Suzuki SV650 - Fahrbericht

Suzuki SV650 - Fahrbericht


Back to the Roots

Suzuki besinnt sich auf die erfolgreiche Vergangenheit und belebt die SV650 neu. Die besticht mit Eigenschaften die die Urahnin so beliebt gemacht hat: klassische Optik und ein in dieser Klasse einzigartiger V2, das ganze Euro 4 homologiert. Wir durften uns von den Qualitäten der neuen SV650 unweit von Barcelona überzeugen.

Die SV650 war eine echte Erfolgsgeschichte für Suzuki. Egal ob als Nackte oder mit sportlicher Halbschale – die 650er kam super an und begeisterte eine große Menge Zweiradler, meistens Einsteiger. Während die Konkurrenz ihre Reihenzweier mit technischen Kniffen den Charakter eines V2 verleihen wollten, bauten die Jungs und Mädels von Suzuki eben einen echten V2. Damit unterschied man sich wohltuend von anderen, das besagter V2 ein echter Leckerbissen war und sich nach mehr anfühlte und –hörte, tat ein Übriges. Doch dann änderte Suzuki sein Erfolgskonzept, lutschte die SV rund und verpasste ihr einen neuen Namen: die Gladius war geboren. Die war grundsätzlich kein schlechtes Motorrad, wirkte insgesamt nicht stimmig. Innerhalb des Suzuki-Programms zählte sie zwar noch zu den Bestsellern, mit der Konkurrenz vom Schlage einer ER-6n oder gar einer MT-07 konnte sie nicht mehr mithalten.

Für diese Saison besinnt sich Suzuki daher der erfolgreichen Zeiten und besinnt sich mit der neuen SV650 auf alte Tugenden. So steht mit der neuen SV ein schnörkelloses Motorrad mit klassischem Rundscheinwerfer auf der Straße. Schmale Taille, schlanker Tank, dazu der schöne Gitterrohrrahmen mit dem V2 als tragendes Element. Auf den ersten und auch zweiten Blick ein schickes Stück Motorrad und kein Vergleich zur schnörkelig-pummeligen Gladius. Die insgesamt gute Verarbeitung und passende Materialwahl lassen die SV650 wertig erscheinen, der Rotstift ist auch bei näherer Betrachtung nicht zu finden. Natürlich ist ein konifizierter Lenker schicker als das dürre 22-Millimeter-Rohr und selbstverständlich gibt es schickere Lösungen als die einfache Kastenschwinge am Heck, negativ auffallen tut es dennoch nicht. Das komplett digitale Instrument stammt übrigens von der GSX-S1000 und passt hervorragend zur SV.

Drei Dinge waren Suzuki bei der Entwicklung besonders wichtig: Fokussierung auf den V2, also den Charakter des Antriebs mehr in den Vordergrund stellen. Dazu stand eine Diät auf dem Programm, die SV musste leichter werden. Und letztendlich sollte sie es dem Fahrer oder Fahrerin sehr einfach machen sich mit ihr anzufreunden. Das mit der Fokussierung auf den V2 ergibt sich weitestgehend aus der Wahl des Namens: SV650. Die Diät hat durchaus Früchte getragen, die SV ist ganze 8 Kilo leichter als die Vorgängerin. Um es dem Fahrer leichter zu machen, hat sich Suzuki einiges einfallen lassen. Da ist beispielweise die niedrige Sitzhöhe von 785 Millimetern, ganze 20 mm niedrige als die Konkurrenz. Zusätzlich erleichtern der schlanke Tank und der schmale Schnitt der Sitzbank den Bodenkontakt. Das Easy Start genannte Feature erleichtert den Startvorgang. Der Starter muss nur noch kurz gedrückt werden, den eigentlichen Startvorgang erledigt Easy Start. Langes Starter-drücken bis der Motor läuft, entfällt damit. Einsteiger werden sich über den Low RPM Assist freuen. Lässt man die Kupplung bei eingelegtem ersten Gang langsam kommen, erhöht die Elektronik kurz vorm dem Einkuppelvorgang die Drehzahl und das Motorrad nimmt ohne Gas behutsam Fahrt auf. Das Abwürgen des Motors wird so erfolgreich verhindert.

Suzuki SV650 07

Erfreulicherweise schlägt sich das Plus an Ausstattung nicht im Preis nieder. Los geht es bei 6.395 Euro für die SV650 in Schwarz. Als Farbalternative gibt es die SV in Weiß mit blauem Zierstreifen sowie in Rot mit weißem Zierstreifen, für die dann allerdings ein Aufpreis von 100 Euro fällig ist. Wer möchte kann sein Motorrad mit allerlei Zubehör ausstatten: Sondersitzbank, Auspuff, LED-Blinker, Motorspoiler, Instrumentenabdeckung, Sturzpads, Gepäcklösungen – die Auswahl ist groß, Preise stehen zu dem jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht fest.

Motor Suzuki SV650 – charaktervoller V2 statt Twin mit V2-Charakter

In diesem Segment spielt Suzuki mit der SV650 in Bezug auf das Antriebskonzept tatsächlich in einer eigenen Klasse, der V-Motor ist hier einmalig. Um die Euro 4 Hürde zu nehmen, hat man den bekannten V2 gründlich überarbeitet: Zylinderköpfe, Einspritzung, Air Box, Kühlung und Auspuff kamen unters Messer. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Aus 645 Kubik schöpft die SV650 insgesamt 76 PS und hat damit die höchste Leistung in der Klasse. Das Drehmoment liegt weiter bei 64 NM, allerdings erst bei 8.100 Umdrehungen statt 6.400 bisher. Ein Fakt der uns später noch einmal begegnen wird. Der Auspuff speckte deutlich ab und ist 3,5 Kilo leichter als bisher.

Suzuki SV650 21

Im Fahrbetrieb kann der V2 voll und ganz überzeugen. Wer mit einem V2 schlechte Gasannahme und zickiges Verhalten bei niedriger Drehzahl verbindet, wird von der SV650 eines besseren belehrt. Ab Standgas verwöhnt diese mit sanfter Gasannahme und linearer Leistungsentfaltung. Zwar legt sich der V2 im Keller tapfer ins Zeug, aber erst mit steigender Drehzahl nimmt der Vortrieb zu, eher sportlich elastisch als bullig. Dafür zeigt sich das Triebwerk sehr drehfreudig und unterstreicht damit den sportlichen Charakter. Der Motor selbst läuft mechanisch ruhig und weitgehend frei von Vibrationen. Zum Ausgleich verwöhnt er mit gelungenem V2-Sound mit vernehmbarer Note. Schon im Stand ist für einen guten Klangteppich gesorgt, beim Beschleunigen und erst recht bei hohen Drehzahlen wird es auch akustisch sportlich. Und hier liegt der Unterschied zur Konkurrenz, der Sound und die Charakteristik des V2 ist eigenständiger. Die Twins der Konkurrenz wirken beliebiger, weniger emotional. Dazu passt das gut funktionierende 6-Gang-Getriebe, es erledigt seine Schaltarbeit präzise und unauffällig.

Fahreindrücke SV650 – wendiges Fahrwerk trifft auf sportlichen Antrieb

Platz genommen auf der SV650 – alles passt auf Anhieb, typisch Naked Bike. Die niedrige Sitzhöhe und der schmale Schrittbogen wurden ja bereits erwähnt. Der Lenker liegt gut in der Hand, könnte vielleicht etwas breiter sein. Der Kniewinkel geht trotz der Sitztiefe in Ordnung, der schmale Tank sorgt für guten Knieschluss. Insgesamt fühlt man sich gut unterbracht und hat einen guten Kontakt zum Motorrad. Das von der 1000er bekannte Instrument lässt sich gut ablesen und bietet von der Tank- bis zur Ganganzeige alles was man braucht. Die Bedienung geht sehr einfach von der Hand und ist weitgehend selbsterklärend. Leider lässt sich das Instrument nicht vom Lenker aus bedienen, dies ist jedoch klassenüblich. Die Sicht nach hinten könnte besser sein, gut die Hälfte der Fläche geht für die eigenen Schultern drauf.

Suzuki SV650 15

Fahrwerkseitig hat Suzuki laut eigener Aussage zur Gladius nichts verändert. Vorne arbeitet eine Telegabel mit 41 mm Durchmessern die nicht einstellbar ist, es stehen 125 mm Federweg zur Verfügung. Hinten arbeitet ein Zentralfederbein in der Kastenschwinge. Dieses lässt sich zumindest 7-fach in der Vorspannung variieren und hat 130 mm Federweg. Gebremst wird vorne mit 2 Scheiben mit jeweils Doppelkolben, an der hinteren Scheibe kommt man mit einem Kolben aus. ABS ist serienmäßig und weder einstell- noch abschaltbar. Schon in den ersten Kurven mag man der SV650 die fahrwerkseitige Verwandtschaft zur Gladius kaum glauben. Die hatten wir wenig präzise und unterdämpft in Erinnerung. Damit hat die SV nix am Hut, im Gegenteil. Sehr handlich, präzise und sehr gut ausbalanciert präsentiert sich die Suzuki als echte Kurvenfeile. Dem Einsteiger macht sie damit das Leben sehr leicht, dem geübten Fahrer bietet sie alles was dessen Herz begehrt – und mehr.

Suzuki SV650 03

Gerade bei sportlicher Gangart überrascht die SV650 mit Qualitäten die man ihr auf Anhieb nicht zutraut. Einmal mehr zeigt sich das eine sauber abgestimmte Gasannahme verschiedene Fahrmodi überflüssig macht. Der V2 geht auch bei hohen Drehzahlen sanft ans Gas, dieses lässt sich entsprechend gut dosieren. Zum hervorragenden Handling kommt noch hohe Lenkpräzision oder einfacher ausgedrückt: die SV lässt sich einfach umlegen und fährt exakt dahin wo es der Fahrer haben will. Speziell auf engen und winkligen Straßen macht die Suzuki einen Riesenspaß. Hier spielt sie alle Trümpfe aus, der Wunsch nach mehr Leistung kommt nie auf. Aber auch in schnellen Passagen mit langgezogenen Kurven kann die SV überzeugen. Auch hier hält sie die angepeilte Linie und lässt sich durch Bodenwellen nicht aus der Ruhe bringen. Das Fahrwerk spricht sowohl vorne wie hinten sensibel an und zeigt sich ausreichend gut gedämpft. Die fehlenden Einstellmöglichkeiten an der Gabel haben wir auch bei forscher Fahrweise nicht vermisst, das Federbein ist straff gedämpft aber ausreichend komfortabel. Die Bremse verzögert ausreichend, wirkt aber etwas stumpf. Das geht für ein Einsteigermotorrad völlig in Ordnung. Alles in allem verwöhnt die SV650 mit einem unglaublich breiten Einsatzspektrum, beherrscht sowohl die gemütliche als auch sportliche Gangart. Dementsprechend ist der Spaßfaktor enorm hoch. Der wird sogar recht spät von den sehr langen Angstnippeln gebremst. Gerade rechts herum sind die jedoch notwendig, denn kurz nach ihnen nimmt der Auspuff Kontakt zur Straße auf. Dann ist man aber zugegebenermaßen sehr zügig unterwegs. Und warum? Weil man es halt kann!