Ducati Monster 1200 S 2017 – Fahrbericht

Ducati Monster 1200 S 2017 – Fahrbericht


Monster-Update

Ducati nutzt die Euro 4 Umstellung und verpasst der 1200er Monster eine gründliches Update. Es bleibt bei 2 unterschiedlichen Modellen: die Monster 1200 ist der Einstieg in die Top-Riege der Modellreihe, die 1200 S glänzt mit edleren Komponenten aber auch einem höheren Preis. Dafür haben beide ab 2017 identische Leistungsdaten. Wir hatten bereits jetzt die Möglichkeit die Monster 1200 in Südfrankreich zu fahren.

Die Monster ist die Ikone im Programm von Ducati. Kein anderes Modell blickt auf eine so lange Historie zurück: 23 Jahre ist es her das die Erfolgsgeschichte mit der M900 begann. Den Motor nahm man von der 900SS, aus 904 Kubik schöpfte der V2 77 Pferde, das Drehmoment lag bei etwas über 56 NM. Damals reichte dies noch um am Stammtisch Eindruck zu schinden, im Grunde reicht es wahrscheinlich noch heute um gepflegt um die Ecken zu fegen. Allerdings ist man damit am Stammtisch ganz weit hinten. Man könnte jetzt eine Grundsatzdiskussion starten ob es wichtiger ist am Stammtisch im Quartett-Spiel schlechte Karten zu haben oder auf der Straße mit Spaß unterwegs zu sein. Aber fügen wir uns den heutigen Gegebenheiten und genießen was Ducati uns mit der Monster 1200 so auf die Straße stellt.

Ducati spricht im Fall der Monster 1200 zwar von „neuem Design“, vergleicht man jedoch die Bilder der aktuellen 1200er mit der Vorgängerin, sind die Änderung marginal. Die 1200er Monster des Jahrgangs 2017 trägt das Nummernschild wieder klassisch oben am Heck, der Auspuff gleicht dem des Spitzenmodells Monster 1200 R. Dafür kommt auch die aktuelle Ausgabe der 1200er in 2 Versionen. Während diese sich bis dato sowohl in Leistung als auch Ausstattung unterschieden, haben die 2017er Modelle identische Leistungsdaten bei unterschiedlicher Ausstattung. Das Basismodell Monster 1200 kommt mit einer Kayaba Upside-Down Gabel mit einem Durchmesser von 43 mm, hinten arbeitet ein Sachs-Federbein. Die 1200 S hat an der Front eine Öhlins-USD-Gabel mit 48 mm Standrohren und am Heck ebenfalls edle Öhlins-Ware. Auch bei den Bremsen gibt es Unterschiede. Die Basisvariante hat eine Brembo 4-Kolbenanlage mit M4-32 Sätteln die 320 mm große Scheiben in die Zange nehmen, die S kommt mit M50-Sätteln von Brembo die sich in 330 mm große Scheiben verbeißen. Damit noch nicht genug, die Monster 1200 S hat den Quickshifter (hoch und runter ohne Kupplung) ab Werk an Bord, trägt andere Räder und an der Front ein Schutzblech aus Carbon.

Beiden gemein ist die weitgehend komplette Sicherheitsausstattung: das Ducati Safety Pack umfasst ein 3-stufiges Kurven-ABS von Bosch, die 8-stufige Traktionskontrolle und die 9-stufige Wheelie-Kontrolle. Die 3 Fahrmodi Sport, Touring und Urban komplettieren das Elektronik-Package. Weitere Unterschiede betreffen hauptsächlich Farbvarianten und Preis. Die Monster 1200 gibt es in Ducati Rot mit rotem Rahmen und schwarzen Rädern, weitere Farbvarianten gibt es nicht. Der Preis für die Basis-1200er liegt bei 14.190 Euro. Die Monster 1200 S kostet in gleicher Farbkombi 16.890 Euro, für Liquid Concrete Grey (Grau) mit schwarzem Rahmen sind 200 Euro Aufpreis fällig.

Der V2 ist die neueste Version des Testastretta-Antriebs und bietet laut Ducati über den gesamten Drehzahlbereich mehr Leistung und Drehmoment. Besonders im Fokus standen die Performance bei niedrigen Drehzahlen und ein möglichst sanftes Ansprechverhalten. Nicht immer eine Stärke bei der Monster, speziell die luftgekühlten Modelle waren da echte Zicken. Die Vorgängerin war da schon deutlich ziviler. Die nackten Zahlen verraten diesbezüglich noch nichts, können sich aber sehen lassen. Aus 1.198 Kubik schöpft der V2 immerhin 150 Pferde, das maximale Drehmoment von 126 NM ist ebenfalls nicht zu verachten. Beginnen wir beim Ansprechverhalten: für einen V2 dieser Hubraum- und Leistungsklasse wirklich absolut vorbildlich. Selbst enge Kehren lassen sich problemlos im 2. Gang fahren, grobe Verschlucker und Ruckler regelt die Elektronik komplett weg. Teilweise dann aber auch den Vortrieb. Es dauert einen kurzen Augenblick bis die Regeltechnik die Leistung frei gibt und die Monster 1200 entsprechend nach vorne prescht. Wer zügig unterwegs sein möchte, nimmt ganz enge Ecken im 1. Gang. Da die Monster weitgehend lastwechselfrei Gas annimmt, ist dies absolut problemlos machbar. Die wirklich gelungene Gasannahme macht es dem Fahrer sehr einfach die Leistung zu dosieren, auch bei hohen Drehzahlen. Eine echte Wohltat ist der Quickshifter. Der funktioniert wunderbar sowohl nach oben wie auch nach unten. Hochschalten funktioniert auch wenn man nicht gerade das Gas auf Anschlag hat problemlos, Runterschalten ebenfalls. Die Schaltassistenten der Boxermodelle von BMW sind hier zickiger. Allerdings verlangt die Ducati nach präziser Bedienung des Getriebes, sonst landet man auch mal zwischen den Gängen, auch wenn die Ganganzeige etwas anderes anzeigt. Die Suche nach dem Leerlauf kann übrigens zum Geduldsspiel werden, der Autor ist jedenfalls oft genug zwischen dem 1. und 2. Gang gewechselt ohne das grüne Lämpchen zu treffen.

Ducati Monster 1200 S 2017 12

Der Fahrer findet auf der Monster 1200 S ein wohliges Plätzchen vor. Die Sitzkuhle ist weiterhin kuschelig, der Platz für die Füße bauartbedingt weiterhin beengt. Dass das Heck 20 mm kürzer und der Tank etwas schmaler als bei der Vorgängerin ist, fällt nicht wirklich auf. Das Tankvolumen ist dann auch 1 Liter weniger, maximal 16,5 Liter passen jetzt rein. Auffälliger ist da schon das überarbeitete und jetzt farbige TFT-Display. Es ist konfigurierbar und (was wichtiger ist) wirklich gut ablesen. Bei Dunkelheit, z. B. durch einen Tunnel, schaltet die Hintergrundfarbe automatisch von Hell auf Dunkel. Alle relevanten Fahrzeuginformationen werden angezeigt und sind übersichtlich angeordnet. Auch der gewählte Fahrmodus und die Einstellung von ABS, Traktions- und Wheelie-Kontrolle sind gut sichtbar. Die Informationen bezüglich Tripzähler, Verbrauch, Restreichweite, etc. wählt man über den Schieberegler an der linken Lenkerhälfte, die Fahrmodi über einen kurzen Druck auf den Blinkerschalter. Will man tiefer in die Einstellmöglichkeiten der Monster 1200 eintauchen, einfach den Blinkerschalter für ein paar Sekunden drücken. Dann öffnet sich ein Menu in dem die einzelnen Einstellungen individualisiert werden können.

Unsere Testfahrt mit der betongrauen Monster 1200 S startet in Monte Carlo und geht direkt in das bergige und verwinkelte Hinterland der französischen Küste. Die Sitzposition ist hervorragend, man sitzt sehr gut in das Bike integriert, etwas Vorderrad-orientierter als bisher. Der V2 schiebt kräftig an, nimmt ab Standgas sauber Gas an, wenn auch zunächst etwas lustlos. Ab 2.500 ist spürbar mehr Wind in den Segeln, der sich schnell zum Sturm aufbaut. An Leistung und Drehmoment herrscht also kein Mangel, wobei die gewählte Strecke mit mehrheitlich engen Kurven keine endgültige Aussage zulässt. Für lange Arme beim Zwischensprint reicht es allemal. Der Sound ist einmal mehr trotz Euro 4 mehr als in Ordnung. Vielleicht nicht mehr so bassig wie bisher, etwas metallischer. Aber noch immer Gänsehaut-geeignet.

Ducati Monster 1200 S 2017 04

Spätestens bei der ersten Kurve gewinnt die Monster 1200 S das Fahrerherz. Die Vorgängerin war schon nicht gerade ein unhandlicher Klotz, die aktuelle 1200er legt aber nochmal eine Schippe drauf. Wieselflink biegt die Duc um die Ecken, lässt sich spielerisch in Schräglage bringen. Dabei bietet sie ein hohes Maß an Lenkpräzision, hält zielgenau die eingeschlagene Linie. Im auf und ab der engen Kehren fühlt man sich als sitze man auf einem wesentlich kleineren Motorrad. Die ab Werk montierten Pirelli Diablo Rosso III harmonieren hervorragend, bieten trotz einstelliger Temperaturen tollen Gripp und sehr gutes Feedback. Gleiches gilt für die Stopperware von Brembo, gute Dosierbarkeit und ein sauberer Druckpunkt sorgen für ein gutes Gefühl. 

Alles gut also? Im Wesentlichen ja, zumindest solange die Fahrbahnoberfläche von guter Qualität ist. Dann liegt die Monster 1200 S wie das sprichwörtliche Brett. Die Schräglagenfreitheit ist auf der Landstraße sehr hoch, schnell ist man sportlich unterwegs. Die Öhlinsware am Heck federt und dämpft hervorragend, erledigt seine Arbeit im besten Sinne von unauffällig. Da kann die ebenfalls von Öhlins stammende Gabel nicht ganz mithalten. Hier hat Ducat den sportlichen Gedanken etwas zu wörtlich genommen. Auf einer unebenen Strecke mit vielen kurzen Stößen spricht die Front etwas trocken und verzögert an, was einem in Schräglage schon mal die Linie vermasseln kann. Ist man entsprechend sportlich unterwegs und bremst eine Kurve etwas stärker an, wird die Monster 1200 S etwas nervös. Für ein anderes Set-Up der voll einstellbaren Gabel blieb leider keine Zeit, es sollte aber aus unserer Sicht problemlos eine passendere Einstellung möglich sein.