Kawasaki Z650 – Fahrbericht

Kawasaki Z650 – Fahrbericht


Zett-Moped

Kawasaki besinnt sich auf seine Historie und benennt den Nachfolger des Dauerbrenners ER-6n mal eben in Z650 um. Es gab schon einmal ein Motorrad mit dieser Bezeichnung, allerdings handelte es sich um einen Reihenvierzylinder. Wir finden es gut und haben der Z650 in Südspanien schon mal die Sporen gegeben.

Ja, wir sind vollkommen mit der Namensänderung einverstanden. Der Name ER-6n (oder auch f) war immer etwas sperrig, da passt Z650 doch viel besser. Die kleine Z300 war ja auch keine ER-3. Und Modellbezeichnungen mit dem letzten Buchstaben des Alphabets haben bei den Grünen aus Japan schon eine lange Tradition. Jetzt also Z650 – schon hören wir die ersten Nörgler motzen: Z steht doch schon immer für Vierzylinder bei Kawa. Mitnichten, liebe Nörgler. Da ist beispielsweise die Z400B aus den 70ern, mit luftgekühlten Twin. Daraus entstand übrigens die Z440, extrem erfolgreich und ebenfalls mit Zweizylinder. Wer es dann gerne auf kleine Hubräume schieben möchte, dem sei von der Z750 erzählt. Richtig, auch mit der Zylinderzahl 2 und als Z750 LTD auch als Softchopper erhältlich. Und wer jetzt weiter meckert und meint die Z650 vergangener Tage war nun mal ein Reihenvierer, es gab auch eine Z400K mit Reihenvierer. Also kein Stilbruch seitens Kawasaki, im Gegenteil: Historie fortgesetzt.

Dennoch beschäftigen wir uns zuerst nochmal mit der ER-6n. Die hinterlässt ein schweres Erbe, ist sie doch seit Jahren das Erfolgsmodell im Kawa-Programm. Sehr beliebt bei Einsteigern und besonders bei Motorradfahrerinnen. Die Abmessungen sehr kompakt, solide Technik mit mehr als ausreichender Leistung, einfaches Handling und tolles Fahrwerk. So einfach kann Motorradfahren sein. Kawasakis Erfolgsmodell machte es Einsteigern einfach und Geübten dennoch viel Spaß. Dies soll auch der Z650 gelingen. Was die kompakten Ausmaße betrifft, konnte Kawasaki sogar nochmal nachlegen. Die Z650 ist nochmal zierlicher geraten als die ER, die Sitzhöhe ist mit 790 mm sehr niedrig, die Taille ist noch schmaler geworden und Gewicht hat sie ebenfalls verloren. Ganze 19 Kilo hat die kleine Z abgespeckt. Den Löwenanteil davon trägt der Rahmen, aber auch Schwinge und Motor gerieten deutlich leichter als zuvor. Fahrfertig bringt die Z650 somit gerade einmal 187 Kilo auf die Waage.

Ein typisches ER-6-Element war das seitlich am Motorrad angebrachte Federbein. Bei der Z650 ist der Stoßdämpfer zentral und direkt an der Schwinge angebracht, wie zuvor ist es in der Vorspannung einstellbar. Weniger schön: um die Federvorspannung zu verändern, muss man erst einmal mit viel Aufwand den Verstellmechanismus freilegen, der steckt nämlich tief im Rahmen direkt am Federbein und ist entsprechend zugebaut. Die Gabel bereitet einem solche Probleme nicht, sie ist nämlich (wie bisher auch) nicht einstellbar. Erfreulich ist der weiterhin günstige Preis der Z650. Für 6.695 Euro hat der Kunde 3 Farbvarianten zur Wahl: Weiß/Schwarz (Pearl Flat Stardust White / Metallic Spark Black), Schwarz (Metallic Flat Spark Black) und Grau/Schwarz (Metallic Flat Raw Titanium / Metallic Spark Black).

Kawasaki Z650 07

Schon bei der ersten Sitzprobe fallen sowohl die kompakteren Abmessungen als auch das leichtere Gewicht auf. Selbst kleinere Mitmenschen erreichen problemlos mit beiden Füßen den Boden, sehr leicht lässt sich die Z650 vom Ständer nehmen und rangieren. Der Umgang mit ihr fällt im wahrsten Sinne des Wortes leicht. Für normal Gewachsene fällt der Kniewinkel etwas spitz aus, für langbeinige zu spitz. Dafür hält Kawasaki im Zubehörprogramm auch höhere Sitzbänke bereit. Das zentrale Instrument ist jetzt moderner gestaltet und lässt sich gut ablesen. Die Skalierung der Drehzahl ist analog, die eigentliche Anzeige fächert sich unterhalb der Skala auf. Netter Effekt: dreht man zu hoch, fängt die Anzeige an zu flattern. Die Bedienung ist intuitiv, dass man zur Verstellung von Tripzähler etc. die Hand vom Lenker nehmen muss, lässt sich verschmerzen. Ebenfalls angenehm: die Sicht nach hinten über die Rückspiegel ist gut, viel Verkehr und wenig Schultern.

Auch der überarbeitete Reihenzweier weiß zu gefallen. Zwar hat er in der Spitzenleistung ein paar Pferdchen eingebüßt, ist mit 68 PS aber noch immer ordentlich motorisiert. Zumal in der Drehzahlmitte das Drehmoment deutlich gesteigert werden konnte. Im Alltag bedeutet dies spürbar mehr Druck in den relevanten Drehzahlbereichen. Die Z650 lässt sich entsprechend schaltfaul bewegen, schnell ist man durch die 6 Gänge gesteppt und gleitet im letzten Gang dahin. Selbst Überholvorgänge lassen sich im großen Gang erledigen, nur wer es wirklich eilig hat, sollte runterschalten. Die Schaltbox funktioniert übrigens absolut vorbildlich, egal ob hoch oder runter, die Gangwechsel gehen zuverlässig und geräuschlos vom Fuß. Der Sound geht für einen Twin in Ordnung, bei Vollgas röchelt es schön über die Airbox. Antriebseitig gibt es also nix zu meckern.

Kawasaki Z650 05

Und unterwegs begeistert die Z650 erst Recht. Die fehlenden Pfunde wirken sich natürlich auch im Fahrbetrieb positiv aus. Schon die Vorgängerin ließ sich leicht bewegen und war alles andere als ein unhandlicher Klotz. Die Z650 legt da aber noch eins drauf. Ungemein leicht und handlich fühlt sich die Kawa an und fährst sich auch so. Im dichten Stadtverkehr wuselt sich von einer Lücke zur nächsten, im kurvigen Hinterland schnalzt sie geradezu um jede Art von Kurve. Einsteiger fühlen sich auf Anhieb wohl, denn mit der Z650 geht alles leicht von der Hand und man kann sich voll und ganz auf die Straße konzentrieren. Ambitionierte Fahrer fliegen von einer Kurve zur nächsten, nehmen selbst knifflige Wechselkurven spielerisch und ärgern auf engem Geläuf viel stärkere Motorräder.

Die nicht einstellbare Gabel macht ihren Job hervorragend, federt und dämpft sauber und spricht gut an. Das hintere Federbein tut dies ebenfalls, stößt aber deutlich früher an seine Grenzen. Spätestens mit einem schweren Piloten oder mit 2 Personen reichen Feder- und Dämpfungsreserven für wirklich flotten Betrieb nicht aus und das Heck wippt nach. Sicher würde eine höhere Vorspannung hier Abhilfe schaffen, aber hier steht sich die Z650 ja leider selbst im Weg. Die Lenkpräzision geht für ein Motorrad dieser Klasse absolut in Ordnung, die Bremsen sind sogar richtig gut. Die Bremsanlage verlangt geringe Bedienkraft, hat einen guten Druckpunkt und beißt spürbar zu. Für einen Einsteiger bei einer Schreckbremsung vielleicht sogar zu abrupt. Aber Schlimmeres verhindert das ABS. So zeigt die Z650 ein sehr breites Einsatzspektrum, macht auch geübten Fahrer viel Spaß. Mit etwas härterem Heck wäre sie eine echte Waffe.

Fahrerausstattung: Helm Shark Evo-One, Jacke Dane Limfjord, Hose Held Jeans Fame II