Ducati Scrambler Café Racer

Ducati Scrambler Café Racer


Von Café zu Café

Eine Hommage an die 1960er Jahre... So oder so ähnlich könnte Ducats Café Racer auch heißen. - Wir haben den Retro Racer für euch unter die Lupe genommen.

Man könnte wie im Märchen anfangen: Es war einmal...

...und meint damit eine der bedeutendsten Subkulturen der Motorradgeschichte: Die Café Racer aus dem England der Sechziger Jahre. Diesen setzt Ducati mit dem neuesten Modell der Scrambler-Baureihe ein kleines Denkmal, denn dieses sieht aus wie in den 1960er-Jahren: Damals, in den Roaring Sixties, haben die Heranwachsenden ihre Serienmodelle liebevoll und mit viel Fachkenntnis in sportliche Einzelstücke umgebaut. Stummellenker, kleine Schutzbleche, Einzelsitzbänke mit Sitzhöckern, schnörkellose Tanks aus (poliertem) Leichtmetall und zurückverlegte Fußrasten waren die Insignien, die aus einem stinknormalen Serienmotorrad einen Café Racer machten. Der große Einzelscheinwerfer musste bleiben, dann hatten die Burschen sie nur eines im Sinn: Möglichst schnell von einem Café zum nächsten zu rasen, sie waren die Café Racer.

Ducati führt diesen Ansatz weiter fort mit einer edlen Höckersitzbank und Startnummerntafeln auf der Seite, auf denen die für Ducati bedeutsame Nummer 54 prangt: Mit dieser Startnummer gewann Bruno Spaggiari 1968 die renommierte Mototemporada Romagnola auf einer Ducati, deren Motor vom 350er-Scrambler-Einzylindermotor abgeleitet war. 

Ducati Scrambler Café Racer 08

Motor und Technik

Heute werkelt natürlich kein Einzylinder mehr im Gitterrohrgeäst sondern der kultivierte Zweiventil-Desmo-Vau mit 803 cm³, bekannt aus der ehrwürdigen Monster 796. Der luft-ölgekühlte Zweiventiler mobilisiert in der Café Racer maßvolle 75 PS, die von einem maximalen Drehmoment mit 68 Nm unterstützt werden. Das bewährte Triebwerk serviert seine Vorzüge durchzugsfreudig mit einem breiten nutzbaren Drehzahlbereich, was die Schaltarbeit aufs Notwendigste reduziert. Einsteigergemäß geht der Desmo-Twin beim Anfahren zurückhaltend zur Sache, ab 2000 Touren nimmt die Leistung gleichmäßig und gut beherrschbar zu. Bis in hohe Drehzahlregionen zeigt der Bologna-Twin einen geschliffenen Charakter, Virbatinen bleiben Fehlanzeige. Von der Lebendigkeit der klassischen Vorbilder ist das Aggregat aber vor allem im ersten Drittel der Gasgrifföffnung ziemlich weit entfernt. 

Immerhin sorgt diese zurückhaltende Art für einen jederzeit handzahmen und gut kontrollierbaren Charakter, der für viel Vertrauen auch bei weniger versierten Motorradfahrern sorgt. Nur das knochige Sechsganggetriebe will nicht zu dem geschliffenen Charakter passen.

Ducati Scrambler Café Racer 03

Fahrwerk und Fahrdynamik

Basierend auf dem klassischen L-Twin-Motor einer Ducati – andere Hersteller sprechen hier vom 90-Grad-Vau und meinen dasselbe – haben die Scrambler-Produktmanager unterschiedliche Modelle mit maßgeschneiderten Fahrwerken kreiert. Bei der Café Racer lag ihnen besonders die Handlichkeit am Herzen: Auf sanft geschwungenen Landstraßen fühlen sich die Ducati und ihr Pilot besonders wohl, folgt den eingeleiteten Fahrbefehlen aufs Wort und durcheilt auch knifflige Passagen ohne Schweißausbrüche zu verursachen. Dieses Wohlverhalten hält genau so lange an wie der Untergrund piekfein ist. Sobald Wellen, Falten oder Beulen den Asphalt zieren, schlägt der brave Charakter schnell in Richtung jugendlicher Rebell um. Die Café Racer nervt mit deutlicher Aufstelltendenz und will auf Kurs gehalten werden, man geht automatisch ein wenig vom Gas. 

Für die dann gemäßigtere Fahrdynamik zeigt sich die Einscheibenbremse im Vorderrad locker gewachsen, die mit einer spektakulären Vierkolben-Radialzange bewehrt nach viel mehr Biss aussieht als sie tatsächlich bietet. Weiterer Kritikpunkt: Der weiche Druckpunkt stört die Dosierbarkeit nachhaltig, doch immerhin ist das ABS so gut abgestimmt, dass man es nur sehr selten zum Regeln bringt.

Trotz der optisch gelungenen Adaption der historischen Vorbilder mit besonders knappen Radabdeckungen, sportlichen Zehnspeichen-Gussfelgen, einem authentischen Stummellenker aus Aluminium mit Rückspiegeln an den Enden wohnt dem italienischen Café Racer eine Menge Praxistauglichkeit inne: Die Rücksicht in den Spiegeln ist erstaunlich gut, und anders als bei den rückenmordenden Ahnen bietet die Ducati ein angenehmes Sitzplatzambiente: Der Fahrer greift ein wenig nach vorn an die moderat gekröpften Lenkerstummel und fühlt sich mit entspannten Kniewinkeln im Dreieck aus Sitzbank, Rasten, Lenker durchaus wohl. Einzig die nach vorn abfallende Kontur der Sitzbank lässt den Piloten beim Bremsen immer ein wenig zum Tank hin rutschen.