Suzuki GSX-S1000F - Fahrbericht

Suzuki GSX-S1000F - Fahrbericht


Viel Sport - wenig Tour

Kurz nach der Präsentation die nackten Version der GSX-S war die verkleidete F-Version an der Reihe. Wir hatten die Gelegenheit das brandneue Sportbike auf der Isle of Man über den legendären TT-Track zu treiben und dabei jede Menge Eindrücke mitgenommen. Zum einen natürlich bezüglich der Suzuki, zum anderen wegen der beeindruckenden Location. Wir kommen gerne wieder zurück zur Isle of Man - gerne auch mit der GSX-S1000F.

Eine Insel atmet und lebt Motorradsport: die Isle of Man. Hier werden Legenden geboren, stempeln die TT-Racer sämtliche MotoGP-Fahrer zu braven Bubis ab. Überall und ständig begegnet man der TT. In jeder Kneipe hängen Bilder, jedes Geschäft (egal womit es eigentlich sein Geld verdient) wirbt mit Motorrad, Racing und der langjährigen Tradition. Was die Isle of Man außerhalb der Rennen so ungemein interessant macht, ist die Tatsache der nicht vorhandenen Geschwindigkeitsbegrenzung außerhalb geschlossener Ortschaften. Natürlich gibt es auch hier regulierte Passagen. Sind diese jedoch aufgehoben, darf aus allen Rohren gefeuert werden. Dementsprechend waren wir - völlig legal - mit der Suzuki GSX-S1000F teilweise mit atemberaubenden Geschwindigkeiten unterwegs. Wohl gemerkt ausschließlich auf Landstraßen und inklusive dem üblichen Verkehr mit jeder Menge Lieferwägen, LKW und Bussen. Einer unserer Tourguides: Richard 'Milky' Quayle - TT-Rider, TT-Gewinner und irgendwie auch TT-Geschädigter. Ein immer freundlich lächelnder Manx-Man mit spitzbübischem Gesicht. Heutzutage nimmt er sich der Rookies an, führt die "langsam" an die Strecke und das Rennen heran. Wenn man sich mit Milky unterhält, bekommt man so einen ungefähren Eindruck was es bedeutet dieses Rennen zu fahren. Und welches Risiko die Fahrer tragen. Man muss nur mal "Milky Quayle" bei Youtube eingeben.

Also, nicht der schlechteste Ort ein Sportbike vorzustellen. Denn das soll die GSX-S1000F laut Suzuki sein. Soll sie nicht nur, ist sie auch. Die technische Basis teilt sie sich mit der GSX-S1000 ohne F. Tatsächlich handelt es sich um fast identische Motorräder. Im Falle der F ist eine Vollverkleidung montiert und die Spiegel sind andere. Das war es denn aber auch schon. Intrumente, Lenker, Ergonomie aber auch Radstand, Nachlauf und Lenkkopfwinkel sind komplett gleich. Lediglich an der Gabel hat man die Ölmenge angepasst um dem leichten Mehrgewicht an der Front Rechnung zu tragen. Besagte Verkleidung hat natürlich Einfluss auf das Fahrverhalten. So soll sie bei höheren Geschwindigkeiten für mehr Stabilität und Abtrieb an der Front sorgen. Der Wetterschutz stand nicht unbedingt im Lastenheft. Wir erinnern uns: Sportbike, nicht Sporttourer. Unter Touringaspekten ist lediglich die bequeme Fahrerunterbringung zu erwähnen. Sozius und Gepäck sind nicht der Fall der GSX-S1000F. So teilt diese sich auch die Konkurrenz mit der nackigen Schwester. Die nimmt die Z1000 aufs Korn, die F hat die Z1000SX im Visier. Da sind bei Bedarf zwar Koffer dran, ein Beifahrer hat es aber auch dort eher schwer.

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Fahren wir mit den Familiengemeinsamkeiten fort, denn die Ausstattungslisten teilen sich die beiden Schwestermodelle ebenfalls. Das beginnt bei der 3-stufigen und zusätzlich abschaltbaren Traktionskontrollen über das ABS von Bosch bis hin zu den identischen Instrumenten und Bedienelementen. Grundsätzlich alles was man von einem modernen Motorrad erwartet, ein Technologieträger ist die Suzuki aber nicht. Dafür stimmt dann der Preis: 12.795 Euro kostet die GSX-S1000F, der Aufpreis für die Verkleidung beträgt glatte 600 Euro. Aus unserer Sicht ein angemessener Preis, zumal Materialwahl und Verarbeitung passen. Der Kunde kann zwischen 3 Farben wählen: Blau entsprechend der MotoGP-Fahrzeuge, Schwarz/Rot oder Mattgrau. Auch für die F hat Suzuki einiges an Zubehör im Programm: höhere oder niedrigere Scheibe, roter Lenker, rote Bremssättel, diverse Carbon-Abdeckungen, Kennzeichenträger, andere Fußrasten, Heckabdeckung, Tankpads, Tankrucksack, Yoshimura-Auspuff, LED-Blinker und einiges mehr.

Suzuki GSX-S1000F 13

Motor Suzuki GSX-S1000F: Sprinter mit klangvollem Auftritt

Der Antrieb ist eine weitere Gemeinsamkeit der GSX-S'en. Was für uns ein klarer Pluspunkt ist. Denn der Reihenvierer steht ordentlich im Futter, sehr ordentlich sogar. Er basiert auf dem Antrieb der GSX-R1000 der K5er-Reihe. Den sportlichen Charakter hat er trotz der üblichen Überarbeitungen beibehalten. Bei niedrigen Drehzahlen nimmt er manierlich Gas an und legt sich kräftig ins Zeug. Bei 6.000 Umdrehungen ballert das Triebwerk dann so richtig los. Es gibt Motoren die im Keller mehr drücken, aber dies GSX-S feuert oben so richtig schön raus. Dies ist ganz im Sinne der Entwickler und so nebenbei auch in unserem. Stets präsent: der sehr gelungene Sound. Hier säuselt kein braver Reihenvierer sein Lied vom braven Japaner, hier röchelt, schnauft und schnaubt ein echtes Sportpaket. Gerade beim Beschleunigen tönt es herrlich aus der Airbox, der durchaus gelungene Serientopf hat die asiatische Zurückhaltung ebenfalls daheim gelassen. So ergibt sich ein aus sportlicher Sicht gelungenes Gesamtbild aus Performance, Sound und dem daraus resultierenden Bauchkribbeln. Dazu passt das sehr gut funktionierende 6-Gang-Getriebe. Es schaltet sich so wie man es sich wünscht: präzise und ohne Getöse. Obwohl, wenn wir es uns genau überlegen: zum sportlichen Charakter würde ein Quickshifter sehr gut passen. Geht zwar sehr gut ohne, aber Wünsche darf man ja haben.

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Fahreindruck GSX-S1000F: Stabilität trifft agiles Handling

Wir zitieren nochmal die Pressemappe: geringes Gewicht und flinkes Handling bei komfortabler Sitzposition sind die erklärten Ziele von Suzuki. 214 Kilo sind für ein vollverkleidetes Motorrad tatsächlich nicht viel. Und was das Handling betrifft, ist die GSX-S1000F ähnlich agil wie die nackte Schwester. Trotz Verkleidung und damit ein paar Kilo mehr auf dem Vorderrad ist das Handling für ein Motorrad dieser Leistungsklasse hervorragend. Draufsetzen und losfahren, einfacher kann man es nicht beschreiben. Auf Anhieb fühlt man sich auf der GSX-S pudelwohl. Ähnlich ging es uns bei der BMW R1200RS, allerdings hat die nicht annähernd so viel Druck bei steigender Drehzahl. Dabei ist die Unterbringung des Fahrers betont aufrecht, sportlich orientierte Fahrer wünschen sich sogar eine etwas Vorderrad-orientiertere Unterbringung über einen flacheren Lenker. Doch auch ohne diese lässt sich die Suzuki spielerisch abwinkeln. Einmal in Schräglage zieht sie sehr stabil die eingeschlagene Linie und lässt sich auch durch Wechselkurven nicht aus der Ruhe bringen. So liegen ihr sowohl langgezogene, schnelle Kurven als auch enge Kehren. Bereits das Basis-Setup liefert einen guten Kompromiss zwischen Sport und Komfort. Die Lenkpräzision steigt nochmal wenn man eine sportlichere Einstellung wählt. Die Gabel ist sowohl in Vorspannung als auch Zug- und Druckstufe einstellbar, das Heck in Vorspannung und Druckstufe. Uns hat bei der teilweise sehr flotten Fahrt die fehlende Zugstufe am Heck nicht gefehlt.

Die Verkleidung sorgt bei hohen Geschwindigkeiten tatsächlich für ein Plus an Stabilität, Wetterschutz ist nicht ihre Sache. Auf freier Strecke ging es in den Bergen gerne mal über 200 km/h, da wird die Straße verdammt schmal und jeder Knick gefühlt zur Kehre. Da steigt nicht nur das Adrenalin, sondern auch der Respekt vor den Jungs die hier Geschwindigkeiten von über 300 km/h fahren und dies noch als Ruhephase nutzen. Entsprechend stark bremst man als Nicht-TT-Racer vor jeder noch so minimalen Richtungsänderung der Straße ab. Die GSX-S1000F bleibt dabei unbeeindruckt und zeigt sich im Gegensatz zum Fahrer völlig unaufgeregt. Überhaupt ist der ausgeglichene Charakter eine große Stärke der Suzi. Es lässt sich mit ihr herrlich um die Ecken wetzen ohne dass sie einen dazu animiert. Sie taugt genauso für eine gemütliche Runde oder eine längere Tour. Und daher wird sie sich demnächst auch mit 2 Konkurrenten messen müssen: der Kawasaki Z1000SX und der BMW R1200RS. Ganz ohne Beifahrer und Koffer, aber mit viel Spaß!

Fahrerausstattung: Helm X-Lite X-802R, Lederkombi Held Race Evo