Triumph Thruxton Ace – Fahrbericht

Triumph Thruxton Ace – Fahrbericht


Good old Times

Es gab Zeiten da wäre eine Triumph Thruxton ohne Wenn und Aber als Supersportler durchgegangen. Ist zwar schon eine ganze Weile her, ist aber trotzdem so. Damals genügte es einen flachen Lenker und zurückgesetzte Fußrasten zu verbauen und schon war man in der Welt des Sports angekommen. Heute ist die sehr schicke Thruxton Ace ein Café Racer. Dabei kann sie viel mehr als von einer Eisdiele zu nächsten zu flanieren.

Ja, der Autor bekennt sich schuldig. Er ist ein Fan von klassischen Motorrädern. Kein Wunder wenn man die ersten Motorradwahrnehmungen mit Drahtspeichenrädern und verchromten Schutzblechen an Front und Heck verbindet. Da ist es kein Wunder wenn man sich auf den ersten Blick in die Thruxton Ace verguckt. Dabei ist mir völlig egal ob die gerade voll im Trend ist weil irgendwelche Hippies oder Hippster gerne beim Lagerfeuer am Strand sitzen und Motorräder daneben stellen. Ich trage meine Bartstoppeln nur weil ich zu faul bin mich mehr als zweimal in der Woche zu rasieren und schlage meine Jeans um weil ich halt kurze Beine habe. 

Ich mag die Motorräder, nicht den Trend. Natürlich hat dieser Trend seine Originale, aber die Trendaffen mit Vollbart und rasierten Beinen, die das Feinripp unter dem offenen Flanellhemd nur nicht ausziehen damit niemand das Arschgeweih von der letzten Trendwelle sieht, sind mir (freundlich ausgedrückt) egal. Das hat eine Schönheit wie die Thruxton Ace nicht verdient, sie auf eben diesen Trend zu reduzieren wie das so mancher gerne tut. Im Gegenteil, die Thruxton kam auf dem Markt als besagte Welle noch nicht einmal plätscherte. Die komplette Bonneville-Reihe hält die Fahne klassischer Motorräder hoch, ähnlich wie eine W800, CB1100 oder auch eine XJR1300. Auch wenn die Marke Triumph mit der eigenen Vergangenheit letztendlich nichts zu tun hat, bin ich dankbar dass man der Historie so wunderschön die Stange hält.

Thruxton Ace – Racer nach alter Väter Sitte

Wer das anders sieht – bitteschön, kein Problem. Motorradfahren ist nun mal etwas hoch emotionales, schürt Diskussionen und lässt sich im Grunde nicht vernünftig argumentieren. Ist halt so wie mit Spinat: natürlich sehr gesund, aber wem er nicht schmeckt – der kann nix damit anfangen. Doch kehren wir zur Thruxton Ace zurück. Deren Rezept ist auch heute so einfach wie in der guten alten Zeit. An der Gabel ist im Grunde ein umgedrehter Rohrlenker montiert, dazu noch etwas zurückverlegte Fußrasten und eine Höckersitzbank. Fertig ist der Racer. Im Fall der Ace kommen noch der Karostreifen im Zielflaggendesign und das Ace-Logo auf Tank, Seitendeckel und der zweifarbigen Höckerabdeckung dazu. Schwarzer Fender an Front und Heck, schwarze Seitendeckel, dazu weißer Tank mit schwarzen Kniepads und weiß/schwarzer Höcker ergeben ein sehr stimmiges Gesamtbild.

Triumph Thruxton Ace 08

Die Sitzposition ist sportlicher als es auf den ersten Blick aussieht. Der Oberkörper ist nach vorne gebeugt, die Füße höher und weiter hinten positioniert als man es von den Bonneville-Modellen wie beispielsweise der Bonneville SE gewohnt ist. Sportlich versammelt aber nicht unbequem. Die Sitzbank ist sogar sehr bequem, breit und angenehm gepolstert. Die schicken Lenkerenden-Spiegel vermitteln eine gute Sicht nach hinten, die Instrumente und die Bedienung sind so einfach und eingängig wie sie analog sind. Was kostet denn so eine 2-rädrige-Zeitreise? Die „normale“ Thruxton steht für 9.840 Euro beim selbstverständlich freundlichen Triumph-Händler. Die Thruxton Ace ist mit 10.140 Euro etwas teurer, was die Sonderlackierung locker wettmacht. Sehr schade ist, das für keine der Thruxton ABS gibt, nicht einmal als Option.

Triumph Thruxton Ace 17

Antrieb Thruxton ACE – braver Twin mit coolem Sound

Drückt man es freundlich aus, entspricht der Antrieb dem Geist der Vergangenheit. Also einer Zeit in dem Reihentwins die Speerspitze sportlicher Motorräder waren. Und deren Ende letztendlich ein 750er Reihenvierer von Honda mit bescheidenen 67 Pferden einläutete. Natürlich hat der Reihenzweier der Thruxton mehr zu bieten als die Twins der Vergangenheit. Ein Reißer ist er dennoch nicht. Er liefert aus 865 Kubik gerade einmal 69 Pferde, auch das Drehmoment ist mit 69 NM nicht gerade berauschend. Zum Vergleich: eine BMW F800R hat bei weniger Hubraum immerhin 86 NM. Trotzdem schlägt sich die Thruxton Ace im Fahrbetrieb recht wacker. Sie nimmt ab Standgas über den gesamten Drehzahlbereich sauber Gas an, verkneift sich irgendwelche Lastwechsel und hat insgesamt recht gute Manieren.

Triumph Thruxton Ace 18

Dazu gesellt sich seit der letzten Überarbeitung ein sehr angenehmer und dumpfer Twin-Sound. Der tut verdammt gut, denn was dem Antrieb letztendlich fehlt, ist ein Schuss Emotionalität. Die Leistungsentfaltung ist sehr linear, dass mag der Traum der Ingenieure sein. Im Einsatz fehlt dann aber das Salz in der Suppe oder besser gesagt: der gerne zitierte Kick. So eine Drehzahlgrenze wo sich in der Performance spürbar was tut, bei der die Triumph halt mal den Hammer oder auch das Hämmerchen auspackt, dem Fahrer in den Nacken kloppt und ihm damit die Mundwinkel nach oben zieht. Beim Getriebe gibt es nichts zu meckern, das funktioniert einwandfrei und kommt mit 5 Gängen aus. Für die Leistungsklasse und das Einsatzgebiet völlig in Ordnung. 

Fahreindrücke Thruxton Ace – flottes Landstraßenfegen statt Café-Racen

Mit Racing hat die Thruxton Ace nichts am Hut. Wer in ihr eine Rennmaschine sieht, selbst eine vergangener Epochen, sollte den Gedanken möglichst schnell verwerfen. Wer allerdings zügig gefahrene Runden auf der Hausstrecke mag, kann mit der Triumph viele schöne Stunden verbringen. Ein Handlingwunder ist sie dabei nicht, trotz der recht schmalen Bereifung von 100/90-18 vorne und 130/80-17 hinten. Die Thruxton muss bewegt werden, sie braucht etwas Einsatz um in Schräglage gebracht zu werden. Dabei lenkt sie recht präzise ein und hält spurtreu die angepeilte Linie. Schnelle langezogen Kurven liegen ihr dabei deutlich besser als enge Kehren. Wechselkurven steckt das Fahrwerk mühelos weg, allerdings verlangt die Thruxton dann wieder Einsatz vom Fahrer.

Triumph Thruxton Ace 03

Hektische Fahrweise ist allerdings nicht so ihr Ding. Wer meint die Kurve auf den letzten Millimeter hart anbremsen zu müssen um dann am Scheitel den Hahn aufzureißen, sitzt auf dem falschen Motorrad. Der Triumph liegt ein flüssiger Fahrstil am besten, dann lässt sich auch die überschaubare Leistung gut kompensieren. Der weiche Einsatz des Twins erlaubt eine sehr saubere Fahrweise, die Schräglagenfreiheit ist hoch und mit einem gescheiten Reifen am Heck ginge da noch deutlich mehr. Der verbaute Metzeler ME Z2 ist nicht die beste Wahl und sein hölzernes Gripverhalten nicht vertrauensfördernd. Der Lasertec vom gleichen Hersteller ist hier sicher die deutlich bessere Wahl. 

Text & Bilder: Matthias Hirsch

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