Yamaha FJR1300, BMW R1200RT und Triumph Trophy – Vergleich

Yamaha FJR1300, BMW R1200RT und Triumph Trophy – Vergleich


Britisch, Bayerisch oder Japanisch "Way of Touring"?

Es ist geschafft – die FJR1300 hat einen 6. Gang bekommen. Natürlich nicht nur den, sondern noch einiges mehr. Daher darf sie sich gleich mit der europäischen Konkurrenz messen. Mit der BMW R1200RT und der Triumph Trophy stehen zwei gewichtige Vergleichspartner bereit – und das nicht nur aus reinen Kilo-Aspekten.

2001 beglückte Yamaha die Motorradwelt mit der FJR1300 – und traf den Nerv der Zeit. Dicker Reihenvierer mit ordentlich Leistung und viel Druck im Keller. Den Antrieb kombinierten die Japaner mit tourentauglicher Unterbringung von Fahrer, Beifahrer und Gepäck, verpassten der FJR aber ein schnittiges Styling was wenig mit den Tourer-Schrankwänden der Konkurrenz gemein hatte. Entsprechend konnte man damit sehr lange auf Tour sein, aber auch ordentlich um die Ecken fegen. Ein Star war geboren. In den folgenden Jahren sonnten sich die Erbauer allerdings mehr in ihrem Erfolg als der FJR die immer dringender notwendige Modernisierung zukommen zu lassen. So sank der Stern immer weiter, trotz der einen oder anderen Überarbeitung. Damit ist jetzt endgültig Schluss! Für die Saison 2016 hat Yamaha die FJR1300 gründlich in die Mangel genommen und ordentlich aufgerüstet. Und ja: sie hat endlich einen 6. Gang. 

Darüber hinaus ist alles an Bord was man braucht (oder auch meint zu brauchen). Ganz vorne dabei das konkurrenzlos helle LED-Licht an der Front, hier wird tatsächlich die Nacht zum Tag. Dann ist da noch das elektronisch geregelte Fahrwerk, Anti-Hopping-Kupplung, Tagfahrlicht, Kurvenlicht, Fahrmodi, Traktionskontrolle, Tempomat, Heizgriffe sowie einstellbarer Sitz und Lenker und ein Kofferset. Da kann man nicht meckern, auch wenn es lange gedauert hat. Wir reden hier aber wohl gemerkt von der Topversion FJR1300AE die immerhin mit 18.995 Euro (zzgl. Nebenkosten) zu Buche schlägt. Die schlanker ausgestattete Basisversion ist für 15.795 Euro zu haben.

Auf den ersten Blick könnte man meinen die BMW R1200RT sei im Gegenzug ein Schnäppchen. Wenn man sich auf die Basis beschränkt ist man mit 17.650 Euro tatsächlich günstiger unterwegs. Unser Testmotorrad ist allerdings komplett ausgestattet, also mit semiaktivem Fahrwerk, Quickshifter, Keyless Ride, Tempomat, Berganfahrhilfe, Navi, Koffer plus Topcase inklusive Innentaschen, Audiosystem sowie Griff- und Sitzheizung. Wahrscheinlich haben wir das eine oder andere sogar vergessen. Der Preis für diese Herrlichkeit: 23.796 Euro, macht also 6.146 Euro Zusatzausstattung. Da ist natürlich Technik drin, die die Konkurrenz nicht einmal im Angebot hat. Aber im Fall der Yamaha legt man noch 200 Euro drauf und stellt sich noch eine MT-03 in die Garage.

Die Triumph Trophy ist in diesem Vergleich eindeutig das Schnäppchen – wenn man dies bei einem Preis von 18.670 Euro überhaupt so formulieren kann. Sie ist ähnlich wie die Yamaha ausgestattet, zwar hat sie keine LED-Scheinwerfer, aber ein Audiosystem und Packtaschen für die Koffer. Auch bei ihr lässt sich das Fahrwerk elektronisch einstellen, die semiaktive Regelung bietet nur die BMW. Ansonsten gilt auch bei der Britin: volles Paket. 

Yamaha FJR1300 – sportliches Touren ist Programm

Schick ist sie, die FJR1300. Obwohl auch sie ein mächtiges Teil ist, hat sie nicht ganz den Schrankwand-Charakter der beiden Konkurrentinnen. Sie fühlt sich insgesamt – kleiner ist das falsche Wort, besser: weniger groß an. Aber nicht leichter, mit 295 Kilo liegt die Yamaha gleichauf mit der Triumph, die BMW drückt 20 Kilo weniger auf die Waage. Und beim Rangieren spürt man jedes einzelne Pfund. Hat man jedoch erst einmal Platz genommen, startet das Wohlfühlprogramm. Die Sitzposition ist sehr kommod mit leicht nach vorne gebeugtem Oberkörper. Ohne den Vergleich zur Konkurrenz würde dies gar nicht auffallen, so fühlt sich die Yamaha gleich mal etwas sportlicher an. Instrumente, Bedienung – passt alles, auch ohne Blick ins Handbuch. Zwar nicht ganz so intuitiv wie auf der BMW, aber um Klassen besser als bei der Triumph. Alles ist penibel verarbeitet, der matte Lack kommt richtig edel rüber. Die Koffer sind schick und fügen sich gut ins Gesamtbild ein, bieten allerdings nicht gerade üppigen Stauraum.

Yamaha FJR1300 01
 

Richtig Volumen hat dafür der dicke Reihenvierer. 1.298 Kubik reichen locker für 146 Pferde bei gemäßigten 8.000 Umdrehungen, bei 1.000 weniger drückt die FJR1300 mächtige 138 NM Drehmoment. Das Triebwerk hat hervorragende Manieren, nimmt in jedem Drehzahlbereich sauber Gas an und liefert dumpfen, aber auch etwas zurückhaltenden Vierzylinder-Sound. Selbst bei Standgas ist Vollgas problemlos möglich, kein Verschlucken, kein Rumgezicke. Allerdings auch weniger Vortrieb als erwartet. Trotz knapp 1300 Kubik braucht die FJR ein wenig um in die Puschen zu kommen, dann legt sie aber umso mächtiger los. Das stempelt sie im Drehzahlkeller beileibe nicht zum Standeisen, ein Drehmomentbulle ist aber auch nicht. Wieder zeigt sie ihre sportliche Seite und zwar auf eine sehr geschmeidige Art. Legt kontinuierlich an Leistung nach und lässt sich aufgrund ihrer sanften Gasannahme gut beherrschen. Dementsprechend ist man auf der Landstraße eher im 5. als im 6. Gang unterwegs. Der ist als Overdrive drehzahlschonend ausgelegt und kommt eher bei Konstantfahrt sowie der Autobahn zum Einsatz. 

Womit wir auch schon bei den Fahreigenschaften sind. Die gute Sitzposition hatten wir schon erwähnt, dazu gesellt sich noch der gute Windschutz. Gut, aber nicht sehr gut. Denn selbst in der höchsten Stellung liegt der Helm noch größtenteils im Wind, Schultern und Oberkörper sind allerdings komplett entlastet. Die Konkurrenz schirmt den Fahrer bei Bedarf komplett ab – bietet dann allerdings erst recht die Stirnfläche der bereits erwähnten Schrankwand. Alles eine Frage des persönlichen Geschmacks, der Autor bevorzugt die Yamaha. Für perfekten Wetterschutz gibt es nun mal Autos. Vom hohen Gewicht ist während der Fahrt nicht wirklich viel zu spüren, einmal in Bewegung wirft die FJR1300 scheinbar Gewicht ab. Das Handling geht für ein Motorrad dieser Gewichtsklasse mehr als in Ordnung, zumal die Yamaha recht präzise einlenkt und die angepeilte Linie gut hält. In Verbindung mit der etwas sportlicheren Sitzposition macht es viel Spaß mit der FJR um die Ecken zu fliegen. Das Fahrwerk spielt dabei gut mit, zeigt sich komfortabel aber ausreichend straff gedämpft. Je nach Bedarf lässt es sich elektronisch verstellen, der Fahrer hat die Wahl zwischen Soft, Standard und Hard. Zusätzlich hat man die Wahl zwischen verschiedenen Beladungssituationen. Damit hat man je nach Gusto das passende Programm: Standard passt für die meisten Fahrsituationen perfekt, die Federung zeigt sich schluckfreudig, die Dämpfung arbeitet sensibel und spricht sensibel an. Ist man sportlich unterwegs, sorgt Hard für die notwendige Härte. Allerdings bleibt die FJR eher schneller Gleiter als Supersportler.

Ein Highlight im wahrsten Sinne des Wortes ist das LED-Licht. Schon das Abblendlicht ist extrem hell und leuchtet die Straße sehr gut aus. So manche mag Kurvenlicht belächeln, bei der FJR1300 arbeitet es hervorragend und leuchtet die Straße noch besser aus. Nimmt man dann noch das Fernlicht dazu, bleibt dem Auge nichts verborgen. Da können weder die BMW noch die Triumph mithalten.

BMW R1200RT – Ausstattungswunder mit Boxerpower

Die R1200RT ist für viele der Tourer schlechthin. Und das sicher zurecht. Denn sie zeigt einen unglaublichen Reifegrad, wirkt durchdacht von der ersten bis zur letzten Schraube. Es ist schon erstaunlich wie einfach sich ein solch komplett ausgestattetes Motorrad bedienen lässt. Da zeigt BMW der Konkurrenz seit Jahren wo der Hammer hängt und die tut sich weiterhin schwer da mitzuhalten. Da fragt man sich schon wieso eigentlich? BMW hatte ja auch kein Problem den „normalen“ Blinker der Konkurrenz zu übernehmen. Doch zurück zur RT. Zwar ist sie die leichteste in diesem Vergleich, auch mit ihr ist Rangieren alles andere als ein Vergnügen. Dies endet aber sobald man aufgesattelt hat. Ein Fahrerplatz wie ein Ohrensessel, betont aufrechte Sitzposition mit gutem Anschluss an den Lenker. Man fühlt sich sehr gut in das Motorrad integriert. Lediglich der Kniewinkel ist etwas spitzer als bei den beiden Konkurrenten. Dies tut der Langstreckentauglichkeit jedoch keinen Abbruch. Gepäck ist dabei jederzeit willkommen. Die beiden Koffer haben mehr Volumen als die der Konkurrenten und lassen sich auch besser beladen. Nimmt man noch das (optionale) Topcase dazu, sollten sich eventuelle Gepäcksorgen erledigt haben.

BMW R1200RT 01
 

Ähnlich souverän: der Antrieb. Der bekannte 1200er Boxer hat die Power genau da wo die meisten Fahrer sie haben wollen: im Drehzahlkeller und der Mitte. Aus 1.170 Kubik schöpft der Boxer 125 PS bei 7.750 Umdrehungen und stemmt 125 NM bei 6.500 U/Min. Er tritt bei niedrigen Drehzahlen spürbar kräftiger an als die Konkurrenten. Die Yamaha kann da nicht mithalten, selbst der bärige Drilling der Triumph kommt da ins Schwitzen. Allerdings holen beide kurz darauf mächtig auf und ziehen dann sogar vorbei. Letztendlich haben sowohl die FJR1300 als auch die Trophy ein deutliches Leistungsplus und dies macht sich spätestens bei (sehr) hohen Geschwindigkeiten bemerkbar. Ist die BMW deshalb langsamer oder hat im Alltag gar das Nachsehen? Ganz und gar nicht. Denn wie bereits oben geschrieben: sie hat den Punch da wo ihn die meisten wollen. In Verbindung mit dem bassigen Boxersound macht es mächtig Spaß den Takt mit der rechten Hand vorzugeben. Das Getriebe schaltet sich sehr gut, war nicht immer so. Der Quickshifter hat bei uns einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Bei Vollgas arbeitet er sehr gut, darunter kann es schon man ungemütlich weil ruckelig werden. Bei den Reihenvierern von BMW ist er eine absolute Empfehlung, beim Boxer brauchen wir ihn nicht.

Trotz der stattlichen Ausmaße lässt sich die R1200RT sehr leicht bewegen. Der niedrige Schwerpunkt und die breite Lenkstange sind hier große Hilfen. Lediglich bei Schrittgeschwindigkeit ist erhöhte Konzentration gefragt, auf dem Vorderrad lastet nun einmal viel Gewicht. Aber diese Eigenschaft teilt sich die BMW mit der Yamaha und der Triumph. Ansonsten ist man einfach nur wunderbar auf der BMW untergebracht. Der Wind- und Wetterschutz ist annähern perfekt. Bei Bedarf kann man sich dem Fahrtwind fast komplett entziehen, selbst in der niedrigsten Einstellung der Scheibe ist man sehr gut geschützt. An warmen Tagen kann es da hinter dem Windschild schon mal recht warm werden. Grundsätzlich macht einem die RT das Leben sehr leicht. Per Knopfdruck lässt sich das Fahrwerk auf die gewünschte Konfiguration einstellen. Das Handling ist überraschend leicht, da hat die Konkurrenz klar das Nachsehen. Gefühlt spielerisch lässt sich die BMW in Schräglage bringen, bleibt dabei lammfromm und hält die angepeilte Linie. Das Fahrwerk bügelt dabei so ziemlich alles glatt was die Straße an Aufwerfungen zu bieten hat, auf einer Buckelpiste kann aber auch die BMW keine Wunder vollbringen. Allerdings vermisst man etwas das Feedback der Straße, die BMW fährt sich problemlos und sicher, aber auch etwas entkoppelt. Hier bietet speziell die FJR1300 mehr Gefühl für die Straße, sorgt einfach für ein besseres Gefühl bei flotter Gangart. 

Triumph Trophy SE – bäriger Drilling mit Langstreckenqualitäten

Die Trophy gibt es in Deutschland ausschließlich in der komplett ausgestatteten SE-Variante. Trotz einiger Jahre Bauzeit trifft man sie nicht oft auf den Straßen, dabei hat sie einiges an Qualitäten. Verarbeitung und Finish sind auf einem hohen Niveau, die Ausstattung darf man gerne als komplett bezeichnen. Der Fahrer findet ein ähnlich kommodes Plätzchen wie auf der BMW vor, allerdings sitzt man mehr auf dem Motorrad. Die Instrumente sind gut ablesbar, die Bedienung ist – na ja. Verschachtelte Menu-Führung, unklare Bedienung, kurz: so sollte man es besser nicht machen. Mittlerweile wissen die Kollegen wie man es besser geht, die aktuelle Tiger Explorer bietet hier keinerlei Ansatz für Kritik. Sehr gut ist bei der Trophy der Windschutz, man muss Schrankwände halt mögen. Die Koffer bieten mehr Volumen als die der FJR, bleiben aber etwas hinter der RT.

Triumph Trophy SE 01

Beim Antrieb hat die Trophy ihren großen Auftritt. Der Reihendreier schöpft aus 1.215 Kubik insgesamt 134 PS bei 8.900 Umdrehungen, bereits bei 6.450 steht das maximale Drehmoment von 120 NM an. Im Drehzahlkeller ist die BMW noch leicht überlegen, doch dann zeigt der Drilling was Sache ist und schiebt wie ein Ochse. Da hat die BMW ihre Not mit zu halten, die Yamaha kommt erst mit steigender Drehzahl mit. Dazu verwöhnt die Triumph mit sauberer Gasannahme und hält sich auch in Sachen Sound nicht zurück. Der Antrieb röchelt und trompetet den typischen Dreizylinder-Klang heraus, ist keine Krawalltüte aber für einen Tourer herrlich emotional. Ein echter Kracher dieser Motor. Unten ähnlich viel Power wie beim Boxer und oben raus drehfreudig wie der Reihenvierer.

Kommen wir zu den Fahreigenschaften der Trophy. Auch hier gilt: reichlich Masse, im Fall der Triumph mit hohem Schwerpunkt. Für sich alleine gefahren, gar kein Problem. Im Vergleich fällt der hohe Schwerpunkt dann jedoch auf. Zwar lässt sich die Trophy recht leicht abwinkeln und hält die eingeschlagene Linie, aber man hat immer das Gefühl sie fällt quasi in Schräglage. An sich völlig unproblematisch, steigt man von der Yamaha oder der BMW auf die Triumph um, fühlt es sich komisch an. Es dauert dann eine Weile bis man Vertrauen fasst. Dann sind auch durchaus flotte Meter drin. Gerade bei diesem Hammer-Dreizylinder. Der hat für jede Situation die passende Antwort, schiebt mächtig aus der Kurve und röhrt herrlich beim Beschleunigen. Das Fahrwerk erledigt seinen Job bereits in der Grundeinstellung hervorragend, federt und dämpft sensibel mit einer grundsätzlichen Tendenz Richtung Komfort. So lassen sich auch mit der Trophy viele Kilometer am Tag abspulen. Wenn man täglich mit der Triumph unterwegs ist, lernt man sich mit der umständlichen Bedienung zu arrangieren.

Fahrerausstattung

Helm Schuberth S2 Sport, Jacke und Hose Alpinestars Valparaiso

Helm Schuberth C3 Pro, Jacke und Hose Rukka Armas

Helm Shoei NXR, Jacke und Hose Rukka Randroid

passende Wunderlich BMW Tuning-Produkte

  • Wunderlich Sicherheitspaket - schwarz
  • Wunderlich Kotflügelergänzung Extenda Fender - schwarz
  • Wunderlich Spoileraufsatz Vario-ERGO 3D - rauchgrau
  • Wunderlich Tankrucksack Kit - schwarz