präzise Einlenken wie die Tiger, dafür gehen ihr Wechselkurven ungemein leicht und flüssig von der Hand. Das Fahrwerk ist eher sportlich ausgelegt und kommt beim Komfort nicht an die Performance der Triumph ran. Dafür lässt es sich in Verbindung mit dem traumhaften Antrieb einfach emotionaler um die Ecke bolzen. Überhaupt ist der Gewichtsvorteil der Joker der Yamaha. Sie wirkt schon rein optisch deutlich schlanker als die Konkurrenz, lässt sich viel leichter vom Ständer heben und aus der Parklücke bugsieren. Dabei ist sie trotz des günstigen Preises kein Billigheimer. Die Verarbeitung geht in absolut in Ordnung, die Instrumente sind zwar etwas grob gestaltet, aber gut ablesbar. An der Front strahlen LED-Scheinwerfer, im Gegensatz zur Honda bei Abblendlicht nur ein Scheinwerfer.