KTM 390 Duke Fahrbericht

KTM 390 Duke Fahrbericht


Der kleine Herzog

KTM hat mit dem kräftig überarbeiteten Puristen-Roadster 390 Duke die Messlatte in der ambitionierten Mittelklasse höher gelegt

Komisch, in letzter Zeit tauchen immer mehr Motorräder mit eher kleinem Hubraum zwischen 250 und 400 Kubikzentimeter auf – hier wirkt sich die zunehmende Bedeutung der Schwellenländer aus, für deren teilweise explosiv wachsende Zweiradmärkte die Hersteller spezielle Modelle kreieren. Mit einem netten Nebeneffekt: Selbst im verwöhnten Europa erfreuen sich diese Modelle zunehmender Beliebtheit weil sie einfach unkompliziert und preisgünstig zu fahren sind, mithin ideale Einsteigerbikes. Gestandene Motorradfahrer mögen die Nase darüber rümpfen und diese Kategorie als langweilig, im besten Falle als vernunftbetont betrachten. 

Doch Obacht, meine lieben Wohlstandsbiker:

KTM fegt dieses Vorurteil mit der frisch renovierten 390er Duke nachhaltig vom Tisch! Hochwertige Komponenten, herausragende Ausstattung und rattenscharfer Look sind alles andere als einschläfernd. Zum Hingucker wird die Duke durch den markanten LED-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht und orangene Felgen, den prägnanten Gitterrohrrahmen mit Fachwerkschwinge und die extrem athletische Silhouette, alles in auffälligem Orange, Weiß und Schwarz gehalten. Diese rassige Anmutung teilt die 390er-Duke mit ihren Schwestern mit 125 und 250 Kubik, die wie diese in Indien beim KTM-Kooperationspartner Bajaj gefertigt werden. Doch bevor die Dukes zum Händler kommen, durchläuft jedes Exemplar am Stammsitz in Mattighofen noch eine Endkontrolle.

KTM 390 Duke Sitzposition

Vom 83 Zentimeter hohen, eine leichte sportliche Vorlage verlangenden Plätzchen prägen hochwertige Details den Blick nach vorn wie der breite konische Lenker und das erste farbige TFT-Display der Klasse. Mit Ganganzeige, vom Lenker aus bedienbarem Menü, automatischer Helligkeitserkennung und drehzahlabhängigem Farbwechsel stellt der aufgeräumte Bildschirm ein Muster an Ablesbarkeit dar – nicht nur in der Mittelklasse! Für viel farbige Abwechslung im Cockpit sorgt der digitale Drehzahlmesser, der das gesamte Display je nach Drehzahlbereich in unterschiedlichen Farben leuchten lässt. Das wiederum liegt am überarbeiteten flüssigkeitsgekühlten Single, den das neue Ride-by-Wire-System besonders drehfreudig macht: Ab 6000 Touren rast der digitale Drehzahlmesser rasant dem roten Bereich bei 10.500/min entgegen. Ihre 44 PS aus 373 cm3 Hubraum setzt die Duke in herzerfrischenden Vortrieb um, untermalt von einem erstaunlich vollen Auspuffsound aus dem rechtsseitigen Serien-Schalldämpfer – daran hat’s bei der letzten Version noch gehapert. Trotz Ausgleichswelle bleibt der Motor ein echter Rabauke, was aber weniger stört als es dem Auftritt eine individuelle Note verpasst. Für Führerschein-A2-Aspiranten wichtig: Die neue 390 Duke ist voll A2-Tauglich ohne die früher notwendigen Drosselmaßnahmen.

KTM 390 Duke Motor

Fahrwerk:

Erwachsen ist das richtige Attribut, wenn es um’s Fahrwerk geht: Vorn arbeitet eine 43 mm USD-Gabel in Open-Cartridge-Bauweise, hinten ein Stoßdämpfer mit separater Kolbentechnologie, dazwischen ein KTM-typischer Gitterrohrrahmen mit angeschraubtem Heckrahmen. Mit trocken nur 149 Kilo macht die 390er auf Anhieb einen leicht beherrschbaren Eindruck, eine handlingfreundlichere Geometrie verleiht ihr zusätzliche Agilität. Damit ergibt sich ein unheimlich leichtfüßiges, keinesfalls jedoch nervöses oder unausgewogenes Fahrverhalten in der City wie über Land. Die Federelemente sorgen für eine tolle Straßenlage und ausgezeichnete Stabilität auch auf wenig angenehmen Untergründen, die mit einer größeren 320er-Bremsscheibe vorn versehenen ABS-Stopper sind jederzeit Herr der Lage und verzögern machtvoll. Die ohnehin gute Ausstattung komplettieren einstellbare Handhebel und ein auf 13,4 Liter Fassungsvermögen angewachsener Stahltank, der bei Verbräuchen von rund vier Litern weit mehr als 300 Kilometer Reichweite ermöglicht. Hinzu kommt die insgesamt gute Verarbeitung und die Option KTM MY RIDE, die für knapp 30 Euro aus dem Cockpit eine Freisprecheinrichtung samt Audioplayer macht.