Triumph Street Cup – Fahrbericht

Triumph Street Cup – Fahrbericht


Baby-Thruxton

Mit der Präsentation der Street Twin war bereits absehbar das Triumph weitere Varianten auf dieser Basis nachlegen wird. Die Street Cup ist dabei der sportliche Café-Racer und huldigt der Zeit in der ein flacher Lenker und eine Höckersitzbank ein normales Motorrad zu einem Renner machte. Das dies auch heute funktioniert, beweist die Thruxton seit Jahren. Also sollte es doch auch mit der Street Cup klappen.

Die Street Twin hat uns auf Anhieb gefallen: klassische Optik, einfache Technik und viel Drehmoment bei wenig Leistung. Es gibt viele Zeitgenossen die sich fragen wieso ein Motorrad mit 900 Kubik und Flüssigkeitskühlung mit sehr überschaubaren 55 Pferden auskommen muss. Sicher wäre da mehr drin, aber das ist ja mit der Bonneville T120 oder der Thruxton abgedeckt. Für sich gesehen, ist der 900er Twin ein wackerer Geselle, drückt mit seinem Drehmoment schön im Keller und der Mitte und lässt den nominell stärkeren Vorgänger deutlich hinter sich, auch weil er so schön doll brabbelt. Jetzt also der Café-Racer, Street Cup genannt. Der bedient sich klassischer Elemente: die Mischung aus einem um 90 Grad gedrehten und auf dem Kopf montierten Rohrlenker mit angeschraubten Lenkerhälften ist deutlich flacher und führt zur nach vorne gebeugten und damit sportlichen Fahrerhaltung. Kennt man von der vergangenen Thruxton-Generation. Der Bullet getaufte Fahrersitz mit der hinteren Abdeckung in Fahrzeugfarbe kommt einem auch daher bekannt vor. Und das ebenfalls lackierte Flyscreen über dem Rundscheinwerfer rundet das Sportbild noch ab.

Triumph Street Cup 06
 

Schaut man sich die Eckdaten der Street Cup genauer an, stellt man die Teile-Gleichheit zur Street Twin schnell fest. Der Antrieb, das Fahrwerk und die Bremsen sind komplett identisch. Die sportlichen Ambitionen beschränken sich also auf die veränderte Ergonomie und Optik. Der Lenker ist nicht nur tiefer, er ist auch deutlich schmäler, die um 30 mm höhere Sitzposition verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Dies liegt an den verlängerten Federbeinen bei gleichbleibenden 120 mm Federweg. Die technische Ausstattung ist ebenfalls identisch, abschaltbare Traktionskontrolle, ABS, Ganganzeige und Bordcomputer. Die Street Cup hat allerdings 2 Rundinstrumente und der Organspenderin damit den Drehzahlmesser voraus. Die Instrumente sind wunderschön anzuschauen, stammen von der Thruxton und reduzieren den Digitalanteil auf ein Minimum. Alle Funktionen werden übrigens von Lenker aus bedient. Farblich hat der Kunde die Wahl zwischen Racing Yellow / Silver Ice (Gelb/Silber) und Jet Black / Silver Ice (Schwarz/Silber). Egal welche Farbwahl, die Triumph-Homepage schreibt 10.500 Euro auf das Preisschild. Nicht wenig für ein 55-PS-Motorrad, zumal die Basis ganze 1.400 Euro günstiger ist. Und aus sportlichen Gesichtspunkten kommt mit der neuen Street Triple ein ganz anderes Kaliber mit einem wahrscheinlich ähnlichen Preis aus den eigenen Reihen.

Motor Triumph Street Cup – druckvoller Durchzug trifft auf wenig Drehfreude

Die 900 Kubik und 55 PS der Street Cup hatten wir ja bereits erwähnt. Deutlich mehr ins Gewicht fallen da schon die 80 NM bei sehr niedrigen 3.230 Umdrehungen. Sie sind es letztendlich die den Charakter des Twins ausmachen. Der nimmt ab Standgas sauber Gas an und drückt kurz darauf sehr vehement voran. Dazu brummt es sehr vernehmlich aus den beiden mattschwarzen Endtöpfen, die Mischung stimmt einfach. Und es fühlt sich auf den ersten Metern nach deutlich mehr Leistung an. Ein Effekt wie man ihn von den ersten Direkt-Einspritz-Dieseln bei den Autos erlebt hatte. Die drückten über das hohe Drehmoment dermaßen vehement das man kaum glauben mochte das da nur 90 PS drin waren. Aber wie bei den Dieseln hat auch die Street Cup eine Kehrseite: ist es mit dem Drehmomentschub erst einmal vorbei, kommt auch nix mehr nach, zaubern kann auch Triumph nicht. Ein Blick auf den Drehzahlmesser verdeutlicht dies: der geht ohnehin nur bis 6.500 Umdrehungen, selbst flott gefahren bewegt man sich selten über 5.000. Dennoch begeistert uns der Antrieb, denn er verleiht einem letztendlich nicht gerade leistungsstarken Antrieb eine Eigenschaft die man in dieser Klasse nicht vermutet: Souveränität. Wo andere Antriebe mit ähnlicher Leistung ausgedreht und ausgequetscht werden müssen um voran zu kommen, schiebt der Triumph-Zweier kräftig und ohne Hektik aus dem Keller, wirkt dabei deutlich gelassener und klingt verdammt gut – souveräner eben. Da reichen auch 5 Gänge und der letzte taugt sowieso auf der Landstraße für die meisten Fälle. Woanders steppt man wie ein Besessener durch 6 Gänge um die Fuhre auf Drehzahl und damit in Schwung zu halten. Uns ist da die ruhige und doch flotte Art der 80 NM deutlich lieber. 

Triumph street Cup 16

Fahreigenschaften Street Cup – der Sport ist Name und nicht Programm

Auch wenn uns die Marketing-Abteilung von Triumph es glauben machen möchte – aus sportlicher Sicht ist mit der Street Cup kein Pokal zu gewinnen. Was diese aber ja nicht automatisch zu einem schlechten Motorrad macht. Im Gegenteil. Schon bei der ersten Sitzprobe weiß die Street Cup zu gefallen, denn es sitzt sich zwar sportiv, aber nicht sportlich. Der Lenker fasst sich zwar etwas tiefer an, ist aber noch immer recht breit und spannt einen nicht zu tief über den Tank. Die Sitzbank ist überaus bequem und lässt einem viel Bewegungsfreiheit. Und die Fußrasten kommen zwar im Thruxton-Style sportlicher daher, sind aber nicht weiter hinten montiert. Dementsprechend findet man ein wohliges Plätzchen vor und blickt auf die bereits erwähnten (und immer wieder wunderschönen) Runduhren.

Kupplung ziehen und Starter drücken, schon bollert der Reihenzweier los. Der Sound ist ein wesentlicher Bestandteil der Performance, legt die Maschine nicht nur spürbar sondern auch hörbar zu, verstärkt sich der Eindruck des kraftvollen Vortriebs. Und genau dies tut die Street Cup. Die Fahreigenschaften bleiben leider hinter diesem Eindruck etwas zurück. Und das ist sehr schade, denn der kleine Café Racer könnte durchaus mehr, hat beispielsweise eine enorme Schräglagenfreiheit. Die auszuloten ist allerdings nicht ganz so einfach. Dies liegt vor allem an dem deutlich zu weichen und unterdämpften Fahrwerk. Die Gabel verrichtet ihre Arbeit dabei ganz akzeptabel, spricht aber etwas hölzern an um dann auf Bodenwellen bei höherer Geschwindigkeit gemeinsam mit dem nach zu wippen. Das der Autor deutlich zu viele Kilos wiegt, verstärkt diesen Eindruck natürlich. Dass die Street Cup sich beim Bremsen in Schräglage heftig aufstellt, hat damit aber nichts zu tun. Es braucht also etwas an Eingewöhnungszeit, dann hat man sich mit der Triumph allerdings schnell arrangiert.

Denn bei guten Straßenverhältnissen lässt sich die Street Cup sehr flink bewegen. Der 18-Zöller an der Front sorgt für stabiles Richtungsverhalten, die Sitzposition für ein gutes Gefühl für das Vorderrad. Selbst bei tiefen Schräglagen kratzt nix auf der Straße. Trotz der schmalen Bereifung von 100er vorne und 150er (auf 17 Zoll) hinten will die Street Cup  mit einem gewissen Nachdruck bewegt werden, sprich: das Handling ist nicht gerade wieselflink. Und trotzdem hatte der Autor einen Heidenspaß. Denn die Kombination aus Optik, Motor, Sitzposition und Sound passt dennoch. Es gibt flinkere, es gibt kräftigere, es gibt straffere – und dennoch passt das Package im Fall der Street Cup.

Text: Matthias Hirsch

Bilder: Triumph