Kawasaki Z1000, Suzuki GSX-S1000 und Triumph Speed Triple – Vergleich

Kawasaki Z1000, Suzuki GSX-S1000 und Triumph Speed Triple – Vergleich


Dreikampf mit Drilling

Die neue Suzuki GSX-S1000 tritt zum Vergleich mit den etablierten Modellen der Klasse an. Teilweise könnte man auch von der alten Garde sprechen. Immerhin hat die Triumph Speed Triple schon einige Jährchen auf dem Buckel. Im Gegensatz zur aktuellen Z1000, die in der aktuellen Version erst im zweiten Modelljahr ist. Spielt im Grunde keine Rolle, denn beides sind aus Sicht der Suzuki harte Brocken.

Wir lassen die übliche Leier wie spät die GSX-S1000 doch kam einfach weg und nähern wir uns ihr Vorurteilsfrei. Und da muss man ihr zugestehen dass sie zweifelsohne das modernste Motorrad dieses Vergleichs ist. Was zugegebenermaßen nicht schwer ist, aber nicht an ihr sondern der Konkurrenz liegt. Erklärtes Ziel der Entwicklung war ein leichtes Sportmotorrad mit flinkem Handling,  bequemer Sitzposition und dem nötigsten an Ausstattung. Daher kommt die GSX-S1000 mit einer 3-stufigen Traktionskontrolle aber ohne weiteren technischen Schnick-Schnack. Die Chance hat Kawasaki bei der Z1000 verbockt. Die kommt ohne die Traktionskontrolle und das ganz bewusst und mit voller Absicht. Wir kürzen das Marketing-Getue mal und übersetzen ins umgangssprachliche: die Z1000 ist ein Männermotorrad und Männer brauchen keine Traktionskontrolle. Das mag ja zum martialischen und eigenständigen Look der Kawa passen, aber ehrliche Männer brauchen dann wohl auch kein ABS oder wollen es zumindest abschalten. So männlich war man in Japan dann doch nicht. Und in England? Nun, da sollten man den Wecker mal auf ganz laut stellen und Triumph einen guten Morgen wünschen. Wieso? Weil man eine so geile Ikone wie die Speed Triple einfach versauern hat lassen. Sogar den runden Geburtstag hat man verpennt. Unser Tester ist das Sondermodell 94 und die will an die erste Speedie erinnern. Hätte 2014 irgendwie mehr Sinn gemacht.

Wir gehen jedoch mal stark davon aus das Kawasaki in naher Zukunft Traktionskontrollen verdammt männlich findet und die Z1000 auch eine bekommt. Und das Triumph in ebenfalls naher Zukunft die Speed Triple neu erfindet und die Karten damit neu gemischt werden. Bis dahin bleibt es wie es ist: die Suzuki GSX-S1000 hat technisch die Nase vorn – wann hatten wir das zum letzten Mal in einem Vergleich stehen? Dabei liegen alle preislich sehr nahe beieinander. Triumph will für die Speed 94 12.240 Euro haben. Die Z1000 und die GSX-S1000 liegen beide laut Preisliste bei 12.195 Euro. Allerdings hat Suzuki aktuell ein Bonusprogramm für die GSX-S bei dem man satte 700 Euro sparen kann und Kawasaki bringt wahrscheinlich am Jahresende das übliche Prozente-Programm für noch vorhandene Bestände. Wieso man nicht gleich mit einem günstigen Preis einsteigt und den dann stabil hält, ist für uns nicht nachvollziehbar. So hat man immer das Gefühl ohne Nachlass kriegt man die Teile nicht los.

Suzuki GSX-S1000 – flinke Kurvenfeile mit sportlichem Charakter

Wir erinnern uns – sportliches Motorrad mit bequemer Sitzposition stand im Lastenheft. Die bequeme Sitzposition können wir schon mal bestätigen. Man sitzt im Vergleich zur Konkurrenz deutlich mehr im als auf dem Bike. Durch die schmale Taille finden auch Menschen mit kurzen Extremitäten einen guten Stand. Der konifizierte Lenker liegt gut in der Hand, lediglich die Kröpfung der Lenkerenden ist ein Ticken zu sehr dem Fahrer zugeneigt. Elend auf hohem Niveau. Die Bedienung ist eingängig, allerdings hat man ja auch nicht wirklich viel zu bedienen. Sehr gelungen und gut abzulesen ist das komplett digitale Instrument. Ebenfalls gut: in den Spiegeln ist deutlich mehr zu sehen als die eigenen Oberarme und Schultern. Die Sitzbank ist bequem und gut gepolstert, allerdings nur im Fall des Fahrers. Der Sozius hat nix zu lachen, das gilt allerdings für alle Teilnehmer dieses Vergleichs.

06 Suzuki GSX-S1000

Sportlich geht es beim Antrieb zu. Die GSX-S1000 holt laut Suzuki 145 PS aus 999 Kubik. Soweit zu den Papierdaten. In Realität hat der Antrieb eher 15 Pferde mehr im Stall. Und die spürt man, auch im Vergleich zur Konkurrenz. Im Drehzahlkeller brennt das Licht noch nicht so hell, doch ab der Mitte brennt sich die Helligkeit bis zum Leuchtturm aus. Den Sportcharakter aus dem alten K5-Motor hat man also durchaus weiterleben lassen. Sowohl Z1000 als auch Speed Triple sind im Keller flotter, im Fall der Kawa sogar deutlich, aber das Feuerwerk oben raus können beide nicht bieten. Sehr gelungen ist Suzuki auch der Sound, eine heisere Kombination aus Auspuff-Fauchen und Ansaug-Röcheln. Jeder Dreh am Gas wird in Schub und Sound umgesetzt – und erfreut des Fahrers Wahrnehmung gleich doppelt. Wenn man dem Antrieb der GSX-S etwas ankreiden kann, dann ist es die ab und an harsche Gasannahme. Gas-auf-und-zu führt zu spürbaren Lastwechseln. Laut Suzuki hat man dies zugunsten einer direkten Gasannahme in Kauf genommen, laut uns hätte man das besser abstimmen können.

03 Suzuki GSX-S1000

Dies ändert jedoch nichts daran dass die Suzuki die Fahrmaschine dieses Vergleichs ist. Super einfach im Handling, präzise im Lenkverhalten und mit sehr sportlichen Talenten gesegnet.  Eine ähnliche Erfahrung machte der Autor 2008, da saß er zum ersten Mal auf einer Speed Triple. Im aktuellen Vergleich können jedoch weder die Speedie noch die Z der Suzuki das Wasser reichen. Und das hat nichts mit der fehlenden Traktionskontrolle zu tun. Es ist einfach sagenhaft wie leicht sich die GSX-S1000 in die Kurven wirft, fühlt sich eher wie eine 750er denn wie eine 1000er an. Dabei verzeiht sie auch mal eine falsch eingeschlagene Linie, ist beim Bremsen in Schräglage nicht zickig und hat kein spürbares Aufstellmoment. Lediglich bei ganz engen Kehren kann die harte Gasannahme die Linie versauen, aber nach einiger Zeit hat man sich daran gewöhnt. Das Fahrwerk ist tendenziell straff, bietet aber einen breiten Einstellbereich. Die Bremsen funktionieren ebenfalls gut, fühlen sich für die sportlichen Möglichkeiten allerdings etwas stumpf an.

Triumph Speed Triple – die Kraft der 3 Herzen schlägt noch immer

2008 saß der Autor zum ersten Mal auf einer Speed Triple und war unendlich begeistert. Obwohl die Triumph rein optisch so gar nicht mein Fall war. Dennoch, es fühlte sich an als hätten die Jungs von der Insel das Teil genau für meinen Hintern gebaut. Hier und jetzt, also 7 Jahre später, hat sich bei der Speed Triple nicht wirklich dramatisch viel geändert. Die Begeisterung ist jedoch geblieben. Noch immer passt die Speedie wie ein gut sitzender Anzug. Zwar sitzt man deutlich höher als beispielsweise auf der Suzuki, ist auf dem Motorrad platziert. Dennoch: die Kombi aus breitem Lenker, komfortabler Sitzbank und angenehmen Kniewinkel passt noch immer. Der Oberkörper ist dabei leicht nach vorne gebeugt, die Sitzposition hat daher etwas mehr von Attacke als bei der Suzi. Die Instrumente sind sehr gut ablesbar, die Bedienung gibt keinerlei Rätsel auf. Da es aber nicht viel zu bedienen gibt, ist dies kein Kunstwerk. Wunderschön ist die Einarmschwinge am Heck, durch die hochgelegten Auspufftöpfe hat man freie Sicht auf das Hinterrad. Suzuki und Kawasaki kommen mit herkömmlichen Schwingen aus.

07 Triumph Speed Triple

Ein Großteil der Zuneigung geht auf das Konto des Antriebs – der Drilling ist und bleibt das Herzstück der Speed Triple. Da würde auch zeitgemäße Elektronik nix ändern. Die Kraft der 3 Herzen schöpft 135 muntere Pferde aus insgesamt 1.050 Kubik. Das Drehmoment von 99 NM ist das niedrigste im Vergleich, speziell die Z1000 hat hier mit 111 NM deutlich mehr zu bieten. Dem zum Trotz fährt es sich mit der Speed Triple sehr angenehm bei niedrigen Drehzahlen. Der Reihendreier nimmt sauber Gas an und drückt vehement nach vorne. Bei 6.000 Umdrehungen gibt es nochmal Nachschlag in Sachen Power und Fuhre samt Fahrer katapultiert es Richtung Horizont. Von wegen Alteisen! Da geht ordentlich was. Immer wieder erwähnenswert: der Sound. Heiser röchelt es aus der Airbox, am Heck bellt der Drilling aus der Doppelfanfare. Insgesamt positioniert sich der Antrieb zwischen Suzuki und Kawasaki. Die GSX-S1000 drückt oben raus besser, die Z1000 im Keller.

04 Triumph Speed Triple

Ähnlich sieht es bei den Fahreigenschaften aus. Die Speed Triple ist ein Paradebeispiel für Draufsetzen und Wohlfühlen. Auf Anhieb kommt man hervorragend mit der Speedie zurecht. Dabei erreicht sie nicht ganz die Handlingqualitäten der Suzuki, ist aber deutlich besser fahrbar als die Kawasaki. Die Triumph besticht durch ihr stabiles Fahrverhalten, wirkt im Vergleich zur Suzuki aber schwerer, wie ein größeres Motorrad eben. Dabei lässt sie sich dennoch flott bewegen, lenkt präzise ein und zieht unbeeindruckt ihre Bahnen. Der Motor gibt sich sehr elastisch und so ist schaltfaules Fahren kein Problem. Das Fahrwerk ist straffer abgestimmt als das der Suzuki, aber spürbar komfortabler als jenes der Kawa. Die Bremsen funktionieren hervorragend, bieten einen guten Druckpunkt und sehr gute Verzögerung. Etwas gewöhnungsbedürftig zeigte sich die Erstbereifung. Der Metzeler Racetec K3 braucht eine Weile bis er Betriebstemperatur erreicht hat. Erst dann funktioniert er richtig gut, bietet entsprechend Gripp und Feedback. Bis dahin sollte der Fahrer seinen Übermut zügeln.

Kawasaki Z1000 – Männermotorrad mit viel Power und so manchen Eigenheiten

Die Z1000 ist weiterhin ein Motorrad welches die Gemeinde spaltet. Ihr radikales Design gefällt oder eben nicht. Dazwischen gibt es im Grunde nichts. Das ist von Kawasaki so gewollt und auch gut so. So bewahrt sich die Z1000 ihren eigenständigen Charakter, will kein austauschbarer Reihenvierer sein. Das hört auch bei der Sitzposition nicht auf. Der Fahrer sitzt weit nach vorne platziert, deutlich näher am Lenker als bei der Konkurrenz. Dazu baut sich der hohe Tank vor dem Bauchnabel des Fahrers auf wie ein Buckel. Sehr kompakt, aber nicht unbequem. Die Instrumente sind sehr tief positioniert, wer einen Blick darauf erhaschen möchte, muss zwangsläufig den Kopf nach unten richten. Dazu ist die Ablesbarkeit nicht die Beste. Die Drehzahl teilweise im Digitaldisplay und ab 4.000 Umdrehungen als Leuchtband darüber darzustellen, ist eine nette Idee. In der Praxis aber eher irritierend. Die Bedienung ist dafür absolut eingängig. An Front hat die Z1000 als einzige im Vergleich moderne LED-Scheinwerfer, am Heck sind ebenfalls LED-Leuchten montiert. Ein netter Gag ist der Sitzbankbezug mit geprägtem Z-Muster.

06 Kawasaki Z1000

So ein gewollt männliches Motorrad braucht natürlich einen entsprechend Motor. Und der ist vorhanden. Ein etwas rauher Geselle mit unglaublich viel Power im Drehzahlkeller. Die Spitzenleistung mit 142 PS aus 1.043 Kubik ist ja bereits kein Pappenstiel. Aber das bereits erwähnte Drehmoment von 111 NM bei 7.300 Umdrehung sorgt für unvergleichlichen Schub ab Standgas. Dieser ist aber auch einer insgesamt etwas kurzen Gesamtübersetzung geschuldet. So ertappt man sich bei zügigen Etappen öfter dabei den 7. oder 8. Gang zu suchen. Auf der Landstraße ist dies egal. Im 6. Gang durch die Ortschaft und am gelben Schild den Hahn bis zum Anschlag aufziehen? Kann keiner besser als die Z1000. Da schnupft sie sowohl die Suzuki als auch die Triumph auf als wären sie 650er. Wohl gemerkt wenn alle im großen Gang unterwegs sind. Bei höheren Drehzahlen fühlt sich der Reihenvierer der Kawa nicht wirklich wohl. Mit wachsender Drehzahl nehmen auch die Vibrationen zu. Der Sound ist sehr angenehm, bassiger als die Konkurrenz. Es schnüffelt deutlich hörbar aus der Airbox, die Endtöpfe sind gedämpfter in ihrer Lebensäußerung.

01 Kawasaki Z1000

Was die Fahreigenschaften betrifft, hinterlässt die Z1000 in diesem Vergleich einen durchwachsenen Eindruck. Der Motor ist mit seiner Power bei niedrigen Drehzahlen eine Klasse für sich und lässt sich extrem schaltfaul bewegen. Im Grunde kann man alles in den Gängen 4 bis 6 erledigen.  In Sachen Fahrwerk geht es leider nicht ganz so geschmeidig zu. Die liegt zum Teil an der Erstbereifung Dunlop D214, dummerweise keine Empfehlung für die Z1000. Bei pickeligem Belag läuft das Hinterrad jeder Unebenheit nach. Wo die Konkurrenz unbeirrt die Linie zieht, führt die Hinterhand der Kawa ein gewöhnungsbedürftiges Eigenleben. Nichts dramatisches, aber definitiv nicht vertrauenserweckend. An der Front kommt ein kippeliges Einlenkverhalten dazu, mal braucht die Kawasaki eine führende Hand, mal klappt sie wie von selbst in die Kurve. Dazu kommt die viel zu harte Grundabstimmung des Fahrwerks. Sportliche Härte ist ja durchaus in Ordnung, im Falle der Z1000 ist es jedoch ein wenig zu viel des Guten. Die wird auf schlechten Straßen richtig bockig und keilt ordentlich aus, selbst wenn alle Einstellungen auf „Soft“ stehen. Und was macht der Fahrer nach einer ordentlichen Runde mit der Kawa? Grinst breit über das ganze Gesicht. Die Z1000 will ja so sein wie sie ist. Und der Fahrer hat nach jeder Fahrt mit ihr den Eindruck das Biest bezwungen zu haben. 

Text & Bilder: Matthias Hirsch

Fahrerausstattung

Helm X-Lite X-802R, Jacke IXS Eagle II, Hose IXS Eagle Pant

Helm X-Lite X-702 GT, Jacke Alpinestars Megaton, Hose Alpinestars Stella Andes