Ducati Scrambler vs Triumph Scrambler - Vergleich

Ducati Scrambler vs Triumph Scrambler - Vergleich

Ducati Scrambler und Triumph Scrambler – trotz gleichem Namen und nicht mal so unterschiedlichen Leistungsdaten unterscheiden sich beide Testprobanden massiv. Die Italienerin gibt sich lässig modern und zitiert nur vorsichtig die eigene Vergangenheit. Die Engländerin pflegt die eigene Tradition wie das Gebäck zum Tee. Wir haben beide getestet und beides hat gemundet, sowohl der Espresso als auch der Tee.

Ducati hat die Scrambler mit einem riesigen Marketingaufwand eingeführt. Da wurde die Lifestyle-Keule ausgepackt und einem das Lebensgefühl Scrambler geradezu um die Ohren gehauen. Dazu noch eine eigene Bekleidungslinie – man will ja schließlich nicht mit irgendeinem Karohemd lässig dastehen. Da sollte es doch bitte schon das Scrambler-Hemd, die Scrambler-Jeans nebst Scrambler-Jacke und natürlich auch dem Scrambler-Jethelm sein. Wo sind die Zeiten geblieben in denen man sich über BMW-Fahrer im Markenoutfit lustig gemacht hat? Davon abgesehen, hat die Scrambler bereits bei der Präsentation auf der Intermot in Köln mächtig Appetit gemacht. Reduziert auf das Wesentliche und gleich in 4 Varianten hat Ducati das Spaßmobil gezeigt. Mit der alten Scrambler aus den 70ern hat die neue neben dem Namen im Grunde nur noch den hohen und dürren Lenker gemein. Aufgrund des Vergleichspartners Triumph Scrambler haben wir uns von Ducati die Version Classic gewünscht. Die kommt mit wunderschönen Speichenrädern daher und hat eine Sitzbank im Vintage-Design, also braun und mit gestepptem (Präge-)Muster. Das Kennzeichen ist am Fender befestigt, beim allen anderen Versionen ist es per seitlichem Halter direkt am Hinterrad montiert. Der Preis der Ducati Scrambler Classic liegt bei 9.790 Euro, also 1.400 Euro mehr als beim technisch identischen Basismodell Icon. Und deutlich weniger als die andere Scrambler aus Italien: die Moto Guzzi V7 Scrambler kostet als Umbau mit Guzzi-Teilen stolze 14.000 Euro.

06 Ducati Scrambler

Die Triumph Scrambler ist bereits seit einigen Jahren auf dem Markt. Im Gegensatz zur Italienerin macht sie komplett auf klassisches Motorrad, so sieht die Einspritzanlage aus wie ein Vergaser. Lediglich die kleine digitale Anzeige im Tacho geht als Hinweis auf die Gegenwart durch. Der Rest ist klassischer Look von der Nasenspitze bis zum Kennzeichen. Herrlich. Da ist vor allem die von vorne bis hinten verchromte und hochgelegte Doppelauspuff-Anlage mit den Hitzeblechen für Fahrer und Beifahrer, die Speichenräder mit schwarzen Felgen, der wunderschön gerippte Motor. Aber auch der Tank mit dem angeschlagenen Triumph-Logo und den Kniepads sowie die schon erwähnten klassisch-analogen Rundinstrumente und die flache Sitzbank mit den Quernähten. Man kommt aus der Schwärmerei gar nicht heraus. Und wer möchte kann sich auch bei Triumph das passende Outfit besorgen. Auch hier gibt es von der Socke bis zum Scheitel alles für den passenden Klassik-Auftritt. Und schon wieder fällt einem ein BMW-Klapphelmler ein. Wie die Ducati hat auch die Triumph keinerlei Schnick-Schnack, bietet aber wesentlich mehr für das Auge und die Sinne. Und die registrieren sehr wohl dass an der Triumph tatsächlich vieles aus Metall geformt ist, während die Ducati als Kunststoffbomber durchgeht. Dafür hat die Dame aus Italia ABS an Bord, die Engländerin muss ohne auskommen. Mit 9.840 Euro für die Engländerin liegen beide preislich auf ähnlichem Niveau.

06 Triumph Scrambler

Ducati Scrambler Classic – Kurvengranate mit Spaß bis zum Abwinken

Wir hatten ja erwartet dass die Scrambler ein echtes Spaßtalent wird. Doch die Duc hat diese Erwartung noch erheblich übertroffen. Beginnen wir mit dem Antrieb. 803 Kubik, 75 Pferde und 68 NM – reicht um die Mundwinkel vor Freude komplett um den Kopf zu ziehen. Der L2-Zylinder ist ungemein elastisch und tritt bereits bei niedrigen Drehzahlen ab 2.000 Umdrehungen kräftig und mit guten Manieren an. Er nimmt sauber Gas an und drückt ordentlich. Ab ca. 4.000 nimmt der Schub nochmal zu. Ganz oben, also ab ca. 7.000 Umdrehungen lässt der Vorwärtsdrang aber auch spürbar nach. Der Antrieb der Scrambler ist aktuell der mit den besten Manieren im Programm von Ducati. Die Überarbeitung hat das Aggregat sehr alltagstauglich gemacht, nicht immer eine der Stärken der Marke. Dennoch hat er noch genügend Ducati-Gene, schiebt für seine 75 Pferdestärken erstaunlich an, ein Leistungsdefizit haben wir nicht feststellen können. Lediglich beim Sound könnte man noch nachlegen. Die Ducati Scrambler tönt nämlich ungewöhnlich zurückhaltend, speziell im Vergleich zu einer Monster 821. Aber mit guten Manieren geht nun mal auch die Akustik daher. Akustisch zurückhaltend zeigt sich auch das gut funktionierende Getriebe, lediglich beim Hochschalten in den 6. Gang ist etwas Konzentration gefragt, hier sind wir ein paar Mal zwischen 5. und 6. gelandet.

14 Ducati Scrambler

Gehen wir jetzt aber mal auf Tuchfühlung mit der Scrambler. Die steht sehr kompakt auf den knubbelig wirkenden Pirelli-Reifen. Die Sitzbank macht einen üppig gepolsterten Eindruck, ein Versprechen das sie leider nicht hält. Der dürre Lenker ist hoch und breit, die Fußrasten ebenfalls recht hoch und ein Stück weiter hinten montiert als man es erwartet. Ergibt eine aufrechte Position für den Oberkörper und eine etwas sportlichere Haltung für die unteren Extremitäten. Alles in allem nicht unbequem. Schon im Stand wirkt die Ducati Scrambler federleicht, der schmale Knieschluss und der Bonanza-Lenker verstärken diesen Eindruck noch. Das digitale Rundinstrument ist rechts neben dem Zündschloss angebraucht und gut ablesbar. Lediglich die Kontrollleuchten sind bei starker Sonneneinstrahlung nicht deutlich zu erkennen.

02 Ducati Scrambler
 

Jetzt aber ab auf die Straße. Nach dem Start bollert der V2 verhalten aus dem Endtopf. Mit „verhalten“ ist es aber bereits nach wenigen Metern vorbei. Der Motor hängt hervorragend am Gas, setzt jede Bewegung des rechten Handgelenks sofort in Vortrieb um. Dazu kommt eine Lässigkeit die wir so noch nicht hatten. Der Ducati Scrambler ist keine Kurve zu eng, keine Straße oder Lücke zu schmal. Spielerisch folgt sie den Anweisungen des Piloten. Der braucht eine Kurve nur anzusehen, schon wirft sich die Duc in Schräglage. Jeder Meter wird zum Genuss, jede Kurve zum Erlebnis. Das Handling ist einfach sagenhaft, die Scrambler ist ein hakenschlagendes Karnickel auf 2 Rädern. Man erlebt selbst bekanntes Terrain komplett neu. Immer tiefer drückt man die Scrambler in Schräglage, wundert sich mit jeder Kurve mehr was die kleine Duc so alles mitmacht.

17 Ducati Scrambler

Die Bodenfreiheit ist enorm, die Haftung der stolligen Pirelli MT 60 ist hervorragend. Anfangs haben wir die Pneus noch etwas kritisch beäugt, jetzt sind wir restlos begeistert. Die MT 60 und die Scrambler passen wie die Faust aufs Auge. Bei Trockenheit Grip bis zum Abwinken, dazu gutes Einlenkverhalten und ebenso gutes Feedback. Ob pockiger Asphalt oder Flickwerk der Straßenbauer, die Scrambler hält stets den Kurs. Das Nassverhalten konnten wir mangels Regen (glücklicherweise) nicht erproben. Was für ein Spaßgerät, selten hat es einem ein Motorrad so leicht gemacht. Selbst wenn man eine Kurve gefühlt etwas zu schnell angeht, drückt man die Scrambler halt ein wenig tiefer rein. Einfach so, als hätte man noch nie etwas anderes gemacht. Doch auch dieser Spaß hat seine Kehrseite. Die so üppig aussehende Sitzbank erweist sich als harter Brocken. Bereits nach 1 – 2 Stunden fängt der Hintern an sein Leid zu vermelden. Dazu passt der sportliche Kniewinkel zwar hervorragend für Attacke, aber auch hier wollen die Glieder nach einer gewissen Zeit mal wieder gestreckt werden.

Triumph Scrambler – Eile mit Weile, gerne auch für längere Zeit

Die Ducati Scrambler hat die Messlatte verdammt hoch gelegt. Zugegebenermaßen teilweise zu hoch. Aber die Triumph Scrambler muss sich beileibe nicht geschlagen geben. Sie ist eben einfach entspannter und dass in nahezu jeder Art und Weise. Das beginnt bereits beim Triebwerk. Der ebenfalls luftgekühlte Reihentwin hat 865 Kubik und leistet verhaltene 58 PS, hat aber in Sachen Drehmoment (wie die Ducati) 68 NM, allerdings bei sehr niedrigen 4.750 Umdrehungen. Der Charakter des englischen Zweizylinders entspricht einer ruhigen Runde Bridge, im Vergleich dazu ist die Duc eine laute Espressobar. Dementsprechend hat die Triumph noch bessere Manieren. Ab Standgas nimmt das Triebwerk sauber Gas an, schiebt spürbar aus dem Drehzahlkeller und lässt sich damit recht schaltfaul bewegen. Hohe Drehzahlen sind nicht so das Ding der Triumph Scrambler, ruhiges Cruisen liegt ihr deutlich mehr. Dazu passt das sehr gut funktionierende 5-Gang-Getriebe, einen 6. Gang haben wir nicht vermisst. Insgesamt ist der Antrieb der Scrambler zu brav geraten, es fehlt an Pepp und auch ein wenig an Leistung. Hier hat die Ducati klar die Nase vorn.

14 Triumph Scrambler

Die Entspannung setzt sich auch bei der Kontaktaufnahme mit der Triumph fort. Die Sitzposition ist aufrecht, Kniewinkel und Fußposition sehr entspannt. Dazu eine Sitzbank die nicht nur gemütlich aussieht, sondern dies tatsächlich auch ist. Die Engländerin fühlt sich deutlich schwerer an, ist sie ja letztendlich auch. Die Duc bringt vollgetankt 186 Kilo auf die Waage, die Triumph volle 230 Kilo. Da nutzen auch breiter Lenker und schmaler Vorderreifen nichts. Beim Handling hat die schwere Triumph in diesem Vergleich deutlich das Nachsehen. Das liegt jedoch eher an den Qualitäten der Ducati, denn die Engländerin ist auch alles andere als ein Linienbus auf 2 Rädern. Sie braucht halt etwas mehr Kraft beim Einlenken und will mit ein wenig Nachdruck in Schräglage gehalten werden. Die Betonung liegt auf „etwas“ und „ein wenig“. Der Tradition verpflichtet, hat die Triumph an der Front einen schmalen 19-Zöller verbaut, während die Ducati vorne und hinten auf 17-Zöllern rollt. Der Geländeoptik zum Trotz muss die englische Scrambler mit 120 mm vorne und 106 mm hinten auskommen, die Duc hat 150 mm vorne sowie hinten. Trotz der knapperen Federwege sticht die Triumph die Ducati in einem Punkt deutlich aus: Komfort.

02 Triumph Scrambler

Denn die Triumph Scrambler ist spürbar sanfter abgestimmt. So schluckt das Fahrwerk grobe Unebenheiten wo die Italienerin langsam anfängt zickig zu werden. Dies geht selbstverständlich zu Lasten der sportlichen Performance, passt aber bestens zum Charakter der Triumph. Auch die Schräglagenfreiheit setzt sportlichem Treiben Grenzen, früh arbeiten sich die Angstnippel am Asphalt ab. Aber dies sind alles Dinge, auf die man sich sehr gut einstellen kann. Nimmt man den Schwung in die Kurve mit und pflegt einen möglichst flüssigen Fahrstil, fährt einem die Ducati nicht wirklich davon. Die kann zwar alles spürbar leichter und wuselt um die Ecken. Bei den nächsten Spätfolgen des letzten Winters im Asphalt schließt die Triumph wieder auf. Und während der Ducati-Treiber sein Sitzfleisch bei einer Pause entspannen muss, zieht der Gentleman entspannt seine Bahnen.

17 Triumph Scrambler

Text & Bilder: Matthias Hirsch

Fahrerausstattung

Helm X-Lite X-802R, Jacke IXS Eliot, Hose IXS Jeans Cassidy 2, Schuhe IXS Sneaker braun

Helm Shark Evoline 3, Jacke Held Madison, Hose Büse Jeans Kevlar