Yamaha MT-09 2017 – Fahrbericht

Yamaha MT-09 2017 – Fahrbericht


Update mit geschärften Krallen

Nach 3 Jahren Bauzeit überarbeitet Yamaha die MT-09. Damit diese weiterhin ein Erfolgsmodell bleibt, bekommt sie ein kräftiges Technik-Update und rückt optisch näher an die große Schwester MT-10 heran. Wir sind die neue MT-09 auf der Deutschen liebster Insel gefahren.

Die MT-Baureihe Baureihe hat Yamaha aus dem Dornröschen-Schlaf geholt und die Marke wieder auf die Erfolgsspur gebracht. Seit der Einführung im September 2013 konnte die Marke mit den Stimmgabeln über 110.000 Einheiten der MT-Familie absetzen, dank stetem Ausbau jedes Jahr mehr als in dem vorangegangen. Den Anfang machte die MT-09: Reihendreiher mit ordentlicher Leistung, drahtiger Erscheinung die Dank geringen Gewichts auch auf der Waage stand hielt und einem extrem attraktiven Preis. Diese verführerische Kombi sorgte für eine verdammt hohe Nachfrage bei knapper Verfügbarkeit – was die MT-09 nur noch begehrenswerter machte. Die Knappheit hat sich mittlerweile gelegt und mit der Tracer 900 und der XSR 900 kamen weitere Varianten dazu. Zur kommenden Saison hat Yamaha die MT-09 überarbeitet und fit für die Zukunft gemacht.

Am auffälligsten ist dabei das neue Gesicht der MT-09, ganz ähnlich dem der MT-10. Aus unserer Sicht sogar besser, denn die große Schwester mag die ausdrucksstärkeren Glotzer haben, aber im Fahrbetrieb bleibt eines davon blind. Erst mit dem Fernlicht leuchtet Auge Nummer 2. Die MT-09 hat 4 LED-Elemente, 2 für Aufblendlicht und nochmal 2 für Fernlicht. Daher schaut die 9er immer aus beiden Augen in die Welt, sieht deutlich besser aus als der schiefe Blick der 10er. Gut gefällt auch das knackige Heck, das trotz kürzerer Abmessung eine längere und besser gepolsterte Sitzbank parat hält. Die luftige Optik ergibt sich natürlich aus der Tatsache das Nummernschild und Spritzschutz jetzt an der Radachse befestigt sind. Allerdings dermaßen klobig das man hier schnellstmöglich beim Zubehör zugreifen möchte. Instrumente und Bedienung sind weitgehend unverändert, allerdings künden sowohl Anzeige als Bedienelemente von einer Neuerung: der Traktionskontrolle. Diese lässt sich in 3 Stufen von der linken Lenkerhälfte aus einstellen: Stufe 2 Street Riding mit maximaler Regelung, Stufe 1 Sports Riding mit lässigerer Regelung und schließlich Off mit keiner Regelung. Beim Motor bleibt es bei 3 Mappings: A für bestmögliches Ansprechverhalten, STD (Standard) für normales und B für zurückhaltendes.

Der Preis bleibt auch bei der neuen MT-09 mit 8.995 Euro absolut im Rahmen, der Kunde hat die Wahl zwischen den Farben Tech Black (Schwarz), Yamaha Blue (Blau) und Night Fluo (Grau mit grellgelben Felgen). Bei Bedarf hält Yamaha ein ganze Menge an Zubehör parat: vom obligatorischen Akrapovic-Schalldämpfer über Heizgriffe bis zum Gepäcksystem und diversen Sitzbänken kann man seine MT-09 beim Händler individualisieren. Uns hat das kleine Windschild Fly sehr gut gefallen, es fügt sich wunderbar in die Lücke zwischen Scheinwerfer und Instrument ein.

Beim Antrieb hat sich nicht so wahnsinnig viel getan. Da die XSR900 schon Euro 4 konform war, hat man den Motor von ihr übernommen. Und das ist gut so. Denn der Reihendreier mit seinen 847 Kubik stellt seine 115 Pferde und 87,5 Newtonmeter derart potent bereit, dass es eine wahre Freude ist. Ab Standgas fackelt der Drilling seine Power ab, legt mit steigender Drehzahl noch ordentlich nach. Die Kombination aus starkem Antritt im Keller und Drehfreude nach oben ist einfach extrem gut gelungen. Das Ansprechverhalten ist in der aktuellen Version stark verbessert. Der aktivste Modus A hat in der Vergangenheit einfach nur genervt, jetzt ist er absolut tauglich. Dennoch ist der Standardmodus noch immer die beste Wahl, nervige Lastwechsel und ruppige Gasannahme sind kein Thema mehr. Im Modus B geht die MT-09 so gemütlich ans Gas das man sie wohl auch auf einer Eisbahn bewegen könnte. Es bleibt dabei: aktuell ist der Reihendreier der MT-09 für uns die Referenz in der Mittelklasse. Lediglich beim Sound könnte er etwas aufregender sein, hier hält sich Yamaha stark zurück. Gut und weitgehend unauffällig funktioniert der serienmäßige Quickshifter zum Hochschalten, nach unten muss man weiterhin zum Kupplungshebel greifen.

Yamaha MT-09 03

An der Sitzposition hat sich nicht viel geändert. Man sitzt weiterhin mehr auf als in dem Motorrad, fast kommt etwas Supermoto-Feeling auf. Die neue Sitzbank ist eindeutig ein großer Fortschritt. Das alte Sitzmöbel war dünn und hart gepolstert, schon nach kurzer Zeit hat der Hintern geschmerzt. Die Zeiten sind vorbei, selbst nach ein paar Stunden verlangte das körpereigene Sitzpolster nach keiner Pause. Anders sieht es da bei schnellen Passagen aus, aufgrund der aufrechten Sitzposition wird der Fahrer zum Windfang und das strengt auf Dauer mächtig an. Das bereits erwähnte Windschild könnte hier zum guten Aussehen zusätzlich noch für Entlastung sorgen. Doch auch ohne das Teil haben wir mächtig Spaß mit der MT-09. Die Bedingungen auf Mallorca könnten zwar besser sein, aber auch nass und kalt können uns nicht den Spaß verderben. Einen wesentlichen Anteil daran trägt der Reihendreier, wir wiederholen es gerne: viel Power im Keller und viel Drehfreude. In der Vergangenheit war eher das Fahrwerk der Spaßverderber, konnte nicht ganz mit dem Motor mithalten. Hier hat Yamaha endlich entscheidend nachgebessert. Bereits im Standard-Setup arbeiten sowohl Federung als auch Dämpfung recht gut. Sowohl Front als auch Heck sprechen sensibel an und schlucken grobe Unebenheiten gut weg. Bei Bedarf lässt sich die Front in Vorspannung als auch Zug- und Druckstufe variieren, am Heck sind die Vorspannung und die Druckstufe einstellbar. Damit hat die MT-09 endlich ein Fahrwerk das dem Antrieb gerecht wird.

Yamaha MT-09 07

Entsprechend gut lässt es sich mit der MT-09 um die Ecken räubern. Wieselflink geht die Yamaha in Schräglage, man hat das Gefühl auf einem viel kleineren Motorrad zu sitzen. Das Handling ist einfach der Hammer. Die Lenkpräzision geht in Ordnung, könnte allerdings etwas präziser sein. Doch auch so fliegt die Yamaha geradezu durch Biegungen aller Art. Schnelle Wechselkurven nimmt sie mit spielerischen Leichtigkeit, zickt nicht rum und zeigt beim Bremsen in Schräglage keinerlei Tendenz zum Aufstellen. In der Standard-Einstellung bietet das Fahrwerk ein hohes Maß an Komfort, bei sportlichem Einsatz kann das Fahrwerk schon mal nachwippen. Dies dürfte sich aber über die Einstellmöglichkeiten der Federelemente beseitigen lassen. Ein besonders Lob verdienen auch die Bremsen, sie packen ordentlich zu ohne bissig zu sein. 

Fahrerausstattung: Helm HJC RPHA ST, Jacke und Hose Rukka Energater