Aprilia RSV Mille R

Aprilia RSV Mille R


Monarchie im Alltag

Wäre Italien ein Königreich, so wäre die Aprilia RSV Mille R und erst recht die noch wertvollere Factory wie gemacht zum repräsentativen Fortbewegungsmittel für den Monarchen im Herstellerland. Aber in Qatar, da herrscht noch der Großwesir. Also passt die Welt-Uraufführung dieser so hochwertig ausgestatteten italienischen Maschine wahrhaft königlich ins Bild Saudi-Arabiens, der Emirate und in die Nähe von Bahrain. Nur der Scheich ist reich? Diese exquisite Erscheinung können sich sogar weniger betuchte wie du und ich leisten, ohne gleich Herrscher, Pascha oder eben Scheich einer dicken Ölquelle zu sein.

Be my Valentine! Das Strahlen nimmt kein Ende am 14. Februar: Nicht ein rosenrotes Blumenmeer ist’s, was mich lieben oder Liebling werden lässt. Die liebevolle Einladung zum ersten festen Ran-nehmen der Kilo-Aprilia lässt Herz und Puls hoch und schneller schlagen. Diese Aura öffnet uns jede noch so fest besetzte Schleuse am Frankfurter Flughafen, schwemmt uns sogleich rüber ins subtropische Klima, raus aus wochenlanger Winterstarre, direkt rein ins schmelzende Herz des wüsten Rennkurses Losail Circuit, ganz nah am Persischen Golf. Vor dem Hotel nur die S-Klasse, BMW im 750er Modus und Porsche Cayenne, alle in scheichweiß.

Hautwarmer Rennasphalt auf 5,4 Kilometer Länge mit allererster Grip-Güte und darauf die Aprilia-Armada in edel-schwarz. Wer fühlt sich da nicht nur am Valentinstag voll eingenommen von diesem so betörend sonorem V-Zweizylinder in der so eigenen 60 Grad-Spreizung? Die Italiener fanden in ihrer Marktforschungs-Analyse heraus, dass das Gros der Besitzer sich im Alter zwischen Mitte zwanzig und Mitte dreißig befindet. Hochwertige Komponenten im italienischem Ambiente, ausgereifte Technik der Weltbesten wie Öhlins, Brembo und Sachs, die sowohl auf der Straße als auch in Form von Rennstrecken-Performance ihren kompetenten Ausdruck findet - das sind die Kriterien, die in der Käufergunst dieser innovativen Fahrmaschine ausschlaggebend sind. Weg vom Großserien-Image japanischer Reihenhaus- und Supermarktware, hin zum edlen Auftritt am Bikertreff und weiter zum ausgesuchten Kreis von Liebhabern des passionierten Motorsports bei diversen Rennstrecken-Trainings. Der freie Lauf der Emotionen. Nicht, um sich massenweise um Kopf und Kragen zu rasen - Liebe geht schließlich auch durch Aug und Magen.

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Liebe jeden Tag

Die optische als auch haptische Wirkung dieser italienischen Rasanz spiegelt eben auch und konsequent ihre inneren Werte wider. Denn der seit seinem Debüt in 1998 permanent technologisch fortentwickelte Rotax-Motor bietet in seiner aktuellen 2006er Evolutionsstufe die volle Horse-Power von 143 PS(105 kW). Diese Leistungssteigerung resultiert aus sensibel ausgeführter Überarbeitung des Zylinderkopfes, von 31 auf 33 mm vergrößerten Auslass-Ventilen sowie der vergrößerten Air-Box auf 10,3 Liter. More pressure! Die Konstrukteure verschaffen uns damit nochmals 4 PS und 10 Nm mehr im wichtigsten aller Bezirke, dem mittleren Drehzahl-Bereich. Die Mille „R“ leuchtet in diesem Frühling in drei verschiedenen Farbstellungen von weiß über rot bis schwarz, fesch aufgepeppt mit einprägsamen Graphics. Technisch aufgerüstet verfügt sie nun über eine prachtvolle 43mm-Öhlins-Gabel vor dem sowieso schon souveränem Sachs-Federbein, proper ausgestattet mit Alurädern im edlen OZ-Design und der Option auf einen eindrucksvollen 190er Gummibatzen an der Hinterhand. Neu gestaltet vereinnahmt das aparte Heck den Betrachter durch das schlankere Styling á la Tuono. Das komplette Paket gibt’s jetzt sogar günstiger als in 2005, im harmonischen Preis-Leistungs-Verhältnis schon um 13.498 Euronen. Die samtschwarze Version der Mille R Factory für immer noch lockere 15.598 Euros präsentiert sich in diesem Jahrgang neu mit der radial befestigten Triple Bridge-Bremsanlage von Brembo an den geschmiedeten, güldenen OZ-Rädern und schimmert im Sonnenlicht der Wüste Qatars mit jeder Menge leichtgewichtigen Carbon-Parts am elegant goldfarbenen Chassis. Serienmäßig hochwertig ausstaffiert bietet das voll einstellbare Öhlins-Racing-Federbein in Kombination mit dem Lenkungsdämpfer und der hochwertigen Gabel der tüchtigen Schweden allen forcierten Rennstrecken-Attacken Paroli, lässt erst gar keine Zweifel aufkommen über die Bestimmung der Italienerin.

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Dynastie Endlos-Schleife

Auf dem wüsten Kurs von Doha überzeugen beide Varianten mit ihren fahraktiven Racing- Eigenschaften, halten sie doch sowieso dem ambitionierten Hobby-Racer wie mir als auch den hoch motivierten Jungs der französischen, südafrikanischen und auch deutschen Journalie kompetent und distinguiert in allen noch so heftigen Schräglagen, Beschleunigungs- und Anbrems-Phasen Stand. Die italienischen Assistenten reichen uns die jeweiligen Aggregate mundgerecht vorbereitet wie der Mundschenk fachgerecht den ausgesuchten Qualitätswein. Die weiße zum Breakfast, die rote zum Lunch, die schwarze zum Dinner. Rotlackierte Fingernägel an ausgesuchten RSV-Mille-Griffen? Bertipaglia justiert die Hebel mit sicherem Dreh so nah wie möglich an die Griffgummis – damit ich auch noch in der auf Vollgas-Stimmung bedachten dreifachen Rechts nicht über Schaltmanöver oder Anbremspunkte händelang nachdenken muss. Wirklich? Die Kombination kann in einem Bogen genommen werden? Weit davon entfernt, dem Losail-Neuling langweilig anbiedernd die ideale Ideallinie da in der Wüste zu offenbaren, verhilft aber der gutmütige Charakter der Zweizylindrigen zur vertrauensvollen Performance zwischen all den Heißspornen, die den nicht gerade easy erlernbaren Kurs mindestens schon zum dritten Mal in diesem Frühjahr ausgiebig bereisen können. Und Reisen, die sind mit dieser Mille bestimmt genauso attraktiv zu absolvieren wie ihr erregendes Spiegelbild im Wasser des Talsperren-Treffpunkts zu betrachten, wenn sich erst die neugierige Meute um die verlockend anziehende Italienerin schart. Da könnte bestimmt sogar Berlusconi schwach werden, wenn der nicht so sehr auf ausländische Limousinen mit vier Rädern fixiert wäre. Zum Glück muss aber keiner gleich Herrscher über ein ganzes Land sein – es reicht schon der Leader dieses veritablen Sportbikes einzigartiger Koloratur mit maximalem Prestige zu sein um sich wahrhaft königlich fühlen zu können.

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Text: Sabine Welte

Fotos: Aprilia/welte