BMW R1200R und Ducati Monster 1200 – Vergleich

BMW R1200R und Ducati Monster 1200 – Vergleich


Zwei mit Zwei

Vor ein paar Jahren wäre einem Vergleich der Monster mit dem nackten Boxer nicht wirklich in Frage gekommen. Aber die neue BMW R1200R macht endgültig Schluss mit dem drögen Image der Vorgänger, will jetzt ein knackiger Roadster sein. Und diese Rolle hat traditionell die Monster gepachtet, dementsprechend auch die Monster 1200. Also, hier ist er: der Vergleich der Zweizylinder-Roadster.

BMW schockt einmal mehr die Markenpuristen. Die waren entsetzt ob der Optik der neuen R1200R. Viel zu modern, austauschbar, könnte auch ein Japaner sein. Eigentlich wie immer. Die Mehrheit sah es anders, vor allem die Fahrer anderer Marken. Wieso? Die Vorgängermodelle des nackten Boxers waren sicher gute Motorräder, hatten allerdings den Charme eines Thermomix-Küchengeräts: wenig Emotionen und noch teuer dazu. Konservativ gestaltet, vernünftig vom Scheinwerfer bis zum Bremslicht. Und dazu klangen die Teile noch bis zur Einführung der Auspuffklappe wie ein Küchengerät. Aber an besagter Klappe haben sich Puristen ja auch schon gestört. Die neue R1200R macht mit diesem Image endgültig Schluss. Ist wirklich knackig und modern, mit kurzem Heck und einiges an Kanten. Aber noch immer als BMW erkennbar, spätestens durch die seitlich herausragenden Zylinder des Boxers. Dennoch bleibt viel Platz für Vernunft, auch diese BMW hat einen hohen Reifegrad erreicht. Zu sehen bei den Instrumenten, der Bedienung, der Navi-Integration und den Gepäcklösungen. So gewinnt man Kunden. Spricht über das Design einen neuen Kundenkreis an und verwöhnt diese mit den markentypischen Qualitäten.

06 BMW R1200R

Das denkt sich auch Ducati. Die hatten schon immer eine treue und begeisterte Kundschaft, für die der V2 als der Charakter-Antrieb galt. Unten nix, ab der Mitte viel Feuer. Laufkultur  bei niedrigen Drehzahlen ist eher eine Nebensächlichkeit. Aber auch Ducati will wachsen. Und so wurde dem V2 im Laufe der Zeit mehr Alltagstauglichkeit anerzogen. Auch hier: nix für Puristen. Aber halt genau richtig für eine breitere Kundenmasse. So ist die aktuelle Monster 1200 voll und ganz alltagstauglich. Kein Vergleich mehr zur luftgekühlten 1100er. Und dank Flüssigkeitskühlung dringt die Monster in neue Leistungsklassen vor und kann jetzt auch potenten Reihenvierern vom Schlage einer Z1000, CB1000R oder auch einer Speed Triple locker Paroli bieten. Ducati geht sogar noch einen Schritt weiter und preist die Monster 1200 als Tourenmotorrad für 2 Personen an. Kann man machen, muss man aber nicht. Sollte man vielleicht auch gar nicht. Die Monster 1200 ist und bleibt ein Fall für den sportlichen Solisten. Erinnert ein wenig an die aktuelle Multistrada 1200. Die will man uns ja ebenfalls als Enduro verkaufen – wir freuen uns auf den ersten Irren der mit voller Touratech-Beplankung von einer Oase zur nächsten hoppelt.

06 Ducati Monster 1200

BMW R1200R – viel Power und ein Spitzenhandling

Ein knackiges Äußeres alleine reicht nicht – Auftritt und Performance sollten ebenfalls passen. Tut es im Fall der BMW auch. Dafür sorgt im ersten Schritt schon der Antrieb. 125 PS und ebenso viele Newtonmeter reichen auf der Landstraße vollkommen aus um mit allem mitzuhalten was sich da so rumtreibt. S1000R oder Super Duke mögen noch mehr Power haben, auf kurvigen Strecken ist das Plus an Leistung so notwendig wie Sand in der Wüste. Das große Plus der R1200R ist der vehemente Antritt aus der Kurve. Ab 2.000 Umdrehungen drückt der Boxer wie ein Ochse. Genau richtig für die Landstraße. Schön auch dass ihm oben raus nicht gleich die Puste ausgeht wie es früher der Fall war. Das nutzbare Drehzahlband ist wesentlich breiter und man muss nicht zwingend hochschalten um vorwärts zu kommen. Stets präsent: der sonore Boxersound, speziell wenn man das Gas aufdreht. Nix Küchengerät, satter Sound ist angesagt.

01 BMW R1200R

Ein Klasse für sich ist der (aufpreispflichtige) Quickshifter. Hoch- und runterschalten ohne Kupplung. Nach oben einfach am Gas bleiben und kurzen Schaltimpuls geben. Klappt bei Volllast vorzüglich, bei Teillast kann es schon mal ordentlich Rucken. Runterschalten einfach Gas weg und klack – gerne auch mehrere Gänge. Man hat sich nach kurzer Eingewöhnungszeit sehr schnell arrangiert und will es nicht mehr missen. Ein Lob für ein Getriebe von BMW – hatten wir bis dato noch nicht oft.

Der Antrieb passt also schon mal. Die Sitzposition im Grunde genommen auch. Die ist betont aufrecht, könnte sogar etwas sportlicher sein. Dies gilt allerdings nicht für den spitzen Kniewinkel. Mit der Standardsitzbank haben zwar auch Kurzbeinige einen guten Stand, jedoch zwickt es bereits bei normal gewachsenen Zeitgenossen in der Kniegegend. Gut das man ab Werk ohne Aufpreis die höhere Sitzbank ohne Aufpreis ordern kann. Wer dies nach der Lieferung tut, zahlt Aufpreis. Der Rest ist hoher BMW-Standard. Penible Verarbeitung, vorbildliche Bedienung und genügend Platz für einen Beifahrer. Auch diese Testmaschine ist (wie üblich) mit allem ausgestattet was die Optionsliste hergibt. Vom Tempomat über die Griffheizung bis hin zum Dynamic ESA ist alles an Bord.

12 BMW R1200R

Die R1200R macht es dem Fahrer unglaublich einfach. Sie fährt sich sehr handlich und dabei lammfromm. Taugt  sowohl zum Bummeln als auch zum Express-Tempo. Dynamic ESA hat für die meisten Fahrbahnzustände die passende Antwort, in der Regel ohne das der Fahrer viel davon merkt. Allerdings ist es selbst in der härtesten Einstellung für sportlichen Einsatz etwas zu weich, hat eine leichte Tendenz zum Pumpen. Der Hauptständer grenzt rechts herum zusätzlich die Schräglagenfreiheit noch etwas ein, da er bei tiefen Schräglagen kratzt. Zugegebenermaßen ist man dann allerdings auch schon sehr zügig unterwegs. So gut ESA auch funktioniert, hat es eine etwas störende Eigenart. Auf topfebener Strecke spüren sensible Naturen wie die Elektronik ständig arbeitet, wie ein ganz leichtes Konstantfahrruckeln. 

Ducati Monster 1200 – italienische Momente mit viel Power und Sound

Bei aller gewollten und sicher auch wichtigen Alltagstauglichkeit. Die Monster 1200 ist und bleibt eine Italienerin. Wenn man sich anschaut wie lieblos so manche Leitung und einige Schläuche um das Aggregat gezimmert wurden, kann man schon ins Grübeln kommen. Auch die Bedienung ist weiterhin alles andere als intuitiv. Das beginnt beim Startknopf der erst einmal freigegeben werden muss und endet beim Einstellen der Fahrmodi. Einmal versehentlich auf den Blinker gedrückt, ist man nämlich in besagtem Menu. Aber ehrlich gesagt: was soll’s! Erstens gewöhnt man sich schnell dran und zweitens erwartet man es einfach von einer Ducati. Wir erinnern gerne an den Küchengerätevergleich.

01 Ducati Monster 1200

Ein echter Prachtkerl ist der V2. Zwar braucht er unten etwas mehr Drehzahl als die R1200R, legt aber ebenfalls ab 2.500 Umdrehungen los wie der Teufel. Und lässt mit steigender Drehzahl der BMW keine Chance. Wo der nämlich die Pust so langsam ausgeht, schaufelt der italienische V2 noch ein paar Peperoni in die Soße. Der dazukommende Sound stempelt einen dann endgültig zum Süchtigen. Kann sein das man zum nächsten Nachbarschaftsfest nicht mehr eingeladen wird, Spaß macht es dennoch. Insgesamt noch immer eine gehörige Portion Unvernunft, dabei verträgt die Monster 1200 auch die zivile Gangart. Im 3. Gang geht es völlig problemlos durch die Ortschaften, mit der Vorgängerin ein Ding der Unmöglichkeit. Die schlägt einem dann ob solcher Banalitäten die Antriebskette um die Ohren.

Die Sitzposition passt wie ein sportlicher Handschuh. Der Oberkörper ist leicht nach vorne gebeugt, der Lenker breiter als der an der BMW. Der Kniewinkel passt, allerdings bleibt das leidige Thema der Unterbringung der Füße. Die haben nämlich wenig Platz weil links die Schwinge und rechts der Auspuff im Weg sind. Ständig stößt man mit der Ferse an und muss den Fuß umsetzen. Davon abgesehen: sportlich entspannt. Die Bedienung hatten wir bereits erwähnt, das LCD-Display lässt sich gut ablesen. Starke Sonneneinstrahlung erschwert das Ganze aber etwas.

12 Ducati Monster 1200

Unterwegs verlangt die Ducati im Vergleich zur BMW etwas mehr Nachdruck um in Schräglage gebracht zu werden. Mit dem einfachen Handling der BMW kann sie nicht mithalten. Allerdings bietet sie ein besseres Feedback, macht dem Fahrer deutlicher klar wie es um die Straße und den Fahrzustand bestellt ist. Sie wirkt insgesamt fahraktiver und vermittelt ein besseres Gefühl für das Vorderrad. Allerdings nur wenn man die Gabel etwas härter einstellt. Dann gewinnt die Ducati an Präzision und es lässt sich messerscharf mit ihr um die Ecken wetzen. Das Fahrwerk der BMW mag Fahrbahnunebenheiten besser wegstecken und ist auch nie bockig. Die Ducati ist bei sportlicher Gangart dennoch die bessere Wahl. Allerdings muss man auf sein Schuhwerk achten, denn aufgrund der eingeschränkten Unterbringung der Füße schleift man schneller mit den Stiefeln auf dem Asphalt als einem lieb ist. 

Preise BMW R1200R und Ducati Monster 1200 – Discounter ist anders

Der nackte Listenpreis spricht für die R1200R: 12.950 Euro verlangt BMW. All die netten Gimmicks fehlen da aber noch. Die Monster 1200 kostet 13.490 Euro und ist damit auch nicht gerade ein Schnäppchen. Summiert man allerdings die Zusatzausstattung hinzu, dreht sich das Bild. Die komplett ausgestatte Testmaschine von BMW summiert sich mit Style 1, Comfort-, Dynamik 2- und Touring-Paket sowie Keyless Ride und Schaltassistent Pro auf stolze 16.510 Euro. Für gleiches gilt bekommt man dann zwar eine Monster 1200 S, aber auch die hat weder ein semiaktives Fahrwerk noch Quickshifter oder Keyless Ride. So muss letztendlich jeder für sich entscheiden, wieviel er investieren möchte.

Fahrerausstattung

Helm X-Lite X-702 GT, Jacke & Hose Vanucci Okovango II

Helm RPHA ST, Jacke IXS Eagle 2, Hose IXS Eagle Pant