Yamaha XSR900 - Fahrbericht

Yamaha XSR900 - Fahrbericht


Japan-Drilling mit Klassik-Attitüden

Klassischer Look ist modern, da ist es grundsätzlich nicht verkehrt wenn Yamaha seinen Erfolgsmodellen eine klassische Variante zur Seite stellt. Genauso verhält es sich mit der neuen XSR900. Die basiert technisch komplett auf der MT-09, kommt jedoch mit einem komplett eigenständigen Erscheinungsbild daher. Wir hatten Gelegenheit der XSR900 auf Fuerteventura die Sporen zu geben. Und da geht was – klassischer Look hin oder her.

Eine wirklich große Überraschung war die XSR900 nicht. Hatte Yamaha kurz vorher mit der XSR700 ein ähnliches Modell auf Basis der MT-07 auf die Räder gestellt. Da lag es nahe der 900er auch ein entsprechendes Kleidchen zu verpassen. Und was soll man sagen, es steht ihr extrem gut. Stilprägend sind der Rundscheinwerfer mit stabilem Halter aus Aluminium, das runde LED-Rücklicht und der komplett neue Tank sowie die Abwesenheit diverser Kunststoffteile. Der Tank wirkt deutlich bauchiger und damit voluminöser, fasst aber genauso viel wie das eckige Spritfass der MT-09, nämlich 14 Liter. Liegt letztendlich daran das der eigentliche Tank unverändert geblieben ist. Was der Betrachter als Tank wahrnimmt, ist tatsächlich eine Hülle die entsprechend einfach getauscht werden kann und im Falle der XSR900 auch ist. Die Sitzbank ist besser gepolstert, an der Spitze deutlich breiter und bietet dem Fahrer eine gut ausgeformte Sitzkuhle.

Die XSR bietet insgesamt mehr für das Auge. Den Lampenhalter haben wir bereits erwähnt, am hinteren Rahmendreieck ist ebenfalls massives Aluminium verbaut. Der knubbelige Auspuff ist rund und mit einer alu-farbenen Kappe versehen, das komplette Motorrad hüllt sich ansonsten in Mattschwarz. Für den Autor wirkt die XSR900 optisch stimmiger als der Organspender. Bei der MT-09 klafft an der Front irgendwie eine Lücke zwischen den Instrumenten und dem tief nach unten gezogenen Scheinwerfer. Die XSR-Front trägt da die schönere und klassischere Nase. Wobei man sich schwer tut von einem klassischen Motorrad zu sprechen. Sicher sind klassische Elemente vorhanden, grundsätzlich handelt es sich dennoch unverkennbar um ein Zweirad moderner Bauart, was dem positiven Eindruck keinen Abbruch tut.  Der setzt sich zum Beispiel bei dem Instrument fort. Das einzelne Rundinstrument zeigt alle notwendigen Informationen, die Kontrollleuchten sind kreisförmig um die Digitalanzeige angeordnet. Einzig die Drehzahl lässt sich aufgrund der winzigen Ziffern nicht gut ablesen.

Besonders gut gefällt uns die Farbvariante 60th Anniversary, neben dem auffälligen Tank im Kenny Roberts-Design ist die Gabel goldfarben eloxiert. Bei den Farbvarianten Rock Slate (Blau) und Garage Metal (Grau) hüllt sich die Gabel in Schwarz. Preislich geht es bei 9.495 Euro los, 60th Anniversary kostet 300 Euro mehr. Macht für die XSR900 mindestens 1.100 Euro mehr als die in wesentlichen Punkten technisch identische MT-09

Motor Yamaha XSR900 - kraftvoller und moderner Drilling

Es gibt jedoch nicht nur optische, sondern auch technische Unterschiede zu den Schwestermodellen. Der Antrieb entspricht den EURO 4 Vorgaben. Die Spitzenleistung liegt bei 115 PS, das Drehmoment bei 87,5 NM. Geblieben sind die 3 Fahrmodi Standard (STD) sowie A und B. Yamaha verspricht eine deutlich angenehmer Gasannahme, die harschen Lastwechsel bei den Schwestermodellen waren ein häufig genannter Kritikpunkt. Der Standardmodus arbeitet bei voller Leistung mit normalem Leistungseinsatz, Modus A ist der sportliche mit möglichst direkter Gasannahme, Modus B arbeitet mit etwas weniger Spitzenleistung bei weichem Leistungseinsatz. Die mehrstufige Traktionskontrolle arbeitet unabhängig von den Fahrmodi. Sie kennt 3 Stufen: Stufe 2 mit hohem Regelanteil, Stufe 1 mit geringerem und drittens lässt sie sich komplett abschalten. Sämtliche Einstellung lassen sich vom Lenker aus bedienen. Rechts wird der Fahrmodus gewählt, funktioniert auch während der Fahrt. Die Traktionskontrolle lässt sich von der linken Lenkerhälfte aus wechseln, allerdings nur im Stand.

Yamaha XSR900 07

Eine echte Wucht ist weiterhin der Dreizylinder. Spontaner Antritt bei niedrigen Drehzahlen gepaart mit Drehfreude und vor allem: ordentlich Schmackes! Dass man die Drehzahl nicht wirklich gut ablesen kann, spielt im Grund keine Rolle, denn der Drilling lässt den Fahrer nie im Unklaren wie er sich fühlt. In der Regel bedeutet dies: Vortrieb! Dementsprechend breit ist das Einsatzgebiet. Es lässt sich locker im großen Gang durch die Lande rollen, oder aber mit höherer Drehzahl sportlich durch die Gegend ballern. Einfach herrlich. Die Gasannahme hat sich tatsächlich etwas verbessert, ist aber im A-Modus noch immer viel zu ruppig. Standard funktioniert viel akzeptabler, wir waren dennoch im weicheren B-Modus unterwegs. Von Leistungsbegrenzung war nichts zu spüren, dafür geht die XSR900 sehr sanft ans Gas und schiebt dennoch an wie vom Affen gebissen. Dabei zeigt er gute Manieren und lauf mechanisch angenehm ruhig. Der typische Dreizylindersound ist in Beschleunigungsphasen zwar präsent, etwas weniger Zurückhaltung seitens Yamaha hätte uns aber noch besser gefallen. Die Schaltbox funktioniert ebenfalls prima, Gangwechsel gehen leicht und präzise vom Fuß.

Fahreindrücke XSR900 - die kann mehr als nur gut aussehen!

Die Sitzposition auf der XSR900 ist sehr angenehm. Durch die recht hohe Gesamterscheinung sitzt man eher auf als im Motorrad, dies hat sie mit der MT-09 gemein. Dadurch ergibt sich allerdings auch ein entspannter Kniewinkel bei gleichzeitig recht hoher Schräglagenfreiheit. Da der Tank etwas länger baut als auf der 09, sitzt der Fahrer ca. 5 cm weiter hinten. Da die Fußrastenposition allerdings unverändert blieb, sind die Füße etwas weiter vorne positioniert. Ein deutlicher Fortschritt ist die neue Sitzbank. Währen beim Schwestermodell der Hintern des Fahrers schon recht früh nach einer Pause verlangt, hält man es auf der XSR900 deutlich länger aus. Sie ist besser gepolstert, breiter und bietet dem Fahrer eine angenehme Sitzkuhle.

Bei dem bekannt spritzigen Motor ist eine gewisse Vorfreude durchaus berechtigt, allerdings hinterließ in der Vergangenheit das schlappe Fahrwerk bei der MT-09 einen faden Beigeschmack. Yamaha hat reagiert und der XSR900 eine straffere Abstimmung verpasst. So ist die XSR an Front und Heck in der Federvorspannung sowie der Zugstufe der Dämpfung einstellbar. Bereits das Basis-Setup taugt hervorragend für zügige Fortbewegung. Die Yamaha lenkt gut ein und hält zuverlässig die angepeilte Linie. Es lässt sich gut in Kurven hineinbremsen, eine Aufstellneigung beim Bremsen in Schräglage ist nicht festzustellen. Die montierten Bridgestone S20 bieten dazu noch hervorragenden Gripp. Da auch das Handling passt, hat Yamaha mit der XSR900 ein gutes Package geschnürt. Die Kombination aus kraftvollem Drilling, aufrechter und komfortabler Sitzposition sowie strafferem Fahrwerk passt wie ein gut sitzender Handschuh.

Yamaha XSR900 02

Der Motor sorgt für Leistung in allen Lagen, ist unglaublich elastisch. Ob man nun im niedrigen Gang durch die Kurven swingt oder mit höherer Drehzahl sportlich unterwegs ist, die sanfte Gasannahme im Modus B macht es dem Fahrer sehr leicht. Selbst im sanftesten Modus kann die Nase der XSR900 schon man bei heftiger Beschleunigung im kleinen Gang aus der Kurve raus nach oben gehen. Dank der hohen Schräglagenfreiheit ist man nach kurzer Zeit sehr flott unterwegs. Das größte Plus ist das straffere Fahrwerk. Kein plötzliches Einsacken der Gabel beim Gaswegnehmen, kein Pumpen am Heck auf welliger Fahrbahn. Ist das Geläuf dann nicht ganz perfekt, spürt sich das Ansprechverhalten speziell am Heck ein wenig hölzern an. Ob man damit gut leben kann? Und wie!

Fahrerausstattung: Helm X-Lite X-661, Jacke Dane Limfjord, Hose Held Jeans Fame II, Schuhe Büse B58