Yamaha MT-10 SP

Yamaha MT-10 SP


Highend und krass

Upgrade für den polarisierenden Hyper Naked-Vorturner von Yamaha: Die MT-10 gibt es nun auch als edel ausgestattete SP-Version.

Mit der landstraßensportlichen MT-Baureihe tat Yamaha einen echten Glücksgriff. Wobei: Glückliche Fügung ist das nicht, wenn ein Hersteller nach sorgfältigen Marktstudien eine Baureihe kreiert, die wie keine zweite in den letzten Jahren die Nachfrage bedient. Von der MT-125 über die MT-03, MT-07 und MT-09 sind die avantgardistisch gestylten Modelle ein Quotenhit, angeführt vom Familienoberhaupt MT-10, die sich des Aggregats der famosen YZF-R1 rühmen darf. 

Jetzt legt Yamaha einen drauf und stellt dem erfolgreichen Basismodell eine hochwertig ausgestattete MT-10 SP zur Seite – im gleichen krassen Outfit wie das verblüffend erfolgreiche Basismodell. Das heißt: Auch die neue MT-10 SP ist optisch alles andere als Everybody’s Darling, ganz im Gegenteil. Die polarisierende Techno-Look-Formel, die ihren Kulminationspunkt in der eckig-aggressiven Insektenfront mit Voll-LED-Ausstattung findet, ist alles andere als Mainstream, kommt aber vermutlich genau deswegen so gut an.

Yamaha MT-10 SP 11
 

Antrieb aus der R1 

Allerdings hat die MT-10 SP noch eine Reihe weiterer Vorzüge zu bieten, allem voran den flüssigkeitsgekühlten Crossplane-Vierzylinder mit 90-Grad-Hubzapfenversatz. Der in seinen Grundzügen vom Kult-Supersportler R1 abstammende Triebsatz zeigt sich für den weniger rennmäßigen Einsatz zurück genommen, in der MT-10 SP ist er für 160 PS Leistung und 111 Newtonmeter Drehmoment gut. Jenseits dieser fixierten Daten lässt sich der Charakter der Yamaha über drei vom rechten Lenker anwählbare Fahrmodi weiter verfeinern, und dass in einem größeren Maße als beim Basismodell: Gegenüber dieser findet nämlich eine stärkere Spreizung über die erste Hälfte der Gasgrifföffnung statt. Das bedeutet für den Fahrbetrieb, dass der Reihenvierer im entspanntesten Modus 3 sehr sanft und eine Spur verzögert einsetzt. In der im Alltag praktikabelsten Stufe 2 spricht das Aggregat sauber an und liefert einen kräftigen Schub. In 3 spürt man, dass der Motor gefordert und vor allem unter Zug gehalten werden will, was andernfalls deutliche Lastwechsel zur Folge hat. Wird der Gasgriff voll aufgerissen, stellt sich R1-Feeling ein – dann katapultiert sich die MT-10 SP bemerkenswert kraftvoll voran. 

Quickshifter serienmäßig

Für diesen Einsatzzweck ist der neue Schaltautomat gemacht, der bei der SP serienmäßig für schnelle Gangwechsel sorgt. Aber erst ab Drehzahlen von 4000 Touren aufwärts, besser noch 5000, funktioniert das Hochschalten ohne Kupplung und Zugkraftunterbrechung tadellos. Allein dieser Antrieb macht die MT-10 SP zum Souverän der Landstraße, bei jedem Tempo und jeder Drehzahl – man kann Feuer geben, wann immer man will. Dabei verlangt Triebwerk nicht unbedingt danach, denn auch im niedertourigen Bereich gibt sich die MT-10 SP souverän und schmeichelt den Ohren mit ihrem für Reihenvierzylinder üblich dumpf bollernden und pulsierenden Charakter – ein einzigartiger Sound im gesamten Zweirad-Orchester.

Elektronik im Fokus

Die eigentliche Errungenschaft der MT-10 SP ist aber das elektronische Racing-Fahrwerk (ERS) von Öhlins, das wie bei der exklusiven Yamaha YZF-R1M die Dämpfung während der Fahrt an die Bedingungen automatisch anpasst. Im Gegensatz zur R1M kommt das System hier aber ohne die Informationen eines Schräglagensensors aus. Stattdessen wertet ein spezielles Steuergerät eine Vielzahl von Daten aus und steuert entsprechend die Druck- und Zugstufeneinstellung von Upside-Down-Gabel wie Federbein. Dem Fahrer stehen zwei Automatik- und drei Manualmodi zur Verfügung, die über das Hauptmenü im neuen, übrigens sehr gut ablesbaren farbigen TFT-Display gesteuert werden. Übe die Basiseinstellungen hinaus bietet das Display auch die Möglichkeit, die jeweiligen Parameter nach eigenen Vorlieben weiter fein zu justieren. Während der Fahrt können die drei Motormodi, die Einstellungen der dreistufigen Traktionskontrolle und das ERS umgestellt werden.

Yamaha MT-10 SP 05
 

Qual der Wahl

Aus der Vielzahl der Einstellungen hat sich bei uns für die engagierte Landstraßenhatz ein leicht abgesofteter Automatikmodus A2 als beste Wahl herausgestellt. Der passt prima und macht die 210 Kilogramm leichte MT-10 SP angenehm stabil und ausreichend agil – ein Wunder an Handlichkeit ist die Yamaha mit dem modifizierten R1-Brückenrahmen indes nicht, wenn sie pfeilschnell und satt liegend über den Asphalt pfeilt. Die A1-Abstimmung ist für makellosen Untergrund gedacht, während man die manuellen Einstellungen mit fixer Dämpfung ohne automatische Regelung eigentlich nicht mehr braucht. Die sportliche Fahrweise wird bestens unterstützt von der vorderradorientierten, aber dennoch entspannten Sitzposition mit aufrechtem Oberkörper und den allzeit bereiten, über jede Kritik erhabenen Stopporganen. Die mächtigen Vierkolben-Radialzangen vernichten etwaigen überschüssigen Vortrieb mit hoher Effektivität und sportlich abgestimmtem ABS auf humorlose Art und Weise.