Suzuki V-Strom 650 XT

Suzuki V-Strom 650 XT


Mit dem Strom

Bei der neuen V-Strom 650 hat Suzuki das Gesamtpaket umfangreich aufgemöbelt. Als erstes fällt jedoch die deutlich gefälligere Optik ins Auge, die dem Allrounder mehr Freunde bescheren dürfte.

Suzuki hat nicht überragend viele Motorräder im Programm, die sich einer gewissen Beliebtheit rühmen können. Die Mittelklasse-Enduro V-Strom 650 zählt seit ihrer Erscheinung im Jahre 2004 dazu – ungeachtet ihres bestenfalls unauffälligen Aussehens. Für einen größeren Erfolg des agilen Tausendsassas nutzt Suzuki die ohnehin fällige Überarbeitung für die Euro 4-Vorgaben und hat sich die 650er in allen Bereichen vorgenommen: Optik, Motor und Fahrwerk wurden modifiziert.

Suzuki V-Strom 650 XT 03
 

Mehr Eigenständigkeit

Besonders das Aussehen ist wichtig: Vorne leuchtet bei der 650er nun auch der schmale, übereinander angeordnete Doppelscheinwerfer, der ihr das markante Familiengesicht gibt – die große V-Strom 1000 hat den gleichen unverwechselbaren Blick mit dem langgezogenen Schnabel und dem großen Windschild darüber. Hinten sorgt ein LED-Rücklicht dafür, dass man nicht übersehen wird. Noch besser sieht die offroadorientierte XT-Version an, die zum Aufschlag von 600 Euro auf den Preis der Standardversion (8390 Euro) auch mehr zu bieten hat: Serienmäßige Handprotektoren schützen vor Fahrtwind und geben der Front mehr Fülle, ein Unterfahrschutz aus Kunststoff versteckt unschön verlegte Kabel und Schläuche und den Auspuffkrümmer dazu, und als i-Tüpfelchen obenauf rollt die XT auf Speichenrädern – in Gold leider nur bei der gelben Farbvariante. Die weiße und schwarze V-Strom 650 verfügen über schwarze Felgenringe.

Suzuki V-Strom 650 XT 09

Geschliffener Charakter

Mit jeder Menge Detailmaßnahmen haben die Suzuki Motorenentwickler den 90-Grad-Vau-Zwo mit Flüssigkeitskühlung für die Euro-4-Homologation fit gemacht. Dazu zählen tiefgreifende Modifikationen wie neue Kolben und eine geänderte Auslassnockenwelle, die überarbeitete Einspritzanlage und die neue Komplettauspuffanlage. Befürchtungen, die neue Norm würde den Vau zustopfen, erweisen sich als unbegründet, im Gegenteil: Der Antrieb läuft nicht nur sauberer, er wurde unterm Strich sogar stärker. Aus dem unveränderten Hubraum von 645 cm3 erlöst der V-Strom-Motor nun mit 71 PS und 62 Newtonmeter zwei PS und Newtonmeter mehr als die direkte Vorgängerin.

Das sieht nicht nur auf dem Papier gut aus – die Leistungs- wie die Drehmomentkurve liegen bis auf den Bereich um 4000 Touren immer ein wenig über der letztjährigen 650er –, sondern wirkt sich auch im Fahrbetrieb förderlich aus. Ab 2000 bis gut 8000 Touren drückt der 650er mit typischer V-Charakteristik nachdrücklich voran, ohne zu vibrieren oder mit Lastwechseln zu nerven. Höher drehen macht wenig Sinn, vielmehr erlaubt die angenehm kräftige Drehzahlmitte die Wahl aus mindestens zwei, manchmal sogar drei Gangstufen, ohne nennenswert an Vortrieb einzubüßen. 

Elektronisch aufgewertet

Durch die Zugabe neuer elektronischer Helferlein hat Suzuki das Alltagsleben auf der V-Strom bequemer gemacht. So genügt beim Easy Start System ein kurzer Druck aufs Knöpfchen, dann übernimmt der Zentralrechner das Starten und sorgt für sicheres Anspringen unter allen Bedingungen. Komfortables Anfahren ohne viel Kupplungsspielerei ermöglicht der Suzuki Low RPM Assist, der beim Einkuppeln automatisch die Drehzahl ein wenig anhebt und damit ein Abwürgen praktisch unmöglich macht. Für engagierte Kurventreiber ist neuerdings eine zweistufige Traktionskontrolle an Bord, die sich bei Bedarf auch deaktivieren lässt. Das sehr defensiv abgestimmte System greift allerdings recht früh ein, denn selbst in der schärferen Stufe 1 flackert es bei herzhafter Gangart im neuen Instrumentarium wie beim Sommergewitter. 

Suzuki V-Strom 650 XT 11

Agile Fahrdynamik

Eine solch dynamikorientierte Fahrweise ist mit der 650er gar kein Problem, obwohl die vollgetankte XT mit 216 Kilo (Standardversion: 213 kg) alles andere als ein Leichtgewicht ist. Ihr Vorteil ist das Vertrauen in das Motorrad, das sich auf Anhieb einstellt. Die V-Strom fährt nicht übertrieben handlich, aber zuverlässig und agil ums Eck. Über enge Kurvenstrecken mäandriert sie mühelos und sehr sicher, das jederzeit nachvollziehbare Fahrverhalten und das Gefühl, stets mit reichlich Reserven unterwegs zu sein, machen den flotten Kurventanz zum unterhaltsamen Genuss. Trotz der recht komfortablen Abstimmung macht die Suzuki selbst einen engagierten Einsatz ohne größere Wackeleien mit. Ein Grund für das tadellose Fahrverhalten liegt in den neuen Bridgestone Battlax Adventure A40-Reifen. Sehr neutral, prima präzise und mit einem bärigen Grip selbst bei Nässe gesegnet, lassen sie die Suzuki kontrolliert um die Ecke wetzen. 

Für mehr Handlichkeit lässt sich die Federbasis am Heck mittels hydraulischer Einstellung im Handumdrehen anheben. Damit lässt sich zumindest teilweise die entkoppelnde Sitzhaltung in der tiefen Sitzmulde kompensieren, die den Fahrer durch den hohen Lenker in eine Erdmännchenstellung zwingt. Ehrlich, aber nicht wirklich sportlich agieren die mit größeren Scheibendurchmessern versehenen Bremsen – die beiden Schwimmsattelzangen vorn wollen von einer kräftigen Hand betätigt werden, dann klappt es auch mit der Verzögerung.

Sinnvolle Aufwertung

Hinsichtlich der Serienausstattung hat sich Suzuki der Kritik angenommen, die noch beim Vorgängermodell geäußert wurde. So besitzt die 2017er-Auflage ein größeres Windschild, das sich allerdings nur unter Zuhilfenahme von Werkzeug dreifach in der Höhe verstellen lässt. Endlich lassen sich die Anzeigen im neuen, nun mit einer Ganganzeige versehenen Cockpit vom Lenker aus anwählen und einstellen, gleiches gilt für die Traktionskontrolle. Tourenfahrer freuen sich über die Bordsteckdose im Vorbau, über die sich ein Navigationssystem versorgen lässt, und die serienmäßige Vorbereitung zum Anbau eines modifizierten Gepäcksystems, das durch den tiefer gelegten Schalldämpfer nun weit weniger ausladend ausfällt und das Herumschlängeln im Verkehr nicht mehr über Gebühr einschränkt.